Was vom Tage bleibt

_

Was vom Tage bleibt: Einer gegen alle

Bei Thyssen kehrt Konzernchef Hiesinger mit eisernem Besen. Der EU-Parlamentspräsident macht sich zum Buchhalter. Ein Hedgefonds-Manager mischt Apple auf. Und die FDP beschäftigt sich mit sich selbst. Der Tageskommentar.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.
Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Anzeige

Hiesingers eiserner Besen

Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger hat etwas vor: Er will den angeschlagenen Essener Stahlriesen in einen Industriekonzern umbauen: Anlagenbau, U-Boote und Aufzüge statt Stahlträger, Schienen und Rohre. Nun wagt Hiesinger den ersten Schritt: Im Stammgeschäft Steel Europe streicht der Vorstandschef 2000 Stellen – mindestens. Hiesinger hat es jetzt mit Knut Gieseler zu tun. Der ist IG-Metall-Bezirksleiter und fordert: „Niemand bei Thyssen-Krupp darf arbeitslos werden. Die Rechnung für vergangenes Missmanagement darf nicht den Beschäftigten ausgestellt werden." Da hat Gieseler sicher recht. Die Rechnung wird aber noch höher ausfallen, wenn Hiesinger sich in die unseelige Tradition seiner Vorgänger einreiht, und jetzt nicht das Richtige unternimmt.

 

Buchhalter Europas

 

Wollen Sie wissen, wie viel die Europäische Union in den Jahren 2014 bis 2020 ausgeben kann? Nein. Ich schreibe es trotzdem hier auf, weil es die Teilnehmer des EU-Gipfels so beschlossen haben: 908,4 Milliarden Euro. Dass die Summe niemanden außer den Eurokraten wirklich interessiert, hat drei Gründe: Erstens ist sie so enorm, dass sie sich jeder Vorstellungskraft entzieht. Zweitens könnten sich die Gipfel-Teilnehmer auf jede Summe einigen, wir hätten immer den Eindruck, es sei irgendwie zuviel, weil wir drittens nicht wirklich erkennen, wofür das Geld ausgegeben wird. Wenn deswegen der Präsident des EU-Parlaments Martin Schulz darüber räsoniert, dass das zu wenig ist, kann ich ihm nicht wirklich folgen. Der Mann sollte eigentlich Botschafter Europas sein, leider hat es nur zum Buchhalter gereicht.

 

Einer gegen Apple

David Einhorn gehört der umstrittenen Spezies der Hedge-Fonds-Manger an. Sein finanzkräftiger Hedgefonds Greenlight Capital besitzt 1,3 Millionen Apple-Aktien. Einhorn hat jetzt Apples rumliegendes Kapital gezählt und möchte davon mehr in seiner eigenen Kasse sehen. Die Aktionäre müssten stärker am Erfolg des Unternehmens teilhaben, fordert er. Einhorn startete seinen Vorstoß mit Auftritten bei US-Fernsehsendern sowie einem Brief an die anderen Anteilseigner. „Es ist Euer Geld“, schrieb er. Parallel dazu reichte er Klage beim Bezirksgericht in Manhattan ein. Das alles klingt nach kraftvoller Offensive. Das Blöde bei Hedgefonds ist, dass sie am Ende gerne mal die Kuh, die sie melken, aus Versehen schlachten. 

 

Die FDP und der -ismus

Rainer Brüderle kann sich bei Jörg-Uwe Hahn bedanken. Der Mann ist Justizminister und FDP-Funktionär in Hessen und hat dafür gesorgt, dass die Sexismus-Debatte in der FDP zu Gunsten einer Rassismus-Debatte gewichen ist. "Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren", hatte Hahn gesagt. Der Ausspruch sagt etwa soviel über Hahn, wie der Dekolte-Vergleich über Brüderle - nämlich nichts. Er sagt dafür eine Menge aus über die, die sich nun darüber erregen. Sie haben die FDP als ideales Opfer entdeckt, so wie es früher immer einen in der Klasse gab, der machen konnte, was er wollte und dennoch nicht auf einen grünen Zweig kam. Die FDP als Opfer, das Mitleid erregt - diese Sichtweise auf sie ist das wahre Problem dieser Partei.

 

Ein -ismusfreies Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

Was vom Tage bleibt Tagesrückblick als E-Mail-Abonnement

Unseren kommentierten Nachrichtenrückblick ab 18.30 Uhr werktäglich in Ihrem Postfach - hier bestellen.

Was vom Tage bleibt: Tagesrückblick als E-Mail-Abonnement

  • Kommentare
Kommentar: Rote Karte mit Risiko

Rote Karte mit Risiko

Die EU wehrt sich gegen Chinas Exporteure und erhebt Schutzzölle auf Solarmodule. Diese Politik der klaren Kante ist überfällig – selbst wenn Vergeltung aus Peking wohl nicht lange auf sich warten lassen wird.

Hartz-IV-Aufstocker: Falsche Hiobsbotschaften

Falsche Hiobsbotschaften

Die Agenda 2010 ist nicht unsozial. Im Gegenteil: Den nun wieder als Ungerechtigkeit gescholtenen 323.000 „Aufstocker-Stellen“ steht ein beinahe Hundertfaches an neuen sozialversicherungspflichtigen Stellen gegenüber.

  • Kolumnen
Dutschke spricht: Was für eine Verschwendung

Was für eine Verschwendung

Berlin will zwei Standorte der Landesbibliothek zusammenführen. Klingt sinnvoll. Doch die Kosten-Prognose erinnert an andere Großprojekte, die viel zu teuer ausfallen. Die Standortwahl setzt noch eins drauf.

Was vom Tage bleibt: Franzosen würden Merkel wählen

Franzosen würden Merkel wählen

Eine Umfrage sieht Merkel in Frankreich ganz vorn. Die Zentralbank denkt weiter über eine Schuldengemeinschaft und die SPD über eine Vermögenssteuer nach. Und: Das Olivenöl ist in Gefahr. Der Tagesbericht.

Handelsblog Bringt die Bürokraten in Erklärungsnot!

Die Regierung feiert sich. Mal wieder. Das Bundeskabinett hat den Bericht des Normenkontrollrates verabschiedet. Klingt abstrakt? Hat aber ganz praktische Bedeutung, denn es geht dabei um den von allen geforderten Abbau von Bürokratie. Die... Von Florian Kolf. Mehr…

  • Gastbeiträge
Gastkommentar: Britische Europaskepsis hilft schottischen Separatisten

Britische Europaskepsis hilft schottischen Separatisten

Je stärker das europaskeptische Lager im Vereinigten Königreich wird, desto wahrscheinlicher wird eine Abspaltung Schottlands. Um separatistische Bestrebungen einzudämmen, sollte sich die EU um die Briten bemühen.

Angelina Jolie und die Folgen: „Eine barbarische Operation“

„Eine barbarische Operation“

„Ich kann Angelinas Angst gut verstehen, auch mir haben sie eine Brust amputiert.“ Über ihren Umgang mit dem Thema Brustkrebs und ihr Leben nach der Operation berichtet die New Yorker Künstlerin Matuschka.

Gastkommentar: Die Reformen im Euro-Raum wirken

Die Reformen im Euro-Raum wirken

Statt zusammen gegen die Krise vorzugehen, findet zwischen Europas Staaten inzwischen ein reger Schlagabtausch statt. Dabei kommen die Krisenländer in Sachen Reformen sogar gut voran. Anerkannt wird das zu wenig.

  • Presseschau
Presseschau: „Spaniens Tage sind gezählt“

„Spaniens Tage sind gezählt“

Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle. Die Presseschau.