Was vom Tage bleibt
Endlich eine Frau

Janet Yellen soll in der Fed für frischen Wind sorgen, in Deutschland bleibt erneuerbare Energie teuer. Alitalia fliegt Richtung Insolvenz, Spanien freut sich über Vertrauen. Bei Siemens kriselt es. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Bernanke ausbremsen

Nun wird es also doch eine Frau: Anfang nächsten Jahres übernimmt Janet Yellen die Führung der US-Notenbank und steigt damit zur wichtigsten Geldpolitikerin der Welt auf. Dass erstmals eine Frau an die Spitze der Fed rückt, ist zwar schön, aber nicht die entscheidende Frage. Wichtiger ist vielmehr, dass Janet Yellen schnell die richtigen Entscheidungen trifft. Noch-Fed-Boss Ben Bernanke verweigert bislang den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik. Wenn ihr Vorgänger bei dieser Verweigerungshaltung bleibt, dann muss eben Yellen im Januar für den Kurswechsel bei der Fed sorgen. Die Luft aus der amerikanischen Geldblase muss schnell heraus, sonst drohen bald gewaltige Probleme.

Heilige Subvention

Stillstand herrscht in Deutschland bei der Förderung von Solar- und Windstrom. Niemand fragt kritisch nach, ob diese Subventionierung im großen Stil überhaupt noch sinnvoll ist. Die Zeche dafür zahlen wieder einmal die privaten Verbraucher. Die sogenannte Ökostrom-Umlage der privaten Haushalte steigt schon wieder. Für eine Kilowattstunde wird vom kommenden Jahr an ein Cent mehr fällig – damit die vielen Solar- und Windparks überhaupt betrieben werden können. Eigentlich müssten unsere Politiker diesem bunten Treiben ein Ende bereiten und endlich für Vernunft in der Energiepolitik sorgen. Aber in Berlin wird erst einmal mit großer Langsamkeit über mögliche Koalitionsmodelle nachgedacht, Reformen werden unter diesen Vorzeichen auf die lange Bank geschoben. Frei nach dem Motto: Mögen die Verbraucher doch einfach mehr bezahlen.

Römischer Irrglaube

Alitalia mag eine ehrenwerte Fluggesellschaft sein. Aber am Ende zählt doch allein die Wirtschaftlichkeit. Und die sieht seit Jahren extrem miserabel für das Unternehmen aus. Trotz hoher Verluste meint die Regierung in Rom, dass sie unter allen Umständen am Prestige-Objekt einer nationalen Airline festhalten muss. In der Alitalia-Krise wird sich die Regierung sicherlich wieder weichklopfen lassen und das fehlende Geld zum Weiterbetrieb zuschießen. Aber warum eigentlich? Schon vor Jahren hat selbst die reiche Schweiz erkannt, dass eine nationale Fluggesellschaft verzichtbar ist. Was muss eigentlich noch alles passieren, dass Italien diese Lektion lernt?

Lebendiges Spanien

Schon seit einigen Wochen mehren sich die Anzeichen, dass die Euro-Zone das Schlimmste hinter sich haben könnte. Spanien hat am Mittwoch einen wichtigen Vertrauensbeweis der Finanzmärkten erlebt. Für eine Staatsanleihe mit 31 Jahren Laufzeit war die Zahl der Bieter größer als ursprünglich gedacht. Wer solch ein Papier jetzt kauft, der vertraut der Regierung in Madrid wieder – und zugleich dem Euro. Wir könnten noch mehr solcher positiven Nachrichten aus anderen Krisenländern gebrauchen. Dann wüssten wir definitiv, dass die Krise wirklich vorüber ist.

Lockvogel Geld

Es vergeht kaum ein Tag, an dem der Siemens-Konzern nicht für Schlagzeilen sorgt. Jetzt sieht es danach aus, als ob der Betriebsratschef besonders fürsorglich vom früheren Vorstandsvorsitzenden Peter Löscher behandelt wurde. An die 300.000 Euro jährlich soll der oberste Arbeitnehmervertreter von Siemens bekommen. Das ist wahrlich stattlich und mehr als das Gehalt der Bundeskanzlerin. Da wundert es nicht, dass der Betriebsratschef mit 65 Jahren nicht in Rente gehen und noch ein Jahr dranhängen möchte. Der neue Vorstandschef Joe Kaeser sollte sich sehr genau überlegen, ob er dieses Spielchen mitspielen möchte. Wer für einen echten Neuanfang im Konzern sorgen will, der bräuchte auch einen neuen Sparrings-Partner auf Arbeitnehmerseite.

Einen geruhsamen Abend wünscht Ihnen ganz herzlich

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Endlich eine Frau"

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  • Endlich eine Frau aber auch nach 26 Jahren wieder Besetzung nur mit Angehörigen der gleichen Religionszugehörigkeit.
    Auch da wäre ein Wechsel angebracht gewesen

  • Zitat: “Dass erstmals eine Frau an die Spitze der Fed rückt, ist zwar schön, aber nicht die entscheidende Frage.” Voellig egal! Der Zug nach Nirgendwo rast immers schneller. Niemand kann mehr aussteigen. Man haette auch den Hasen Baldrian zum Chef der FED machen koennen.

  • Gerne würde ich die Reaktion der Feministinnen lesen, wenn als Überschrift über einem Artikel stehen würde "Endlich ein Mann". Aber das wirds nicht geben, dazu haben die Autoren zu wenig Schneid. Aber die Männer haben eben keine Lobby. Anders als die Frauen haben sie auch kein Bundesministerium, dass ihre Interessen vertritt.

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