Was vom Tage bleibt
Enttäuschte Retter

Den spanischen Banken wird geholfen, aber die Banker benehmen sich weiter schlecht. Wer kann diesen Teufelskreis durchbrechen? Der Tagesbericht.
  • 8

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Einfache Fragen

Der britische Unterhaus-Abgeordnete John Mann nahm Anfang dieses Monats Barclays-Chef Bob Diamond ins Kreuzverhör: „Können Sie mir drei Prinzipien der Barclays-Gründer nennen?“, fragte er. „Nein“, war die Antwort. „Da kann ich aushelfen“, sagte Mann. „Die Prinzipien lauteten: Ehrlichkeit, Integrität und offenes Handeln.“ Dann fragte er, ob Diamond etwas von den Zinsmanipulationen in seiner Bank gewusst habe. Auch das verneinte Diamond. Mann darauf: „Entweder waren sie mitbeteiligt an all den Dingen, die da vor sich gingen. Oder sie haben sich grob fahrlässig verhalten, oder sie waren enorm inkompetent.“ Diamond ist inzwischen nicht mehr Chef von Barclays. Anshu Jain allerdings ist Co-Chef der Deutschen Bank, die auch mitmanipuliert haben soll. Wann werden ihm diese Fragen gestellt?

Unwürdige Gerettete

Es sind solche Vorgänge, die die andere Seite der Medaille so schwer erträglich machen: Die Euro-Zone hat heute die milliardenschweren Hilfen für die spanische Bankenbranche gebilligt. Die Deutschen sehen das Paket skeptisch: In einer Umfrage sprachen sich 52 Prozent dagegen aus. 38 Prozent halten den Schritt für richtig. Warum? Weil die Mehrheit bei Banken an die Banker nach dem Schema Diamond denken. Sie wagen einen heißen Ritt und wenn er schief geht, nehmen sie Anspruch, von uns aufgefangen zu werden.

Frühlingserwachen im Norden?

„Wenn's Dir hier nicht passt, geh doch rüber“, ließ sich vor einem Vierteljahrhundert in der Bundesrepublik sagen, wobei der Sprecher dann mit dem Zeigefinger nach Osten deutete. Seither hat sich die Welt verändert. Wem es heute hier nicht passt, der müsste schon bis Nordkorea. Doch möglicherweise stimmt auch dieser Spruch eines Tages nicht mehr. Die spärlichen Nachrichten, die aus dem Land dringen, klingen heute so: Der junge Herrscher Kim Jong Un will der Armee das Kommando über die daniederliegenden Betriebe nehmen und sie einer zivilen Führung unterstellen. Es ist schön, wenn sich alte Sprüche irgendwann überholt haben.

Amok

In der Nähe von Denver hat ein Amokschütze ein dutzend Kinozuschauer erschossen und doppelt so viele verletzt. Wie gehen wir damit um? Alle Welt schreibt: „Amoklauf bei Batman-Premiere“. Wir Journalisten haben wirklich eine spezielle Art zu denken: Die schreckliche Tat erzählt sich noch besser, wenn Batman dabei ist.

Gewulfft und geröttgert

Langenscheidt sucht das Jugendunwort des Jahres. Und siehe da: Die Jugend wird politisch. „Wulffen“ ist im Rennen, für die, die auf Kosten anderer leben. Wer „geröttgert“ wird, darf nicht mehr mitspielen.

In diesem Sinne ein schönes Wochenende. Merkeln Sie sich durch!

Ihr Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Enttäuschte Retter"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "....diese Wahrheit......".
    _________________________________

    Fein, Gerettetete, was Ihr doch so alles zu wissen scheint.

    Sie fragen nicht mehr: Sie wissen alles, zum Bleistift auch "diese Wahrheit".

    Sie scheinen mir ein ganz Schlauer zu sein, der nicht nur die Weisheit sondern eben auch "diese Wahrheit" geradezu mit Löffeln gegessen zu haben scheint.

    Seien Sie stolz auf sich und wundern Sie sich bitte nicht, wenn Ihnen, den Zeugen Jehovas gleich, die (geistige) Türe erst garnicht geöffnet wird um Ihre "Dornbuscherfahrung" weiterhin zu verbreiten.

    mit besten grüßen.

  • "Unwürdige Gerettete"

    Sehr geehrter Herr Stock,

    Ihre Einlassungen sprechen durchaus Bände. Als "Wirtschaftsjournalist" sollten Sie wohl einen Kenntnisse im Bereich der Wirtschaft haben. Als solches müssten Sie nach vier Jahren der Krise zwischenzeitlich auch verstanden haben, dass es für unser derzeitiges Wirtschafts- und Währungssystem keine "Rettung" mehr gibt.

    Es gibt keinen Retter und folglich auch keine Geretteten. Weder ist also der Euro gerettet, noch die spanischen oder sonstige Banken im Teil-Reserve-System. 30, 50, 100 Milliarden hier oder da sind dabei völlig ohne Belang. Dies bringt höchstens die von Herrn Schäuble gewünschte Extra-Zeit...

    ...im Rahmen Ihrer journalistischen Verantwortung ist es mehr als überfällig, dass Sie diese Wahrheit nicht nur selbst verstehen, sondern auch als solche kommunizieren.

  • Von wegen sind die spanischen Banken gerettet. Denen fehlen 3,7 Billionen €, da sind 100 Mrd. nicht einmal einen Tropfen auf den heissen Stein. Aber für den deutschen Steuerzahler sind 100 Mrd. eine Menge Geld. Ich frage mich ob unsere Abgeordneten wussten, dass sich die Bruttobankschulden der Eurozone Ende Mai 2012 auf 34,8 Billionen € beliefen. Wenn ja, ist es ein Verbrechen was sie dem deutschen Steuerzahler zumuten, wenn nein ein Mangel an Information durch die Kanzlerin und Grund diese Abzusetzen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%