Was vom Tage bleibt

_

Was vom Tage bleibt: Erben geht es an den Kragen

Die Grünen laufen sich warm für die Wahl und denken übers Erben nach. Die Finanztransaktionssteuer kommt, aber keiner weiß genau, worauf genau. Und: Biertrinker können sich auf Budweiser verlassen. Der Tagesbericht

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.
Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Anzeige

Was Du ererbt von Deinen Vätern . . .

Nun auch die Grünen: Sie wollen künftig Erbschaften und Schenkungen stärker besteuern und unterstützen damit eine Forderung des Bundesfinanzhofs. Es sei schlicht nicht begründbar, warum selbst von geringen Arbeitseinkommen mehr als ein Drittel an Steuern und Abgaben einbehalten werde, aber Erben weitgehend verschont blieben, sagen die Grünen. Das könnte interessant werden, denn die Grünen würden gern, wenn sie denn in Berlin an die Regierung kommen, den Finanzminister stellen. Jürgen Trittin läuft sich schon warm. Deswegen können wir an dieser Stelle vielleicht mit Begründungen helfen. Die zwei wichtigsten: Wie viel sollen wir denn noch bezahlen? Noch niemals flossen die deutschen Steuern so reichlich, wie im Jahr 2012. Und zweitens: Erbschafts- und Schenkungssteuer fällt an auf schon mal versteuertes Vermögen. Und doppelt melken – das geht auf keine Kuhhaut.

Noch eine Steuer

Wenn es nur die Schenkungssteuer wäre. Nein, heute hat die EU auch den Startschuss für die Finanztransaktionssteuer gegeben – allerdings zieht nur ein „harter Kern“ um Deutschland und Frankreich mit. Müssen wir uns fürchten? Erstmal nicht. Kein Mensch kann nämlich erklären, was genau unter die Steuer fällt. Darauf habe man sich noch nicht geeinigt, heißt es aus Brüssel. Am interessantesten ist in diesem Zusammenhang der heutige Satz von Finanzstaatssekretär Thomas Steffen. Er lege sich nicht darauf fest, wofür die neuen Einnahmen in Deutschland eingesetzt werden sollen, sagt er. Ursprünglich war die Steuer doch dafür gedacht, die finanziellen Folgen von Bankschieflagen auszubügeln. Fließt sie jetzt ins Betreuungsgeld? Wenigstens das hätte Herr Steffen verneinen können und uns damit doch beruhigt.

Was vom Tage bleibt Tagesrückblick als E-Mail-Abonnement

Unseren kommentierten Nachrichtenrückblick ab 18.30 Uhr werktäglich in Ihrem Postfach - hier bestellen.

Blödsinn mit Weidmann

Social Media ist eine feine Sache. Jeder ist mit jedem weltweit verbunden, alle geben zu allem ihre Meinung kund. Heute zum Beispiel twitterte einer, Bundesbankpräsident Jens Weidmann sei zurückgetreten, prompt sackten die Märkte für kurze Zeit ab, bis die Bundesbank sich genötigt sah, die Twitterei als „kompletten Blödsinn“ abzutun. Als Journalist bin ich irgendwie erleichtert: Je mehr durch die Welt getwittert und gepostet wird, desto mehr lohnt es sich, auf Verlässliches zu achten, denn nicht die Zahl der relevanten Informationen nimmt zu, sondern nur die Zahl derer, die glauben, welche zu haben. Schön, wenn Sie mir an dieser Stelle folgen können.

Wo Budweiser draufsteht, ist Budweiser drin

Nur wo „Bud“ draufsteht, muss Bier der US-Brauerei Anheuser-Busch drin sein. Das hat ein EU-Gericht heute entschieden. In dem jahrelangen Markenstreit mit der tschechischen Budweiser-Brauerei erzielte der US-Bierriese damit einen Erfolg vor Gericht. Anders verhält es sich aber zum Glück mit dem kompletten Namen „Budweiser“: der gehört weiterhin den Tschechen. Bereits 2010 hatten die EU-Richter entschieden, die tschechische Brauerei in Deutschland und Österreich habe das ältere Recht an der Bezeichnung „Budweiser“. Dieser Name bleibt somit in der EU dem Bier aus Tschechien in der grünen Flasche mit roter Schrift auf weißem Etikett vorbehalten. Als bekennender Verehrer vieler Highlights unserer Nachbarn im Osten ist mir das recht: Denn „Bud“ können wir künftig getrost links im Regal stehen lassen. Dabei ist sichergestellt, dass uns dennoch kein köstlicher Schluck tschechischer Brauart entgeht.

Zum Wohl!

Herzlichen Gruß

Oliver Stock

  • Kommentare
Gastbeitrag: Gründer in die Familienunternehmen!

Gründer in die Familienunternehmen!

Es ist paradox: Immer mehr junge Menschen wollen sich selbständig machen – aber viele Familienunternehmen keinen Nachfolger. Wie wäre es, wenn man die Start-up-Gründer für den Mittelstand begeistert?

Kommentar: Die Attacken auf Google sind ein Ablenkmanöver

Die Attacken auf Google sind ein Ablenkmanöver

Politiker sehen Google als das Böse in bunter Gestalt. Doch eine Zerschlagung des Konzerns, wie das EU-Parlament sie nun fordert, ist Populismus – schon jetzt könnte man seine Macht begrenzen. Es tut nur niemand.

  • Kolumnen
Was vom Tage bleibt: Die Insel der Antieuropäer

Die Insel der Antieuropäer

David Cameron verbeugt sich vor den rechten Eiferern. Die EU lobt Deutschland. Und: Scheidungen in der Finanzbranche sind teuer. Lesen Sie hier die Themen dieses Tages.

What's right?: Wo bleibt die Hessenquote?

Wo bleibt die Hessenquote?

Die Einführung der Frauenquote ist ein Sieg politischer Korrektheit und eine Niederlage der freien Leistungsgesellschaft. Wer glaubt, dass Deutschland dadurch moderner wird, denkt ziemlich altmodisch.

Der Werber-Rat: Wo sich Spieler nah geben

Wo sich Spieler nah geben

Auf Social-Media-Kanälen wie Facebook, Twitter und Instagram geben sich Fußballspieler gerne volksnah und lassen Fans an ihrem Leben teilhaben. Das Paradoxe daran: Im wahren Leben schotten sich viele Stars bewusst ab.

  • Gastbeiträge
Gastbeitrag zur Griechenland-Rettung: Wie ein Notfall-Schnaps für Alkoholiker

Wie ein Notfall-Schnaps für Alkoholiker

Griechenland wird ein drittes Hilfspaket bekommen, und zwar schon sehr bald. Athen setzt auf Zeit – und kann als Schuldner die Gläubiger erpressen. Folge: Die Euro-Krise wird sich wieder verschärfen. Ein Gastbeitrag.

Gastbeitrag zur Quote: Frauen, alle sind dafür, keiner hat sie

Frauen, alle sind dafür, keiner hat sie

Die nicht enden wollende Debatte über die deutsche Version der Genderquote lässt staunen, was in einem Land mit einer solch herausragend gut ausgebildeten Frauengeneration immer noch möglich ist: Für Frauen nicht viel.

Steuerpolitik: Neid essen Verstand auf

Neid essen Verstand auf

Der Ruf nach einer Erhöhung der Kapitalertragsteuer wird lauter. Ein Plädoyer für eine investitionsfreundliche Besteuerung in zehn Thesen. Aktionäre dürfen nicht länger bestraft werden.

  • Presseschau
Presseschau: Eklat wegen Hypo-Teilverkauf

Eklat wegen Hypo-Teilverkauf

Der Krach um die Hydro Alpe Adria eskaliert: Die BayernLB will nun 2,4 Milliarden Euro von Wien – zahlbar binnen 14 Tagen. Die Wirtschaftspresse meint: München grollt, Wien schäumt.