Was vom Tage bleibt
Es darf wieder gezittert werden

Die Börsen sind wieder im Abschwung, Fiat entdeckt die Niederlande. Gerhard Schröder warnt die eigene Partei, Karstadt-Probleme ohne Ende und ein plötzlicher Job-Wechsel. Der Tag im Rückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Achtung, Börse!

Wer hätte das gedacht? Vor ein paar Tagen herrschte noch große Euphorie an den Börsen, doch nun gibt es erstmals seit langer Zeit wieder einmal einen allerersten Hauch von Panik. Argentinien, Brasilien oder die Türkei: Den Schwellenländern geht es schlechter, ihre Krise wirkt sich jetzt auch auf die Börsen in Europa aus. Für Panik besteht allerdings überhaupt kein Anlass. Die Weltkonjunktur bewegt sich auf eine Erholung zu, allen voran mit der wieder erstarkten Konjunktur-Lokomotive USA. Es bestehen also gute Aussichten, dass aus der aktuellen Unruhe keine akute neue Krise wird. Im Zweifel müssen die reichen Industriestaaten den Schwellenländern helfen – damit ein Flächenbrand erst gar nicht aufkommen kann.

Auf Wanderschaft

Es klingt ein wenig verrückt und schier unglaublich: Fiat zieht nach Holland. Niemand muss sich jetzt allerdings Sorgen machen, dass der Autokonzern seine angestammte Heimat in Italien verlassen würde. Es geht nur um die neue Holding-Gesellschaft, die nach der kompletten Übernahme von Chrysler entsteht. Die Niederlande haben ein aus Unternehmenssicht sehr großzügig gestaltetes Steuerrecht. Andere Konzerne wie etwa Airbus haben das bereits zu schätzen gelernt. Auch bei Airbus geht es allein um den rechtlichen Firmensitz, die operative Musik spielt in Deutschland und in Frankreich. Zur Steuerersparnis verlegt man doch gern einmal eine Konzerngesellschaft in die Niederlande.

Stimme der Vernunft

Vielleicht sollte das unseren Großkoalitionären in Berlin einmal zu denken geben. Sogar Altkanzler Gerhard Schröder erhebt die Stimme gegen die von SPD und CDU geplante Rentenreform. Und Schröder ist nun wirklich unverdächtig, persönliche Interessen muss er nicht mehr verfolgen. Vielleicht hat die Vernunft in Berlin doch noch eine Chance und die Große Koalition überdenkt ihre sogenannte Reform. Rohrkrepierer wäre wahrscheinlich eine angemessenere Bezeichnung.

Krise und kein Ende

Karstadt hat es schon wieder erwischt. Die Weihnachtsumsätze sind doch deutlich hinter den selbst gesteckten Erwartungen geblieben. Wenn es sich bei Karstadt um eine gesundes Unternehmen handeln würde, dann wäre eine einzelne weihnachtliche Delle kein allzu großes Problem. Aber wie wir alle wissen hat der Kaufhaus-Konzern schon eine ziemlich lang anhaltende Durststrecke hinter sich. Jeder weitere Negativpunkt schlägt umso tiefer ins Kontor. Die weiteren Vorzeichen für Karstadt liegen auf der Hand: So richtig gut sieht das alles nicht mehr aus.

Abruptes Karriere-Ende

Für jeden Manager gibt es doch nichts Schöneres, als möglicher Kronprinz im eigenen Unternehmen gehandelt zu werden. Das galt bis vor wenigen Stunden auch noch für Andreas Renschler, Mercedes-Produktionschef und damit einer der wichtigsten Männer im Daimler-Konzern. Nun aber hat Renschler den Hut genommen, mit dem Wechsel auf den Stuttgarter Chefposten wird es nichts mehr. Über die Hintergründe des Renschler-Rückzugs schweigen sich die Daimler-Verantwortlichen aus. Aber eines ist doch klar: Eine richtig freundliche Atmosphäre kann es im Daimler-Vorstand schon länger nicht mehr gegeben haben. Denn sonst wäre Andreas Renschler noch da.

Noch ein Hinweis in eigener Sache: Heute können wir wieder einmal ein wenig feiern. Die Zahl der Follower über Twitter hat am heutigen Tag die Grenze von 111.111 überschritten. Vielen Dank für Ihr großes Interessen an unserer Arbeit.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend, morgen melde ich mich wieder. Herzlichst Ihr

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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