Was vom Tage bleibt
Essensmarken in Athen

Warum die Griechenland-Hilfe bei den Griechen nicht ankommt. Der IS bekennt sich zum Tunis-Anschlag. Für Kraftwerkbetreiber wird's noch härter. Und: Achtung Finsternis! Was Sie heute lesen sollten.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Die Griechenland-Hilfe hilft den Griechen nicht

Das unbefriedigende bei der Griechenland-Hilfe ist doch: Wir schicken 63 Milliarden Euro rüber, aber keinem Griechen geht es besser. Mittlerweile ist die Lage in Griechenland so, dass Strom und Essensmarken für mittellose Menschen verschenkt werden müssen und per Gesetz eine Möglichkeit geschaffen wird, säumigen Schuldnern mehr Zeit zu geben. Die Regierung in Athen hält die Hand weiter auf. Die Menschen in Deutschland sagen: Wir schmeißen doch dem schlechten Geld nicht noch gutes hinterher. Griechenland wird so nicht mehr lange im Euro bleiben, womit für die Deutschen die Sache erledigt, für die Griechen aber kein einziges Problem wirklich gelöst sein dürfte.

Unter Geiern

Nach dem Anschlag in Tunesien mit 23 Toten haben sich die Terroristen des „Islamischen Staates“ zu der Tat bekannt. Die Extremisten veröffentlichten im Internet eine Botschaft, in der die Angreifer als „Ritter des Islamischen Staates“ bezeichnet werden. Wenn IS-Terroristen Ritter sind, müssten Geier als Schwäne durchgehen. Wir sollten solche Mutationen besser ins Fabelreich verschieben.

Hosenträger-Modell

Die Bundesregierung enttäuscht die Betreiber von Kohle- und Gaskraftwerken: Nennenswerte Summen dafür, dass sie ihre Kraftwerke bereithalten, soll es nicht geben. Das geht aus einem Papier des Bundeswirtschaftsministeriums hervor. Stattdessen soll es zur Absicherung in extremen Engpasssituationen eine knapp bemessene Kapazitätsreserve geben, die, so heißt es in dem Papier, als „Hosenträger zum Gürtel“ fungiere. Wir wissen nicht welche Kleidergröße Sigmar Gabriel trägt. Dass er aber das Modell Hosenträger plus Gürtel kennt, lässt auf Härtetests schließen, die er seinen Beinkleidern zumutet.

Kopfkissensparen

Bausparkassen bieten ihren Kunden massenhaft negative Renditen. Eine Marktstudie zeigt, wie die üppigen Abschlussprovisionen für den Vermittler die Kunden ins Minus treiben. Beispiel gefällig? Bei einer Bausparsumme von 100.000 Euro und einer üblichen monatlichen Sparrate von 300 Euro kann ein Bausparkunde derzeit nach einer Ansparphase von sieben Jahren bei einigen Bausparkassen eine tatsächliche Rendite von Minus 1,12 Prozent einfahren. Wer keine Lust auf Aktien hat, sollte also nicht zu den Bausparkassen rennen. Das gute, alte Kopfkissensparen lohnt sich da schon eher.

Warten auf die Finsternis

Lehrer verschieben ihren Schulausflug. Optiker wittern das Riesengeschäft. Die Solarstromerzeuger rüsten sich, als stünde uns ein halbes Jahr Nordpol-Winter ohne Sonne bevor. Das alles nur, weil morgen Sonnenfinsternis ist. Ich glaube nicht, dass wir Schaden nehmen. Wer etwas erleben will, sollte sich allerdings schon heute Richtung Normandie aufmachen, genauer gesagt zum Mont-Saint-Michel an der Nordwestküste Frankreichs. Dort wird Samstagnacht ein Tidenhub von 14,5 Metern erwartet. Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut rund um diese Weltkulturerbe-Insel wird somit höher sein als ein vierstöckiges Gebäude. Da rollt also eine Monsterwelle heran. Zum Glück heizen die Klosterbrüder auf der Insel nicht mit Atomkraft.

Helle Gedanken im Angesicht der Finsternis wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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