Was vom Tage bleibt
Euro-Bonds werden kommen

Der Commerzbank-Chef verlangt Euro-Bonds, die Ukraine und Russland sprechen miteinander. Ein Boykott der Fußball-WM scheint möglich, die Lage im Irak ist schrecklich und Zalando geht an die Börse. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Im Anflug

Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Commerzbank-Chef Martin Blessing hat sich von der in Deutschland vorherrschenden Meinung trotzdem nicht abschrecken lassen und in einem Handelsblatt-Gastbeitrag offen und ehrlich für die Einführung von Euro-Bonds plädiert. Recht hat der Boss von Deutschlands zweitgrößter Bank, denn er hat das Prinzip einer Gemeinschaftswährung nur konsequent zu Ende gedacht. Oder anders formuliert: Wer A sagt, der muss auch B sagen. Auf absehbare Zeit wird die Euro-Zone die gemeinsamen Anleihen brauchen. Oder die nationalen Währungen werden wieder eingeführt, das wäre die andere Konsequenz.

Prinzip Hoffnung

Die Signale aus dem Kreml sind manchmal extrem schwer zu ergründen und zu deuten. Aber heute könnte es einen Wendepunkt im Konflikt um die Ostukraine gegeben haben. Der ukrainische und der russische Präsident haben sich heute auf eine Feuerpause verständigt. Russlands Herrscher Putin spricht sogar davon, dass ein Friedensschluss bis Freitag möglich sei. Aus seiner Sicht ist das völlig verständlich: Er hat seine militärischen Ziele erreicht. Die ukrainischen Truppen sind auf dem Rückzug aus den umkämpften Gebieten um Donezk und Lugansk. Die Separatisten werden sich von dort nicht mehr vertreiben lassen, die Teilung der Ukraine ist so gut wie festgeschrieben. Jetzt müssen sich der Westen und die Regierung in Kiew überlegen, ob sie sich auf eine solche Teilung des Landes einlassen. Wenn nicht, wird der Krieg weitergehen und viele tausende Menschen werden ihr Leben verlieren.

Boykott-Signale

Sport und Politik sollten eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Doch manchmal geht es nicht anders, auch wenn es weh tut. Innerhalb der EU gibt es die allerersten Überlegungen, die für das Jahr 2018 in Russland geplante Fußball-WM zu boykottieren. Die bislang vom Westen verhängten Sanktionen haben die Führung in Moskau nur wenig beeindruckt. Präsident Putin hält unbeirrt an seinem Kurs fest, wie die Unterstützung der Rebellen in der Ukraine beweist. Schmerzhaft würde es allerdings bei einem WM-Boykott werden. Das wichtigste Sportereignis der Welt ohne Deutschland, Spanien oder die Niederlande – dieser Verlust an Image und Renommee würde Wladimir Putin ganz besonders treffen.

Würde verteidigen

Die Terrororganisation Islamischer Staat hat zum zweiten Mal einen amerikanischen Journalisten brutal hingerichtet. Weltweit waren sich die Medien darin einig: Dieses Spiel spielen wir nicht mit und zeigen weder Videos noch Fotos dieses schrecklichen Ereignisses, auch Handelsblatt Online nicht. Die Medien der Welt sind sich einig darin, dass sie die blutige Botschaft vom Islamischen Staat nicht so einfach weiterverbreiten wollen. Die Würde des Menschen ist ein zu hohes Gut, um den Terroristen aus dem Irak unterwürfig auf den Leim zu gehen.

Börsen-Freunde

Endlich ist es soweit, seit Monaten hat die Finanzwelt auf diese Botschaft gewartet. Der deutsche Online-Händler Zalando wird noch in diesem Jahr an die Börse gehen. Die Finanzmärkte können diese Botschaft gut gebrauchen, allzu große Euphorie herrscht an der Börse derzeit nicht. Da ist es gut, wenn doch wieder ein bekanntes Unternehmen die Ausgabe eigener Aktien verkündet. Und natürlich kommt dieses Unternehmen aus der Welt des Internets – dort, wo das Wachstum kein Ende zu kennen scheint und wo es unverändert aufwärts geht.

Freuen Sie sich über diesen sommerlichen Abend. Und wenn Sie Fußball-Fan sind: viel Spaß bei Deutschland gegen Argentinien. Herzlichst Ihr

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Euro-Bonds werden kommen"

Alle Kommentare

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  • "Recht hat der Boss von Deutschlands zweitgrößter Bank, denn er hat das Prinzip einer Gemeinschaftswährung nur konsequent zu Ende gedacht. "
    ...und um das Alles zu bezahlen muss die deutsche Steuerprogression für gutverdienene Chefredakteure deutlich angehoben werden!!

  • Oder die nationalen Währungen werden wieder eingeführt ...

    Dann sollten wir das tun, es spricht wenig dagegen und vieles dafür.

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