Was vom Tage bleibt: Falsche Fürsorglichkeit

Was vom Tage bleibt
Falsche Fürsorglichkeit

Den deutschen Autobauern geht es besser als anderen in der Branche. Den deutschen Solarherstellern nicht. Letztere wurden gefördert - was ihrem Wohlergehen offenbar abträglich war.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Peugeot und Mazda suchen Retter

So sehr uns manchmal die Herren Winterkorn, Piëch und Co. mit ihren Rekorden und Globalisierungslobhymnen nerven: Die deutschen Autobauer stehen dank ihrer Anstrengungen besser da, als die allermeisten anderen. Der französische Autobauer PSA Peugeot Citroën zum Beispiel verdient mit dem Verkauf von Autos kein Geld mehr. Jetzt sucht er sein Heil in einer Allianz mit der Opel-Mutter General Motors. Ob sich GM noch ein europäisches Sorgenkind leisten will, ist allerdings zweifelhaft. Auch Mazda geht es nicht besser als den Franzosen. Der Verlust schreibende Autobauer will jetzt durch eine Kapitalerhöhung umgerechnet 1,5 Milliarden Euro einsammeln. Mazda leidet darunter, dass die Firma 70 Prozent ihres globalen Absatzes daheim produziert. Damit ächzt Mazda unter dem Anstieg des Yen, der die exportierten Autos deutlich verteuert. Der Euro ist zwar derzeit nicht der stärkste, aber er wird sich erholen. Dann dient jeder VW, der nicht in Deutschland hergestellt wird, der Absicherung des Konzerns. So gesehen kann es sogar schaden, für den Erhalt der Produktion im eigenen Land zu kämpfen.

Ackermann kehrt aus

Bei der Deutschen Bank wird aufgeräumt. Josef Ackermann will ein blitzeblankes Haus übergeben, wenn seine Nachfolger im Mai antreten. Im Streit mit den Erben von Leo Kirch hat es bereits einen Vergleich gegeben. Jetzt hat die Bank auch ihre „Wetten auf den Tod“ begraben. Jedenfalls ein bisschen. Sie bietet Anlegern den Ausstieg aus dem geschlossenen Fonds „db Kompass Life 3“ an. Das Produkt ist eine Wette auf die Restlebensdauer von etwa 500 Menschen: Sterben sie früher als erwartet, erhöht sich die Rendite für die Investoren. Das Ganze ist zutiefst unethisch, hatte selbst der Bankenverband geurteilt. Schade, dass es erst eines Wechsels an der Spitze der Bank bedurfte, damit auch weiter unten aufgeräumt werden kann.

Eiszeit für Solarwerte

Umwelt- und Wirtschaftsministerium haben sich auf drastische Kürzungen der Vergütungen für die Photovoltaik verständigt. Bei einzelnen Anlagentypen sind Einschnitte von mehr als 30 Prozent geplant. Dazu soll die Kürzung von 15 Prozent, die im Erneuerbare-Energien-Gesetz für den 1. Juli vorgesehen ist, auf den 1. April vorgezogen und zusätzlich erhöht werden. An der Börse sprach sich die Nachricht schnell herum: Die Kurse von Solaraktien rutschten am späten Nachmittag deutlich ab. Die Förderung ist ein Beispiel dafür wie Hilfe Firmen schlapp machen kann. Derzeit geht eine deutsche Solarfirma nach der anderen kaputt. Wie sagt unser Bundespräsident in spe Joachim Gauck: „Wir stellen uns nicht gern die Frage, ob Fürsorglichkeit auch dazu beitragen kann, uns erschlaffen zu lassen.“

Auf Versöhnungskurs

Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) beendet bis auf weiteres den Streik am Frankfurter Flughafen. Entscheidend sei ein schriftliche Gesprächsangebot des Betreibers Fraport gewesen, erklärte Tarifvorstand Markus Siebers . Wer jetzt wen weich gekocht hat, ist uns Passagieren eigentlich egal. Hauptsache der Laden läuft wieder.

Rückkehr eines Altvorderen

In uns allen gibt es eine Sehnsucht nach den Altvorderen. Die können in ihrer aktiven Phase mitunter Unsinn verzapft haben, wenn sie einmal fort sind, dann steigt diese Sehnsucht. Edmund Stoiber hat diesen Status inzwischen erreicht. Der Applaus für Horst Seehofer war heute beim politischen Aschermittwoch noch nicht verstummt, da brandeten in der Passauer Dreiländerhalle die ersten Sprechchöre auf: „Edmund! Edmund!“, riefen rund 4000 Menschen an ihren Biertischen. Schilder schnellten in die Höhe: „Stoiber Superstar“, stand darauf. Dann trat Stoiber ans Pult. „Ich kann festhalten: Die Südkurve, sie steht!“, rief der bekennende Bayernfan Stoiber zurück. Die Masse johlte. Im Hintergrund wehen die bayerische Flagge, die deutsche und die der CSU. Der Ehrenvorsitzende der Europa-kritischen CSU hat heute seine Fähigkeit, noch einmal als Wahlkämpfer aufzutreten, gestestet. Es ist ihm gelungen.

Einen gelungenen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Falsche Fürsorglichkeit"

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  • Diese Branche nimmt doch schon seit Jahrtehnten die Politik in Geiselhaft. Hauptsache Handelsbilanzüberschüsse und Auslandsschuldner zur weiteren Erhaltung des perversen und menschenverachtenden Schuldgeldsystems finden.
    Der billioneneuroschwere steuerfinanzierte EU- und Eurorettungsversuch, ist genau diesen Branchen und dem Maschinenbau geschuldet.
    Damit diese Konzerne weiterhin Rekordgewinne einfahren können, welchen Sie wiederrum im billigen Ausland reinvestieren, müssen hier im Land immer mehr Menschen dafür die Zeche bezahlen.
    Ich scheisse auf diese ganze Exportzuhälterei der Politik.
    Die Wirtschafts- und Sozialpolitik der letzten 20 Jahre ist eine einzige Katastrophe, und hat erst zu diesen desaströsen Verwerfungen geführt. Das Globalisierungsgeschwafel ist nur das nützliche Alibi, für politisches Totalversagen.

  • " Was vom Tage bleibt" ist ein sehr gutes Nischenprodukt des Handelblatt-Online, das in hochkomplexer, schnellleebiger und zum Teil entfremdeteer Zeit sogar zu einem App später programmiert werden könnte. Heute habe ich eine Ergänzung
    Die auch im Karneval typisch deutsche Vergangenheitsbewältigung sollte eigentlich neu gedacht werden, denn auch Zukunft kann man humoristisch denken. Es gab vor längerer Zeit einen Sozialökonom, der für Kultur-Konfliktsoziologie und Neukantianismus stand. Er war bekannt mit einem Nationalökonom, dessen Theorien ich nie vergessen werde. Es ist natürlich nicht möglich dem heimlichen Bundespräsidenten vor-zuschreiben, welche Praxisanwendungen er tunlichst vermeiden sollte. Jedoch (un9)klar im web3.0-Zeitalter ist für jedweden Menschen im nahen und weiteren Spektum, wenn die Voraussetzungen geändert worden sind, ist legitim, die Meinung zu ändern.

    Der Herausgeber hatte (r)R)echt,die Kraft von Institutionen hängt von der Qualität jedweden politischen Personals ab. Jedoch sage ich, was bleibt sind Prägungen.-

    Ich wünsche einen guten Morgen

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