Was vom Tage bleibt
Faule Kompromisse im Piratenkampf

Das Bundeskabinett will die Bundeswehr im Kampf gegen die Piraten aufrüsten. Dabei sind die Untiefen in den Bilanzen vieler europäischer Banken viel bedrohlicher. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Klar zum Entern, aber mit Haken

Ganz Deutschland redet über die Piraten, die etablierten Parteien zittern, und was macht das Bundeskabinett? Es beschließt heute, dass die Bundeswehr sie künftig auch an Land bekämpfen darf. Doch halt, hier ist nicht die Rede von der neuen Partei der Netzaktivisten, sondern den echten Seeräubern in Somalia. Eigentlich sollte man meinen, dass bei diesem Thema endlich mal alle Parteien sachorientiert zusammenarbeiten. Doch weit gefehlt, SPD und Grüne mosern schon. Mit gutem Grund: Weil die Bekämpfung der Piraten an Land zu heiklen Konsequenzen führen kann, darf die Bundeswehr nach dem Kabinettsbeschluss nur Lager beschießen, die maximal 2000 Meter vom Ufer entfernt liegen. Ein fauler Kompromiss, mit dem keinem gedient ist.

Alarmierende Zahlen in der Euro-Zone

In der Euro-Zone sind es zurzeit weniger die faulen Kompromisse als die faulen Kredite, die für Sprengstoff sorgen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt, dass sich die gesamte Bilanzsumme der EU-Banken bis Ende 2013 um 2,6 Billionen Dollar verringern könnte, der Druck bleibt damit weiter hoch. Die heute bekannt gewordenen Zahlen sind in der Tat alarmierend: So hat bei den italienischen Banken der Anteil der faulen Kredite am Gesamtportfolio den höchsten Stand seit 12 Jahren erreicht. In Spaniens Finanzbranche sieht es noch düsterer aus. Wolfgang Schäubles Beteuerungen, Spanien und Italien seien auf einem guten Weg aus der Krise, wirkt da wie das sprichwörtliche Pfeifen im dunklen Wald.

Französische Duftmarke bei Douglas

Der Machtkampf beim Handelskonzern Douglas bekommt eine interessante neue Duftmarke: Jetzt soll der französische Luxuskonzern LVMH an einem Einstieg bei dem deutschen Unternehmen interessiert sein, behaupten zumindest Finanzkreise. Doch vielleicht hat dieses Gerücht nur die Eigentümerfamilie Kreke gestreut, um die stockenden Gespräche mit möglichen Finanzinvestoren wieder in Schwung zu bringen und von den andauernden Streitigkeiten mit Großaktionär Müller abzulenken. Die Anleger jedenfalls reagierten erfreut, der Kurs stieg deutlich. Doch sie sollten sich nicht zu früh freuen. Bis es bei Douglas wieder einen klaren Kurs gibt, dürfte noch einige Zeit dauern.

Heißer Mai in Sicht

Nach heftigem Streit sieht es auch bei den Tarifverhandlungen in der Metallbranche aus. Zumindest müssen die Gewerkschafter das heutige erste Angebot der Arbeitgeber von drei Prozent als Provokation empfinden. Von einer "Ohrfeige für die Beschäftigten" sprach bereits ein IG-Metall-Vertreter. Noch bis 28. April läuft die Friedenspflicht - dann könnten ja pünktlich zum Kampftag der Arbeiter, dem 1. Mai, die Streiks beginnen. Keine guten Aussichten für die Wirtschaft, sind doch die ersten Verhandlungen in NRW erst für den 11. Mai angesetzt.

Was fehlt? Thomas Gottschalk darf in Rente. Die Intendanten der ARD haben den alternden Entertainer und sein Publikum erlöst und das Ende der Sendung "Gottschalk Live" wegen der schwachen Einschaltquoten für den 7. Juni beschlossen. Wetten, dass Gottschalk so unbelehrbar ist, dass er noch mal ein weiteres Comeback versuchen wird?

Ich wünsche einen angenehmen Feierabend,

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Faule Kompromisse im Piratenkampf"

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  • Heikel dürfte da eigentlich nur sein, dass die somalischen Warlords wissen: ab 2.000m bleibt der Deutsche stehen. Oder beruht diese Einsicht gar auf einem Mißtverständnis von Gelesenem?

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