Was vom Tage bleibt
FDP dankt Schlecker

Die Liberalen nutzen die Schlecker-Pleite, um Profil zu zeigen. Die Bahn macht ihren Gewinn nicht mit Passagieren. Und das Gas leckt immer noch aus der Plattform. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Liberale Lebenszeichen

Wir hatten schon beinahe vergessen, wozu es die FDP gibt. Jetzt hat sie sich mal wieder in Erinnerung gerufen. Jene Länder, in denen die FDP mit an der Regierung ist, haben eine Bürgschaft für den Kredit an eine Transfergesellschaft für 11.000 Beschäftigte der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker abgelehnt. Das ist eine richtige Entscheidung. Für die Betroffenen bedeutet es nicht das Ende ihrer Karriere, sondern das Ende ihrer Arbeit bei einem Unternehmen, das dem Untergang geweiht ist. Eigentlich kann es jetzt nur besser werden. Die FDP nimmt in Kauf der Buhmann zu sein. Doch das Risiko ist einkalkuliert: Wenn 90 Prozent das so sehen, hat die Partei immerhin die restlichen zehn Prozent auf ihrer Seite. Angesichts des Stimmungstiefs in dem die Liberalen derzeit stecken, wäre das schon ein geradezu atemberaubender Zuspruch.

Achtung: Bahn verkehrt in umgekehrter Reihenfolge

Es gibt wenige Unternehmen, zu denen so viele Menschen eine Meinung haben wie zu der Bahn. Dass der Chef eine gute Meinung hat, ist normal. Rüdiger Grube hat heute Bilanz gezogen. Im vergangenen Jahr erzielte der Konzern einen Gewinn von 1,3 Milliarden Euro, das ist etwa ein Viertel mehr als im Jahr zuvor, die Summe bleibt aber unter den Werten, die die Bahn vor der Finanz- und Wirtschaftskrise erreicht hatte. Der Güterverkehr auf der Schiene kränkelt. Fast drei Viertel des Zuwachses kam aus den Geschäftsbereichen Netz, der neuen britischen DB-Tochter Arriva und Schenker Logistics, die See- und Luftfracht sowie Lastwagentransporte anbietet. Insbesondere der Güterverkehr über Land war in diesem Segment ein Wachstumstreiber. Womit klar wird: In dem Geschäftsfeld, über das wir alle immer fleißig mitreden, in der Reise mit uns sozusagen, sieht es nicht so rosig aus. Offenbar verkehrt die Bahn in umgekehrter Reihenfolge. Erst Güter auf der Straße, dann Passagiere. Warum das so ist, weiß jeder, der Bahn fährt.

Energiewende hat Folgen im Ausland

Die Energiekonzerne Eon und RWE geben ihre Pläne zum Bau von Atomkraftwerken in Großbritannien auf. Das 2009 gegründete gemeinsame Unternehmen Horizon soll verkauft werden. „Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass Investitionen in Erneuerbare, dezentrale Erzeugung und Energieeffizienz attraktiver sind“, sagte Eon-Chef Johannes Teyssen „Handelsblatt Online“. Bei der Entscheidung sei es nicht um die Frage gegangen, ob sich die Investitionen in neue Kernkraftwerke am Ende rechneten. Das dürfte weiterhin sogar der Fall sein. Eon sei aber zu der Überzeugung gelangt, dass der Konzern die für Großbritannien zur Verfügung stehenden Investitionsmittel sinnvoller einsetzen könne, unterstrich Teyssen. Wer bei RWE nachfragt, erhält eine kleine Ergänzung: Der beschleunigte Atomausstieg in Deutschland habe den finanziellen Spielraum eingeschränkt, heißt es.

Schotten bleiben total gelassen

Der französische Energieriese Total rüstet sich für eine Explosion seiner Leck geschlagenen Gas-Plattform in der Nordsee. Der Konzern habe Löschschiffe an den Rand der Sicherheitszone beordert, sagte ein Total-Sprecher am Donnerstag. Noch am Vortag hatte das Unternehmen die Gefahr einer Explosion zurückgewiesen. Nur etwa Hundert Meter vom ausströmenden, hochexplosiven Giftgas entfernt brannte weiter eine Fackel überschüssiges Gas ab. Die Fackel ist offenbar nicht auszudrehen - und wenn der Wind dreht, kann die Konstellation ins Auge gehen. Wie das Leck geschlossen werden soll, weiß auch noch niemand. Das klingt alles nicht so gut. Das Merkwürdige ist allerdings, dass der Wind offenbar auch die Nachrichten über die Plattform in eine Richtung treibt: und zwar nach Deutschland. In Schottland nämlich, vor dessen Küste die Plattform eigentlich ist, nimmt kaum einer das Geschehen mit besonderer Alarmatitüde zur Kenntnis, berichtete heute unser Korrespondent vor Ort.

Einen gelassenen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: FDP dankt Schlecker"

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  • Nein, das wird der FDP nicht aus der Krise helfen und einen atemberaubenden Zuspruch wird die FDP schon gar nicht bekommen. Das Problem der FDP ist einzig und allein, daß Sie aus einem Haufen unfähiger Stümper besteht, die kein Format und keine Klasse haben. Sich auf Kosten von einfachen Verkäuferinnen zu profilieren, zeigt wiedermal wie armselig und verzweifelt der Haufen ist. Diese Entscheidung, lieber Herr Stock, war natürlich nicht die Richtige, denn hier hätte man mit vergleichsweise geringem Risiko viel Gutes erreichen können. Die Politik sollte für die Menschen da sein. Das hat die FDP wohl vergessen.

  • Die Unterstützung der Schlecker-Mitarbeiter hätte 70 Millionen Euro gekostet. Wäre Schlecker eine "systemrelevante" Bank, dann hätte die FDP 70 Milliarden gegeben. Das ganze ist so beschämend!

  • FDP = Fiction, Desperation,Partly stupid,
    warum nennt mann das Profilierung, die Verweigerung aus Bayern. Vielen Dank mir san mir. Täglich wird die Steuerkohle versenkt, hemmungslos und wir schauen zu wie die Lemminge. Schmidt aus Bawü wird von dem Möchtegernpolitiker Rösler noch als Karusselbremse beschrieben. Überall Rettungsschirme und die Schleckerfrauen lässt man im Regen stehen. Armes Deutschland, ich schäme mich.

    Mit freundlichen Grüssen an die FastdreiProzent Fraktion,
    hoffentlich werden es noch weniger. Roland Kurth, Mössingen

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