Was vom Tage bleibt
Frau Merkel, zahlen bitte!

Eon präsentiert die Rechnung für den Ausstieg. Sie lässt interessante Rückschlüsse zu. Ebola befällt auch Dollarscheine. Und die Zalando-Aktie ist ohne Rücknahmegarantie, enthüllt dieser Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Atomrendite

Der Energiekonzern Eon will von der Bundesregierung 380 Millionen Euro Schadenersatz dafür, dass er nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima zunächst einmal für drei Monate zwei Atomkraftwerke ausschalten musste. Die einfache Rechnung zeigt: Ein Kraftwerk verdient pro Monat so seine 60 Millionen. Jetzt wissen wir, warum die Energiewende den Konzernen so sehr zu schaffen macht.

Der Dollar hat Ebola

Seit heute wissen wir, was passiert, wenn Ebola Afrika verlässt: Als in der Nacht in den USA der erste Fall diagnostiziert wurde, öffnete am Morgen die Wall Street schwächer. In Afrika rafft Ebola Menschen dahin, in den USA befällt der Virus eher die Dollarnoten.

EZB investiert in Schrott

Die Direktoren der Europäischen Zentralbank um ihren Anchorman Draghi könnten morgen vorschlagen, die Regeln für den Kauf von Schrottpapieren so zu ändern, dass auch griechischer Schrott darunter fällt. Das würde den Banken dort helfen, mehr Kredite zu vergeben. Ansonsten ist es eher Wasser auf die Mühlen derjenigen, die Europas Währung notorisch am Abgrund sehen. Sie waren schon fast ausgetrocknet.

Eingeschränkte Rücknahme

Ein Spalier aus Puppen: Zur Erstnotiz von Modehändler Zalando hat sich das Börsenparkett in Frankfurt in einen Laufsteg verwandelt. Dazwischen: Zalando-Manager, Banker, Händler und Journalisten. In dem Getrampel ist die Aktie dann ein bisschen untergegangen. Mehr als der Ausgabepreis stand am Abend auch nicht an der Tafel. Wer jetzt wegen Nichtgefallens sein Papier verkauft, muss aufpassen: Es gibt nur eine eingeschränkte Rücknahmegarantie: Sie ist im Gegensatz zu den Zalando-Klamotten nicht kostenlos.

Trägerrakete

Morgen folgt mit Rocket Internet der nächste Börsengang. Rakete oder Rohrkrepierer? Falsche Frage: Die Manager denken eher an eine Trägerrakete, weil ihr Unternehmen ganz viele Startups mit sich herumträgt. Und die Kritiker denken an eine trojanische Rakete, weil niemand weiß, was diese Startups wirklich machen. Wer recht hat, sagt uns der Kurszettel nächstes Jahr.

Haltbarkeitsdatum für die Ewigkeit

Sie sagen: Es ist eine Überraschung, dass die Bundeswehr so viel Schrott auf dem Hof stehen hat? Na – dann erinnern Sie sich mal an die Zeit zurück, als Sie dabei waren. Wir haben Leser nach ihren Erfahrungen als Wehrpflichtige gefragt. Die Reaktionen waren gemischt. Nur einer berichtet von einwandfrei funktionierendem Material. Dabei handelte es sich um sein Gewehr. Als er nachschaute, was für ein Prachtstück er da in den Händen hielt, stellte er fest, es stammte aus dem Zweiten Weltkrieg. Garantiert war nichts damals besser, nur manches haltbarer.

Einen haltbaren Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Frau Merkel, zahlen bitte!"

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  • Der »Starfighter« war auch einmal eine Wunderwaffe. Im Volksmund hieß er der Wittwenmacher, über 100 Piloten verloren ihr Leben. Franz Josef Strauss (Verteidigungs-Minister) lag damals mit dem »SPIEGEL« im Clinch, warum wohl?

  • Ich stimme H. Bauer uneingeschränkt zu und bin gespannt, wie die Gerichte entscheiden werden.

    Die Urteile könnten eine zweischneidige Konsequenz haben:

    A) Es wird Schadensersatz gezahlt: Alles läuft weiter, wie bisher

    B) Schadenersatz wird verweigert, mit dem Argument, dass ein Geschäftsmodell keinen Schutz hat: Dann kann man den Stomerzeugern auch nicht verwehren, unrentable Kraftwerke abzuschalten. Damit ist der nächste Streit vorprogrammiert: Wie hoch ist die Entschädigung für ein unrentables kraftwerk?

    M. E. müssen die Energieerzeuger die Stromerzeugung unverzüglich aus ihren Unternehmen ausgliedern, damit diese getrennt in die Insolvenz entlassen werden können. WP, Anwälte und Steuerberater dürften hierbei auf ein lukeratives Beratungsfeld treffen: "Betriebsaufspaltung bzw. Ausgliederung"

    Fazit: Der Stromverbraucher wird die Rechnung für die neue Energiepolitik so oder so zahlen müssen, sei es über eine weiter erhöhte EEG Umlage oder Zahlung an voll verstaatlichte Energieerzeuger.

    Mit Interesse werde ich verfolgen, wie es funktioneren soll AKW´und Braunkohlekraftwerke abzuschalten und trotzdem eine 100% Versorgungssicherheit zu bekommen.

  • Ach, Herr Stock, lassen Sie sich Ihr Schulgeld wieder herauszahlen und suchen Sie sich einen anderen Job.

    Sie schreiben über Eon: "Die einfache Rechnung zeigt: Ein Kraftwerk verdient pro Monat so seine 60 Millionen." als ob das ein Reingewinn wäre. Und verwechseln damit Gewinn und Umsatz.

    Das war ziemlich genau der Umsatzausfall, wenn man das über die Kapazität des KW und die Zeit nachrechnet. Da jedoch die Kosten bei einem KKW bei einer so überraschenden Abschaltung in voller Höhe weiterlaufen, wird Umsatzausfall mangels Alternativen unmittelbar zu Verlust.

    Die Leser des HB haben besseres verdient.

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