Was vom Tage bleibt
Geithner und die dicke Bertha

Auch ein urlaubender Finanzminister bleibt Finanzminister und empfängt Besucher auf Sylt. Die HSBC verschmerzt ein paar Skandale locker. Und einer der dienstältesten CEO's tritt ab. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Prominenter Syltbesucher

Für jeden fliegt der US-Finanzminister nicht nach Sylt, und fährt dann bis ins Fährhaus Munkmarsch. Für seinen dort urlaubenden Amtskollegen Wolfgang Schäuble allerdings machte sich Timothy Geithner heute auf den Weg. Nach ihrer gemeinsam verbrachten Urlaubsstunde äußerten sich die Herren optimistisch, was die Zukunft des Euro angeht. Das kann bei dem Gespräch aber nicht alles gewesen sein. Wahrscheinlich ist es wie im richtigen Leben: Das eigentlich Wichtige liegt nicht in dem, was wir sagen, sondern wie wir es sagen und was wir tun. Dass Geithner nach Sylt gekommen ist, zeugt davon, dass die USA Druck auf Deutschland machen. Wir sollen endlich den Weg für die "dicke Bertha" freimachen. Anleihen, Rettungsschirm, IWF - das ganze Arsenal. Es gibt Tage, da schätzen wir uns glücklicher als an anderen, dass Wolfgang Schäuble ein sturer Mann sein kann.

Leesons Lehren

Er war nicht der erste, und es hätte jeden überrascht, wenn er der letzte gewesen wäre: Nick Leeson wurde vor 17 Jahren verhaftet, nachdem er als Händler der britischen Barings Bank seinen Arbeitgeber in den Ruin getrieben hatte. Der ehemalige Zocker ist inzwischen Fußballvereinspräsident, schreibt Bücher und gibt Interviews für das Handelsblatt. Das ist im Umfeld von Libor-Skandal und Finanzkrise interessant. Eine seiner Erkenntnisse lautet: "Die Spitzen der Aufseher sind auf dem gleichen Niveau wie die schlechtesten Händler. Wenn gesagt wird, die Regulierung sei noch nie so gut gewesen wie heute, mag das stimmen. Angesichts der Innovationen an den Finanzmärkten hinken die Aufsichten trotzdem meilenweit hinterher."

Die HSBC und der Fortschritt

Wie weit sie hinterherhinkt, zeigt die britische Großbank HSBC. Sie muss wegen eines Geldwäsche-Skandals und der Fehlberatung von Kunden in der ersten Jahreshälfte zwei Milliarden US-Dollar zur Seite legen. Das tut weh, aber nicht so sehr: Die Rückstellung ließ den Überschuss auf 8,4 Milliarden US-Dollar sinken. Vor rund zwei Wochen hatte das Institut sein Fehlverhalten eingestanden. Ein Untersuchungsbericht des US-Senats hatte zuvor offengelegt, dass die Bank über Jahre Milliarden aus Ländern wie Mexiko, Iran und Saudi-Arabien in die USA geschmuggelt. Die Bankmanager wollten fortan Führungskräfte nicht mehr nur danach bewerten, was sie erreicht haben, sondern auch wie sie es erreichen. Was für ein Fortschritt!

Eingeschränktes Geschäftsmodell

Die Euro-Krise beschert Billigflieger Ryanair sinkende Gewinne. Im Winter will die Firma nun Winter ein knappes Drittel ihrer Flugzeugflotte am Boden lassen. "Je mehr man fliegt, desto mehr verliert man", rechnet der Finanzchef vor. Wenn jedes Unternehmen, das in mal in die Miesen rutscht, die Produktion einstellt und sein Geld lieber aufs Sparbuch überweist, gibt es zwar weniger Pleiten, aber auch keine Arbeit mehr.

Frenzel Adè

Vor 19 Jahren hat ein hoffnungsvoller Tui-Chef Michael Frenzel abends in einem Gespräch beim Bier einmal erzählt: "Reisen wollen die Leute immer." In den zwei Dekaden danach hat er erfahren, dass sie es vielleicht wollen, aber nicht immer können. Und selbst wenn sie können, lässt sich daran nicht immer viel verdienen. Jetzt hört Frenzel auf. Im Februar 2013 wird ihn der frühere Vodafone-Manager Friedrich Joussen ablösen.

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Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Geithner und die dicke Bertha"

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  • Herr Schäubele, Herr Schäubele! Wie muss es sie schmerze, sich Anweisunge von de City of London abzuhole? Vom einzig rechtsfreie Raum in London und Europa; von den Rothschilds und Co! Der City, wo die Bankers noch unkontrolliert tun und lasse könne, was sie wolle?!
    Dos is koi gute Sommer für sie! Un de seltsame Geithner noch, der was hat koi Ahnung von Eurba ausser, kennt er de Eifelturm und Heidelberg. Der soagt bestimmt, Al Kaida und de Iran sind an allem Schuld!
    Endlich ham wir ne Lösung und den Schuldigen für die Krise!

    Ich leide mit Ihnen.
    Ihr ergebener
    SeckendHand

  • Herr Schäubele, Herr Schäubele! Wie muss es sie schmerze, sich Anweisunge von de City of London abzuhole? Vom einzig rechtsfreie Raum in London und Europa; von den Rothschilds und Co! Der City, wo die Bankers noch unkontrolliert tun und lasse könne, was sie wolle?!
    Dos is koi gute Sommer für sie! Un de seltsame Geithner noch, der was hat koi Ahnung von Eurba ausser, kennt er de Eifelturm und Heidelberg. Der soagt bestimmt, Al Kaida und de Iran sind an allem Schuld!
    Endlich ham wir ne Lösung und den Schuldigen für die Krise!

    Ich leide mit Ihnen.
    Ihr ergebener
    SeckendHand

  • Zitat aus Artikel:

    "Es gibt Tage, da schätzen wir uns glücklicher als an anderen, dass Wolfgang Schäuble ein sturer Mann sein kann."


    Zitat aus Handelsblatt Artikel vor wenigen Tagen:

    "Jedoch profitiere kein Land so sehr von der Gemeinschaftswährung wie Deutschland, fügte er ( Anm.: Schäuble) hinzu."

    => Allmählich haben alle Euro-Politiker verstanden, dass Deutschland enorme wirtschaftliche Vorteile durch den Euro hatte und hat, und zwar auf Kosten der anderen, was man u.a. in Griechenland und Spanien bereits an Massenelend ablesen kann.

    Es besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass alle anderen Länder es nun unbedingt wollen, dass Deutschland im Rahmen seiner Vorteile zahlt, um den Euro- und damit den Dollarzusammenbruch abzuwenden.

    Auch Sigmar Gabriel hatte ja nach der ESM-Entscheidung erklärt:

    "Und wenn wir jetzt für europäische Rettungsschirme mit bürgen, dann geben wir nur einen Teil dessen zurück, was wir selbst verdient haben."

    Lieber Oliver Stock, die anderen Länder werden Deutschland - so, oder so, zahlen lassen. Das weiß die Regierung längst. Doch von den
    deutschen Euro-Profiteuren, die sich zig Milliarden eingesackt haben, dem Großkapital, wagt die Regierung es nicht, sich Geld zu holen.

    Letztlich wird sie es sich daher vom gemeinen Volk holen, denn der Druck aus dem Ausland wird stetig zunehmen: Länder wie Spanien, Italien und auch die U.S.A. fürchten um den finanziellen und wirtschaftlichen Zusammenbruch ihrer Länder, und was auch immer ihre Vertreter öffentlich sagen: Der Schuldige für sie heißt Deutschland.

    Bleiben Sie uns erhalten!

    Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

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