Was vom Tage bleibt
Geld arbeitet, Gold ruht

Der Goldpreis rauscht nach unten. Der deutsche Haushalt nähert sich dem Ausgleich. Kartellsünder haben es immer schwerer. Das Risiko mit Italien wächst. Und irische Banker ziehen über uns her. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Totes Kapital

Dachten Sie, Sie entkommen allen Krisen, indem Sie Gold horten? Falsch. Der Preis für die Feinunze durchstößt jetzt sogar die 1000 Euro Marke nach unten. Wir stecken im längsten Abwärtstrend seit sechs Jahren. Es ist Zeit umzudenken. Gold ist nichts als totes Kapital, einst hart erarbeitet – und nun nutzlos im Tresor herumliegend. Das heißt: Wer Gold hortet, verzichtet Jahr für Jahr freiwillig auf Zinsen, Dividenden oder sonstige Erträge, die jede andere Sparform erwirtschaftet. Gold ist so unproduktiv, wie ein Igel im Winterschlaf. Geld arbeitet, Gold ruht. Sein Wert spiegelt einzig und allein das wider, was wir ihm zutrauen. Und immer dann, wenn wir anderen Anlageformen mehr zutrauen, hat es sich mit dem Wert des Goldes ziemlich schnell erledigt. Klar, die nächste Krise kommt bestimmt, und irgendwann wird Gold wieder mal ein gesuchtes Metall sein. Aber im Moment gilt das Gegenteil. Es ist deswegen höchste Zeit, den Goldschatz im eigenen Tresor nicht länger mit dem Misstrauen eines Spießers zu prüfen – sondern ihn zu verkaufen. Oder?

Einmaleffekte

Das Bundeskabinett hat den Entwurf für den Haushalt des nächsten Jahres verabschiedet. Die Vorlage von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht vor, dass der Bund im kommenden Jahr 6,2 Milliarden Euro neue Schulden aufnimmt. Schäuble legt höchsten Wert darauf, dass bereits der Haushalt für 2014 ausgeglichen sei - zumindest, wenn er Einmaleffekte sowie konjunkturelle Einflüsse einmal vergisst. Der Bundestag wird das Zahlenwerk in dieser Wahlperiode nicht mehr verabschieden. Nach der Wahl Ende September wird das Budget von der künftigen Regierung nochmals überarbeitet. Mal sehen, wie viele Einmaleffekte die dann noch einbaut.

Kampf den Kartellen

Das Bundeskartellamt kann im Kampf gegen illegale Absprachen in der deutschen Wirtschaft dank Kronzeugenregelung und verbesserter Ermittlungsmethoden immer mehr Verfahren abschließen. Die Behörde verhängte in den beiden vergangenen Jahren Bußgelder in Höhe von insgesamt gut einer halben Milliarde Euro. Ich meine, dieses Geld steht direkt uns zu. Schließlich waren wir es, die vorher an Rolltreppenhersteller, Bierbrauer und Kartoffelbauern zu viel gezahlt haben.

Risiko Italien

Italien droht vielleicht ein Verlust von mehreren Milliarden Euro. In einem Bericht des italienischen Finanzministeriums zu Kreditgeschäften des Landes heißt es, dass acht Derivate-Deals mit ausländischen Banken umgeschichtet wurden. Dadurch konnten Zahlungen an die Banken über einen längeren Zeitraum gestreckt werden, aber zum Teil zu ungünstigen Bedingungen. Experten hätten den möglichen Verlust auf acht Milliarden Euro geschätzt, berichtet die italienische Zeitung „La Repubblica“. Das italienische Finanzministerium bestätigte, dass es diese Derivate-Deals aus den neunziger Jahren gibt, sieht aber keine Gefahren für die Staatsfinanzen. Der Sinn von Derivat-Geschäften ist immer, das Risiko so lange zu verteilen, bis es unsichtbar ist. Dass es nicht weg ist, wissen wir seit der Finanzkrise.

„Deutschland, Deutschland über alles“

Es klingt wie ein Gespräch, das einer im Pub aufschnappt: Zwei Iren beschimpfen die „Scheißdeutschen“ und werfen mit Kraftausdrücken um sich. Schließlich beginnt einer aus vollem Hals „Deutschland, Deutschland über alles“ zu singen, und der andere kann sich vor Lachen kaum noch beruhigen. Geführt haben dieses Gespräch nicht zwei Halbbetrunkene, sondern zwei Erfolgstrunkene. Zwei Banker nämlich: der Chef der Anglo Irish Bank, David Drumm, und sein Top-Manager, John Bowe. Die Aufzeichnungen ihrer Telefonate hat die Zeitung „Irish Independent“ veröffentlicht. Sie stammen aus dem Jahr 2008. Als die Aufzeichnung entstand, hatte die irische Regierung gerade eine Garantie für die Geldhäuser des Landes ausgesprochen. Sie musste deren Zusammenbruch verhindern. Die Finanzkrise riss das bis dahin prosperierende Land in eine bis heute währende Krise, die auch die Anglo Irish Bank nicht überlebte. Ich finde: Wenn schon die NSA und andere gigantische Spähprogramme haben, ist es nicht die schlechteste Idee, sich damit vor allem auf Bankhäuser zu konzentrieren.

Einen fröhlichen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Geld arbeitet, Gold ruht"

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  • Sie kaufen um 1980 für 1000 $ 2 Oz. Gold
    Sie verkaufen es heute für 2500 $. Wie viel Verlust haben Sie gemacht?

    Sie kaufen 1980 für 1000 $ Coca Cola Aktien. Verkaufen heute und kaufen schöne 24 Oz. Gold und mit den 7500 $ Dividenden können Sie machen was Sie Wollen oder Sie haben sie in Gold reinvestiert und haben jetzt schöne 35-40 Oz. Gold.
    Cool nee..?

  • für wie blöde hält der uns ???

  • @ Rotkaepchen

    Sie verweisen auf die Jahre 1980/81 und die kurzfristige
    Halbierung des Goldpreises mit anschließender Dauer-Baisse.
    So war's. Ohne Tücken ist das Metall nicht.
    1980 hieß der Fed-Mann Volcker und der ging in die
    Vollen - Leitzinsen jenseits der Zwanzig und damit
    für Gold der Killer.

    Erinnern Sie sich noch an die Reaktionen, die auf
    Paul Volckers Maßnahmen folgten?
    Richtig - seine Konterfeis wurden vor dem
    Capitol verbrannt. Die Brandstifter rekrutierten sich
    allerdings weniger aus den Reihen der Gold-Fans.

    Bernanke und Draghi sind lernfähig und so wurden sie
    bis heute im Gegensatz zu Volcker nicht abgefackelt.

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