Was vom Tage bleibt
Gewinner und Verlierer der Euro-Krise

Die Euro-Krise hat nicht nur die beteiligten Staaten im Griff, jetzt zeigen sich Auswirkungen auch außerhalb der Euro-Zone. Doch während US-Banken zittern, hat ein Notenbanker eine späte Genugtuung. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Gewinn bei JP Morgan bricht ein

Die Quartalszahlen, die JP Morgan heute veröffentlicht hat, lassen böses ahnen. Wenn diese US-Großbank, die als solideste an der Wall Street gilt, schon einen Gewinneinbruch um 20 Prozent hinnehmen muss, dann droht unter den Konkurrenten in der kommenden Woche ein Blutbad. Und schuld daran ist: die Schuldenkrise in Europa. Wegen der Verunsicherung der Kunden durch die Euro-Schuldenkrise lahmt das sonst so profitable Geschäft mit dem Kapitalmarkt. So sind bei JP Morgan Aktienplatzierungen aller Art im vergangenen Jahr um circa 28 Prozent eingebrochen. Immerhin: Man ziehe sich nicht aus Europa zurück, aber man sei „sehr vorsichtig“, sagte JP-Morgan-Chef Jamie Dimon.

Schweizer Notenbank macht Milliardengewinn

Betroffen von der Euro-Krise ist auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) - aber im positiven Sinn. Im September hatte der damalige SNB-Chef Philipp Hildebrand den Schweizer Franken an den Euro gebunden, weil die permanente Aufwertung des Franken die Schweizer Wirtschaft zu ersticken drohte. Diese Maßnahme aber hat der SNB nun zugleich einen Jahresgewinn von 13 Milliarden Franken beschert, nach einem Verlust von 19 Milliarden im Jahr 2010. Die besondere Ironie der Geschichte: Auch Hildebrand persönlich hat durch private Devisengeschäfte von der Eurobindung profitiert. Weil ihm das aber als anrüchiges Insidergeschäft ausgelegt wurde, musste er aber vom Amt des SNB-Chefs zurücktreten. Typischer Fall von genial, aber zu gierig.

Air Berlin droht Allianz-Desaster

Für den angeschlagenen Lufthansa-Konkurrenten Air Berlin kommt es jetzt wohl ganz dicke. Das mitten in der Sanierung steckende Unternehmen hatte alle Hoffnungen auf den Beitritt zur Luftfahrtallianz Oneworld gesetzt. Über den neuen Partner American Airlines wollte Air Berlin Zugang zum wichtigen US-Markt bekommen. Doch das könnte sich jetzt zerschlagen. Berichten zufolge plant Delta Airlines eine Übernahme des Wettbewerbers American. Käme diese Megafusion zustande wäre das wohl das Ende der Allianz Oneworld. Denn Delta gehört dem konkurrierenden Flugbündnis Skyteam um Air France an. Für Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn wird die Luft dünn.

Wulff verspielt weiter Kredit

Nur noch der Ordnung halber erwähne ich die jüngste Volte von Bundespräsident Christian Wulff. Er will die Fragen und Antworten zu seiner Kreditaffäre nun doch im Internet veröffentlichen, soweit die jeweiligen Medien dem zustimmen, teilten seine Anwälte heute mit. Aber eigentlich ist das mittlerweile auch belanglos. Sein Ansehen hat Wulff durch sein mehr als merkwürdiges Verhalten ohnehin verspielt, nur noch 19 Prozent der Bundesbürger halten ihn nach einer aktuellen Umfrage für ehrlich. Damit liegt er gleichauf mit dem überführten Schwindler Karl-Theodor zu Guttenberg. Muss man dazu überhaupt noch etwas sagen?

Was fehlt? Wütende Menschen haben den Apple-Store in Peking mit Eiern beworfen. Doch es war nicht Ärger über die Produkte, die die Kunden so in Rage gebracht hat - im Gegenteil. Sie wollten das neue iPhone 4S haben, doch Apple hat den Laden nicht geöffnet. Die riesige Menschenmasse vor dem Geschäft zum Verkaufstart der neuesten Generation des Kult-Handys in China hat die Verantwortlichen offenbar so erschreckt, dass sie die Türen geschlossen hielten. Das muss ein Unternehmen erst einmal erreichen - dass es Angst hat, von der Liebe seiner Kunden erdrückt zu werden.

Ich wünsche einen angenehmen Feierabend und ein schönes Wochenende,

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

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