Was vom Tage bleibt

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Was vom Tage bleibt: Gier ist nicht mehr geil

Die Royal Bank of Scotland bestraft Investmentbanker mit schottischen Methoden, Frau Schavan erweist der Kanzlerin einen letzten Dienst und Zwillinge entziehen sich erfolgreich einer Vaterschaftsklage. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.
Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

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Erzwungener Urlaub

Die Skandale der vergangenen Jahre holen die Banken ein - und auch immer öfter die beteiligten Banker. Keine Skandal gehe ihm so auf die Nerven wie die Affäre um die Manipulation der Zinssätze Libor und Euribor, bekannte Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain vor kurzem freimütig. Deswegen scheint er nun auch durchzugreifen. Die Deutsche Bank hat jetzt weitere fünf Mitarbeiter beurlaubt, die daran beteiligt gewesen sein sollen. Es wird höchste Zeit. Wenn die Bank überhaupt noch eine Chance hat, nach den vielen Skandalen und Prozessen der jüngsten Zeit ihren ramponierten Ruf zu reparieren, hilft aber nicht nur Aufräumen, sondern nur Null Toleranz gegenüber Fehlverhalten von Mitarbeitern in der Zukunft.

Schottische Methoden

Die Royal Bank of Scotland zieht im Libor-Skandal nicht nur personelle Konsequenzen, sondern hat auch einen anderen Weg gefunden, die Manager für den angerichteten Schaden zur Verantwortung zu ziehen. Sie verhängt Sippenhaft und packt ihre Händler da, wo es Schotten am meisten schmerzt: beim Portemonnaie. Die Strafe von rund 600 Millionen Dollar, die ihr die Aufsichtsbehörden aufgebrummt haben, will die RBS zum größten Teil aus dem Bonus-Pool für die eigenen Investmentbanker bezahlen, der um umgerechnet 470 Millionen Dollar gekürzt wird. Ein neues Motto für die Investmentbanker: Nicht mehr "Gier ist geil", sondern "Geiz ist geil".

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Gute Nachricht aus China

Wenn die Rede auf die Inflation kommt, läuten in Deutschland sofort die Alarmglocken. So mag die Meldung, dass sich die chinesische Notenbank sich nun auf die Eindämmung der Preissteigerung konzentrieren wird, bei manchem ein mulmiges Gefühl auslösen - das Gespenst geht wieder um. Dabei ist das eine gute Nachricht. Besagt sie doch nur, dass China die Phase konjunktureller Schwäche offenbar hinter sich gelassen hat. Denn zuletzt hatte die Zentralbank sich vornehmlich um die Unterstützung des Wirtschaftswachstums gekümmert -was nun nicht mehr nötig ist. Und eine Inflationsrate von knapp drei Prozent ist bei einem Wachstum von acht Prozent wirklich ein Luxusproblem.

Dienst für Merkel

Alles andere als ein Luxusproblem hat Annette Schavan. Trotz der Plagiatsvorwürfe gegen ihre Doktorarbeit klammert sie sich an ihr Amt, auch die Kanzlerin stärkt ihr noch den Rücken. Doch bei allem Respekt vor ihrem politischen Wirken: Eine Wissenschaftsministerin, der ihre Universität "vorsätzliche und systematische" Täuschung bei ihrer Doktorarbeit vorwirft, kann nicht im Amt bleiben. Das dürfte auch Frau Schavan klar sein. Die juristischen Mittel, die sie jetzt anstrengen will, bringen ihr höchstens eins: ein bisschen Zeit. Damit erweist sie ihrer politischen Freundin Angela Merkel einen letzten Dienst. Kann Merkel diese Atempause doch nutzen, um in Ruhe zu überlegen, wie sie ihr Kabinett umbildet.

Was fehlt? Ein Gericht hat jetzt die Rechte von Kindern gestärkt, die wissen möchten, wer ihr Vater ist. So dürfen Kinder anonymer Samenspender künftig von der Samenbank verlangen, dass sie den Namen des biologischen Vaters herausgibt. Doch auch Gerichte stoßen zuweilen an biologische Grenzen, wie zeitgleich die Vaterschaftsklage eines 14-Jährigen in Celle zeigte. Der Richter konnte ihm nicht helfen, hatte seine Mutter doch eine Affäre mit eineiigen Zwillingen gehabt.

Ich wünsche Ihnen einen vergnüglichen Feierabend.

Florian Kolf

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  • 06.02.2013, 20:31 UhrSayTheTruth

    Deutschland macht die "EU in Brüssel" fett und mächtig. Mit dem Geld werden die Bürokraten reich gemacht und "Politik gekauft" um Europa zu unterjochen unter die Zentralmacht aus Brüssel. Damit trägt Deutschland die grösste Schuld an der Ent-demokratisierung und Zentralisierung Europas.

    Ziel ist, einen identitätslosen Universalmenschen zu schaffen (Gender-streaming). Ohne Nationalität, geschlechtslos also vollkommen neutral im Umgang untereinander, übertolerant das heisst Moral und Werte verschwinden, denn die könnten ja "eingefordert werden", ohne Heimatbezug und identitätsstiftende Merkmale. Alles was Menschen voneinander unterscheidet und damit "unruhestiftend" sein kann wird "weg-erzogen" von Politik und mainstream-Medien. Eben ein "EU-Lemming als Zukunfts-Menschenbild" als billige Arbeitskraft und abhängig von staatlicher Fürsorge. Das ist das EU-Gender-Menschenbild der "EU in Brüssel". Meinungsfreiheit und Individualität werden unter den Teppich gekehrt. Stück für Stück. "EU in Brüssel" ist wie eine Käseglocke über Europa, wie ein Korsett, dass man zum Schluss nur noch straffziehen muss. Und finanziert wird es mit unserem Steuergeld oder unserer Bonität als deutsche Schuldner. Zum Schämen ist das !

  • 07.02.2013, 13:17 UhrExeuropaeer

    Stimm 1000%ig zu und ergänze:
    Wenn jeder wartet, bis der andere anfängt, werden die Boten der rächenden Nemesis unaufhaltsam näher und näher rücken, dann wird auch das letzte Opfer sinnlos in den Rachen des unersättlichen Dämons geworfen sein. Daher muß jeder einzelne seiner Verantwortung als Mitglied der christlichen und abendländischen Kultur bewußt in dieser letzten Stunde sich wehren, soviel er kann, arbeiten wider die Geißel der Menschheit, wider den Faschismus und jedes ihm ähnliche System des absoluten Staates.
    Aus Geschwister Scholl, erstes Flugblatt

  • Kommentare
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