Was vom Tage bleibt: Gier ist nicht mehr geil

Was vom Tage bleibt
Gier ist nicht mehr geil

Die Royal Bank of Scotland bestraft Investmentbanker mit schottischen Methoden, Frau Schavan erweist der Kanzlerin einen letzten Dienst und Zwillinge entziehen sich erfolgreich einer Vaterschaftsklage. Der Tagesrückblick

Wunderschönen guten Abend,

Erzwungener Urlaub

Die Skandale der vergangenen Jahre holen die Banken ein - und auch immer öfter die beteiligten Banker. Keine Skandal gehe ihm so auf die Nerven wie die Affäre um die Manipulation der Zinssätze Libor und Euribor, bekannte Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain vor kurzem freimütig. Deswegen scheint er nun auch durchzugreifen. Die Deutsche Bank hat jetzt weitere fünf Mitarbeiter beurlaubt, die daran beteiligt gewesen sein sollen. Es wird höchste Zeit. Wenn die Bank überhaupt noch eine Chance hat, nach den vielen Skandalen und Prozessen der jüngsten Zeit ihren ramponierten Ruf zu reparieren, hilft aber nicht nur Aufräumen, sondern nur Null Toleranz gegenüber Fehlverhalten von Mitarbeitern in der Zukunft.

Schottische Methoden

Die Royal Bank of Scotland zieht im Libor-Skandal nicht nur personelle Konsequenzen, sondern hat auch einen anderen Weg gefunden, die Manager für den angerichteten Schaden zur Verantwortung zu ziehen. Sie verhängt Sippenhaft und packt ihre Händler da, wo es Schotten am meisten schmerzt: beim Portemonnaie. Die Strafe von rund 600 Millionen Dollar, die ihr die Aufsichtsbehörden aufgebrummt haben, will die RBS zum größten Teil aus dem Bonus-Pool für die eigenen Investmentbanker bezahlen, der um umgerechnet 470 Millionen Dollar gekürzt wird. Ein neues Motto für die Investmentbanker: Nicht mehr "Gier ist geil", sondern "Geiz ist geil".

Gute Nachricht aus China

Wenn die Rede auf die Inflation kommt, läuten in Deutschland sofort die Alarmglocken. So mag die Meldung, dass sich die chinesische Notenbank sich nun auf die Eindämmung der Preissteigerung konzentrieren wird, bei manchem ein mulmiges Gefühl auslösen - das Gespenst geht wieder um. Dabei ist das eine gute Nachricht. Besagt sie doch nur, dass China die Phase konjunktureller Schwäche offenbar hinter sich gelassen hat. Denn zuletzt hatte die Zentralbank sich vornehmlich um die Unterstützung des Wirtschaftswachstums gekümmert -was nun nicht mehr nötig ist. Und eine Inflationsrate von knapp drei Prozent ist bei einem Wachstum von acht Prozent wirklich ein Luxusproblem.

Dienst für Merkel

Alles andere als ein Luxusproblem hat Annette Schavan. Trotz der Plagiatsvorwürfe gegen ihre Doktorarbeit klammert sie sich an ihr Amt, auch die Kanzlerin stärkt ihr noch den Rücken. Doch bei allem Respekt vor ihrem politischen Wirken: Eine Wissenschaftsministerin, der ihre Universität "vorsätzliche und systematische" Täuschung bei ihrer Doktorarbeit vorwirft, kann nicht im Amt bleiben. Das dürfte auch Frau Schavan klar sein. Die juristischen Mittel, die sie jetzt anstrengen will, bringen ihr höchstens eins: ein bisschen Zeit. Damit erweist sie ihrer politischen Freundin Angela Merkel einen letzten Dienst. Kann Merkel diese Atempause doch nutzen, um in Ruhe zu überlegen, wie sie ihr Kabinett umbildet.

Was fehlt? Ein Gericht hat jetzt die Rechte von Kindern gestärkt, die wissen möchten, wer ihr Vater ist. So dürfen Kinder anonymer Samenspender künftig von der Samenbank verlangen, dass sie den Namen des biologischen Vaters herausgibt. Doch auch Gerichte stoßen zuweilen an biologische Grenzen, wie zeitgleich die Vaterschaftsklage eines 14-Jährigen in Celle zeigte. Der Richter konnte ihm nicht helfen, hatte seine Mutter doch eine Affäre mit eineiigen Zwillingen gehabt.

Ich wünsche Ihnen einen vergnüglichen Feierabend.

Florian Kolf

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Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum
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