Was vom Tage bleibt
Glück für Draghi

VW bereitet den Chefwechsel vor, die EZB muss über ihr Sicherheitskonzept nachdenken. Putin gibt sich siegesgewiss, Henkel könnte Wella kaufen und der Dax stürzt ab. Der Tagesrückblick.
  • 0

One-Man-Show
Ein Mann hat diese Woche mit aller Deutlichkeit geprägt: Ferdinand Piëch, der Aufsichtsratsvorsitzende von Volkswagen. Am Donnerstagnachmittag tagte die Spitze des VW-Konzerns in Salzburg, um über das Machtvakuum an der Führung zu beraten. Auch wenn am Donnerstag nichts bekannt wurde, am Ende wird sich wahrscheinlich doch Ferdinand Piëch mit seinem maßgeblichen Einfluss durchsetzen und einen Nachfolger für Vorstandschef Martin Winterkorn bestimmen. Der Einfluss eines einzigen Mannes auf diesen riesigen Konzern ist etwas Besonderes in der Unternehmenswelt. Aber Piëch hat Volkswagen immer gut getan. Ohne ihn hätte es den Aufstieg der vergangenen 15 Jahre nicht gegeben.

Großes Glück
Am Ende ist nicht viel passiert und es war eine Aktion mit viel Klamauk. Doch im ersten Moment, als am Mittwoch die Aktivistin Josephine Witt völlig unerwartet vor EZB-Präsident Mario Draghi auftauchte, da war das Entsetzen groß. Dass sie nur Konfetti über Europas oberstem Geldhüter verschütten würde, konnte zunächst niemand erahnen. Die EZB sollte aus diesem Vorfall unbedingt die nötigen Konsequenzen ziehen und über ihr Sicherheitskonzept nachdenken. In diesem konkreten Fall hat das Konzept jedenfalls allzu eindeutig nicht funktioniert.

Etwas zu früh
Russlands Präsident Putin ist ein Freund großer Worte. Sein Land habe den Tiefpunkt der Wirtschaftskrise bereits hinter sich gelassen, meinte er am Donnerstag vor den heimischen TV-Kameras. Putin sollte mit seiner Wortwahl etwas vorsichtiger sein. Die Lage in der Ostukraine ist alles andere als stabil. Während der vergangenen Tage hat es wieder vermehrt Scharmützel zwischen der ukrainischen Armee und den von Moskau unterstützten Separatisten gegeben. Sollte sich die Sicherheitslage wieder dauerhaft verschärfen, wird der Westen die Sanktionen keinesfalls zurücknehmen – sondern vielleicht sogar verschärfen. Und dann droht der russischen Wirtschaft neues Ungemach.

Zurück nach Deutschland?
Der US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble zeigt sich strategisch nicht von seiner besten Seite. Vor gut zehn Jahren haben die Amerikaner das deutsche Traditionsunternehmen Wella für stolze sechs Milliarden Euro übernommen. Doch jetzt wollen sie Wella auf einmal wieder loswerden – weil die deutsche Tochter irgendwie nicht so richtig zu Procter passt. Das hätte sich der US-Konzern wohl besser vorher überlegen sollen. Jetzt ist immerhin der Düsseldorfer Henkel-Konzern als möglicher Käufer aufgetaucht. Eine gute Lösung. Wella passt gut zur Henkel-Kosmetiksparte Schwarzkopf. Mit einem deutschen Eigentümer dürfte es für Wella zudem etwas mehr Stabilität geben.

Weckruf zur rechten Zeit
Anleger haben während der vergangenen Wochen wohl gedacht, es würde nur noch aufwärts gehen. Permanent verbesserte Konjunkturaussichten, die Geldschwemme der EZB, das niedrige Zinsniveau: Aktienkurse schienen nur noch eine Richtung zu kennen. Doch heute ist der Warnschuss gekommen: Plötzlich schließt der Dax unterhalb von 12.000 Punkten. Diese Delle vom Donnerstag ist ein wichtiger Weckruf. In der Welt gibt es noch den einen oder anderen Risikofaktor, der der Börsenparty ein ganz schnelles Ende setzen könnte. Da liegt zum Beispiel das Griechenland-Risiko in der Luft, der Ausgang ist völlig offen. Also Achtung, liebe Anleger! Eine gehörige Portion Vorsicht ist im Moment außerordentlich nützlich.

Einen angenehm sonnigen Abend wünscht Ihnen ganz herzlich

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Glück für Draghi"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%