Was vom Tage bleibt
Gnade für Schuldenmacher

In der CDU wollen die ersten weniger streng mit Schuldenländern umgehen. Die Telekom-Aktionäre können wieder lächeln. Roboter verursachen Mini-Börsencrash. VW stottert und Spott für Hoeneß. Der Tageskommentar
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Versuchsballon der CDU

Klaus-Peter Flosbach ist finanzpolitischer Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion. In dieser Funktion ist man so etwas wie der Ballonverkäufer auf dem Rummelplatz: Man kann mal einen fliegen lassen. Einen Versuchsballon. Der CDU-Politiker ist dafür, den Krisenländern mehr Zeit für die Rückzahlung der internationalen Milliardenhilfen einzuräumen. „Wenn es wie bei Irland und Portugal darum geht, Laufzeiten von Darlehen zu verlängern, damit technische Rückzahlungsmodalitäten nicht den Reformbemühungen zuwiderlaufen, dann können wir auch über Erleichterungen sprechen“, sagte uns Flosbach. Mal sehen wie hoch der Ballon fliegt, wie sehr er sich dabei ausdehnt und ob er platzt, bevor ihn ein anderer auffängt.

Bilanz in eigener Sache

Wenn Telekom-Chef René Obermann bald seinen Aktionären die Bilanz 2012 erklärt, ist es auch eine Bilanz in eigener Sache. Er geht danach. Dafür, dass der Abschied heiter ausfällt, hat er gesorgt. Die US-Mobilfunktochter, eines der größten Sorgenkinder der Telekom, hat wieder Perspektive. Sie wird mit dem kleineren Anbieter Metro PCS verschmolzen. Die Metro PCS-Eigentümer segneten die geplante Fusion der beiden Firmen jetzt ab. Ihr Votum war die letzte Hürde. Kurz vor dem Aktionärstreffen besserte Obermann seine Offerte noch einmal nach. Klar ist: Er ist die Sorge nun los. So oder so.

Maschineller Murks

Schneller an Informationen zu kommen, das hat schon immer Menschen reich gemacht. Die Nachrichtenagentur Reuters schickte im 19. Jahrhundert Brieftauben los, um Händler schneller über Entwicklungen an den Börsen zu informieren. Heute entscheiden nicht Brieftauben über zeitliche Vorsprünge von einigen Tagen, sondern Hochleistungsrechner über den Nanosekunden-Vorteil. Welche Nebenwirkungen die Roboter haben können, zeigte sich gestern Nacht: Über das gehackte Twitter-Konto der Nachrichtenagentur AP wurde eine Meldung über zwei angebliche Explosionen im Weißen Haus verbreiten, bei denen Präsident Obama verletzt worden sei. Die Meldung war falsch. Dennoch reagierten die Märkte – getrieben durch die lesenden Roboter in den Rechenzentren der Börsen. Sie geben bei den Worten „Explosion“ und „Obama verletzt“ automatisch eine Verkaufsorder raus. Früher litten wir unter menschlichem Versagen. Das haben wir zwar weitgehend im Griff, aber der maschinelle Murks hat es abgelöst.

Wolfsburg im Regen

Irgendwie wollte bei VW-Chef Martin Winterkorn keine Jubelstimmung aufkommen, als er zum Jahresbeginn einen neuen Rekordgewinn bei Deutschlands größtem Autobauer verkündete. Zu schwierig sei der Ausblick auf das kommende Jahr. Der VW-Chef hat recht behalten. Der Gewinn der Wolfsburger ist zu Jahresbeginn drastisch eingebrochen. Wie wir Herrn Winterkorn kennen, wird es ihn nicht aufmuntern, dass die Konkurrenz auch nicht schneller unterwegs ist. Bei Daimler und Peugeot ging es heute ähnlich zu wie in Wolfsburg.

Heiteres über Hoeneß

Nicht Neues von Hoeneß? Doch – zu viel. Ich beschränke mich deswegen darauf, einen Scherz weiterzugeben, der im Netz die Runde macht. Der „nächste Transfer-Hammer“ ist da zu lesen, sieht so aus: Uli Hoeneß hat einen Zwei-Jahres-Vertrag von der JVA München angeboten bekommen.

Lachen befreit. Einen fröhlichen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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