Was vom Tage bleibt
Grexit oder Schuldenschnitt?

Die europäischen Regierungschefs drücken sich bei der Griechenlandfrage um die Wirklichkeit herum. Bayern schließt einen Bankfrieden mit Österreich. Und Merkel geht zu Youtube. Was heute geschah, lesen Sie hier.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Weg mit den Tabus!

Wann brechen wie mit unseren Tabus? Ich meine den Grexit oder den Schuldenschnitt – zwei Wörter, die kein Regierender in Europa gern in den Mund nimmt. Dabei ist genau das gefragt. Zum Beispiel der Schuldenschnitt. Ohne den kommt Griechenland nicht aus dem Quark. Niemand, der rechnen kann, glaubt ernsthaft, dass Griechenland seine Schulden jemals bezahlen kann. Bislang lieh sich das Land Geld, um die Zinsen für geliehenes Geld bezahlen zu können. Dieser Kreislauf bringt keinen weiter. Den Schuldenschnitt als vermeidbar hinzustellen, ist deswegen eine Fiktion. Am Aufrechterhalten einer Fiktion die Verhandlungen scheitern zu lassen ist unredlich. Deswegen muss dieses Tabu fallen. Wenn wir den Schuldenschnitt nicht wollen, dann geht es einem anderen Tabu an den Kragen: Dann müssen die Regierungschefs das Wort Grexit offen aussprechen. Dann gibt es eine Eurozone ohne Griechenland. Was auch immer der Weg ist: Ich bin dafür, dass wir uns nichts vormachen.

Springer hat Flugzeuge im Bauch

Axel Springer hat Interesse an Pro Sieben Sat 1. „Bild“ vermählt sich mit Heidi Klum sozusagen. Allerdings ist bis heute nicht einmal Verlobung gefeiert. Beide Seiten sind noch in der „Flugzeuge-im-Bauch“-Phase. Manchmal endet die ja auch mit Ernüchterung.

Frieden mit Österreich

Genug gestritten: Österreich und Bayern einigen sich über die Schulden, die die Kärnter Bank Hypo Alpe Adria hinterlassen hat. Der Generalvergleich sieht so aus, dass Österreich 1,23 Milliarden Euro nach Bayern überweist. Das entspricht nicht einmal der Hälfte der bayerischen Forderung. Wir können also feststellen: Um des lieben Friedens mit den Nachbarn willen, ist den Bayern auch ein finanzielles Opfer nicht zu schade.

China und unser Kupfer

Der Preis für Kupfer stürzt auf ein Sechs-Jahres-Tief, weil in China die Börse eingebrochen ist. Die Chinesen, die noch viele Kabel durch ihr Land ziehen wollen, sind die größten Kupferverbraucher. Und wenn es da nicht läuft, läuft es eben bei Kupfer auch nicht. Ich halte das für Pessimismus. Wenn China Wachstum will, wird es wachsen.

Süße Romanze

Sekthersteller Rotkäppchen Mumm ist auf Einkaufstour. Er will sich Marken der früheren Likörfabrik Zahna einverleiben. „Romanza Amaretto“ hieß deren Erfolgsgebräu. Es klingt nach einer sehr süßen Romanze, die sich da zusammenbraut.

Merkel macht's auf Youtube

Die Tagesschau wird von 1,75 Millionen Zuschauern verfolgt, die unter 50 Jahre alt sind. Der Video-Blogger LeFloid kommt auf 2,6 Millionen. Am Freitag wird sich Angela Merkel seinen Fragen stellen. Es ist sozusagen das Sommerinterview – diesmal nicht bei Ulrich Deppendorf in der ARD, sondern eben bei LeFloid auf Youtube. Ich bin gespannt, wo der Erkenntniswert höher ist.

Einen erkenntnissreichen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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