Was vom Tage bleibt
Griechen schummeln nicht

Der griechische Ex-Finanzminister erklärt den Unterschied zwischen Schummelei und Flexibilität. Sigmar Gabriel weiß noch nicht, wie die Energiewende funktioniert. Und Lidl verkauft keine Cola mehr. Fanta auch nicht. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der flexible Herr Christodoulakis

Nicos Christodoulakis ist Spezialist für den Unterschied zwischen schummeln und flexibel sein. Der ehemalige griechische Finanzminister hat unseren Reportern erzählt, wie das war, damals als Griechenland dem Euro beitrat. Das klingt dann so: „Natürlich hat Griechenland die Flexibilität genutzt, die zur damaligen Zeit für alle Beitrittsländer möglich war. (...) Wir haben die Verteidigungsausgaben zwar in die Gesamtverschuldung eingerechnet, aber nur schrittweise ins Haushaltsdefizit.“ Aber so kreativ seien doch nicht nur die Griechen gewesen, berichtet der ausgediente Minister. Er kenne viele Länder, die sehr kontroverse Dinge getan haben, um die Zahlen zu beeinflussen und dem Euro beizutreten. „Auch Deutschland hat seine Krankenhäuser nicht zum öffentlichen Sektor gezählt und aus der Berechnung herausgenommen. Frankreich beschloss, dass der Sozialversicherungsfonds des staatlichen Telefonkonzerns nicht mehr zum öffentlichen Sektor gehört.“ Die Erzählungen des Herrn Christodoulakis sind im Ton von Unverständnis geprägt. Wieso ist das ganze eigentlich so ein Riesenthema, fragt er zwischen jeder Zeile. Lesen lohnt.

Der basisgestählte Herr Gabriel

„Wenn Sie denken, ein SPD-Parteivorsitzender hätte Angst vor der Handelsblatt-Energietagung, dann waren sie noch nie bei einer SPD-Parteitagung“, sagte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel bei eben jener Handelsblatt-Energietagung heute in Berlin. Demnach sind SPD-Parteitage für Betroffene eine gute Schule. Die braucht Gabriel auch, denn die Energieversorger sparten nicht an Kritik: Es bringt sie auf die Palme, dass sie konventionelle Kraftwerke nicht einfach abschalten dürfen, obwohl sich ihr Betrieb wegen der stark gefallenen Börsenstrompreise nicht mehr lohnt. Die konventionellen Kraftwerke werden als Sicherheit für eine stabile Stromversorgung gebraucht, wenn sich etwa die Windräder nicht drehen oder die Sonne nicht scheint. Eine Lösung dafür hat auch Gabriel nicht: „Ich bitte um Verständnis, dass wir für diesen Punkt noch etwas Zeit brauchen.“ Die SPD-Basis würde ihm eine solche Antwort vermutlich nicht durchgehen lassen.

Die Berufswarner

Der Internationale Währungsfonds ist ein Berufswarner: Aus der niedrigen Inflation in der Euro-Zone könne schnell eine Deflation werden. Ein solcher Preisverfall ist gefährlich, weil Unternehmen dann weniger investieren und sich auch die Konsumenten zurückhalten. Die Europäische Zentralbank solle deswegen noch über zusätzliche Maßnahmen nachdenken, um die Nachfrage zu stützen und der Finanzbranche zu helfen. Ziehen wir von der Warnung das Berufsmäßige ab, so bleibt immerhin: die Zinsen im Euroland bleiben niedrig. Gute Zeiten also für Schuldner.

Abgestürzte Sicherheitsforscher

Millionen Zugangsdaten für Online-Dienste sind nach Angaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik gekapert wurden. Forschungseinrichtungen und Strafverfolgungsbehörden seien auf 16 Millionen ausgespähte Benutzerkonten gestoßen. Die Datensätze enthielten meist eine E-Mail-Adresse und ein Passwort. Die Forscher und Strafverfolger hätten die Daten an das Bundesamt übergeben. Mehr als die Hälfte der Mailadressen endeten auf .de und gehörten daher wahrscheinlich Usern aus Deutschland. Die Behörde hat eine Webseite eingerichtet, auf der Nutzer überprüfen können, ob sie betroffen sind. (www.sicherheitstest.bsi.de) Dort kann man seine E-Mail-Adresse eingeben, die dann mit den Daten abgeglichen wird. Bei einem Treffer bekommen die Nutzer eine Nachricht. Dumm, dass die Testseite dauernd abstürzt.

Lidl ohne Coca-Cola

Beim Lebensmittelhändler Lidl gibt es keine Coca-Cola mehr. Der Discounter und der Limonadenproduzent konnten sich nicht auf ein Vermarktungskonzept einigen, womit auch Marken wie Fanta und Sprite aus dem Regal fliegen. Lidl hatte zuvor die Preise für die Brause stark gedrückt. Der Schritt leitete die jüngste Runde im unerbittlichen Preiskampf der Lebensmittelhändler in Deutschland. Lidl-Konkurrent Aldi hat die Preise für Frühstücksprodukte wie Joghurt, Kaffee und Eier drastisch gesenkt. Bisher freute mich der Unterbietungswettbewerb. Wenn bald aber nichts Gescheites mehr im Sortiment stehen, wechsle ich zu Tante Emma.

Einen entkoffeinierten Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Griechen schummeln nicht"

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  • Hat einer Zweifel die Kriechen sind das ehrlichste Volk auf diesen Planeten.

  • Das ist doch das übliche Politikergeschwätz.Wenns ernst wird können Sie sich an nichts mehr erinnern.Beispiele genügend(Kohl,Schäuble u.s.w)!

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