Was vom Tage bleibt
Große Freude für die Bonner

Der Telekom-Chef macht sich selbst ein Abschiedsgeschenk, Karstadt bereitet neue Sorgen. Straftäter müssen um die Fahrlizenz fürchten, die Ukraine bleibt russisch und der ADAC erhält einen Denkzettel. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Schöner Abschied

Schwere Jahre liegen hinter dem scheidenden Telekom-Chef René Obermann. Zu jung, zu unerfahren – das musste er sich gleich zu Anfang seiner Amtszeit anhören lassen. Aber irgendwie hat es Obermann trotz aller Widerstände geschafft und das Schiff Telekom durch alle möglichen Krisen gesteuert. Nun tritt er zum Jahresende ab und beschert dem Bonner Konzern zum Abschied noch einen Geldsegen in Milliardenhöhe durch den Verkauf der Scout-Gruppe und mit dem Börsengang von T-Mobile in den USA. Hut ab!

Kaufhaus ohne Zukunft

Weniger erfolgreich läuft es beim angeschlagenen Kaufhaus-Riesen Karstadt. Eine Krise jagt die nächste, aber eben ohne eine durchgreifende Lösung. Jetzt sickert durch, dass Karstadt-Großinvestor Berggruen seine Anteile für einen Euro verkaufen könnte. Das zeigt auf, wie viel Karstadt wirklich noch wert ist. Vertrauen sieht anders aus, da deutet viel auf einen baldigen Abschied des Eigentümers hin. Das Berggruen-Investment - sofern es überhaupt eins war - ist fehlgeschlagen, Karstadt bleibt ein Sanierungsfall. Die Zukunft sieht reichlich düster aus.

Strafe mit Schmerzen

Die Koalitionsverhandlungen in Berlin wirken wie eine unendliche Geschichte. Kaum etwas geht voran, ganz Deutschland wartet auf durchgreifende Beschlüsse. Doch immerhin: Es gibt die ersten kleinen Fortschritte. So haben sich die Koalitionäre am Donnerstag darauf verständigt, dass Straftätern künftig der Führerschein entzogen werden kann. Eine gute Entscheidung. Da das Strafrecht hierzulande immer stärker aufgeweicht worden ist und vielen Tätern häufig keine Strafe mehr droht, wird der Führerscheinentzug zu einem wirksamen Strafersatz. Denn ein Leben ohne Führerschein tut den meisten so richtig weh.

Ostblock lebt weiter

Viele hatten auf eine Annäherung zwischen der EU und der Ukraine gehofft. Die völlig zu Unrecht inhaftierte frühere Ministerpräsidentin Timoschenko würde freigelassen und dürfte zur medizinischen Behandlung nach Deutschland ausreisen. Jetzt haben sich die Hardliner in der ukrainischen Hauptstadt Kiew durchgesetzt, Frau Timoschenko kommt nicht frei und es kommt zu einer neuen Eiszeit mit dem Westen. Letztlich hat die Ukraine nur vor dem starken russischen Einfluss kapituliert und deshalb die Annäherung mit der EU verweigert. Schade, irgendwie existiert das alte Sowjetreich immer noch. Die echte Wende hat in Moskau immer noch nicht stattgefunden.

Wolken-Kuckucks-Heime des Autoklubs

Der ADAC gilt geheimhin als des Glückes Schmied für den deutschen Autofahrer. Einige der Dienstleistungen des Autoklubs sind wahrlich gute Sachen, ich denke an Pannenhilfe und Rettungsflüge. Aber irgendwie scheint jetzt der Größenwahn die Klubverantwortlichen gepackt zu haben: Der ADAC wollte sich den maroden Nürburgring einverleiben. Zum Glück ist der Autoklub aus dem Bieterkreis ausgeschlossen worden, angeblich wegen eines zu niedrigen Gebots. Wie gut, dass dieses Geld jetzt in München bleibt und nicht in die Rennstrecke geht. Bei Pannenhilfe und Rettungsdiensten sind diese Millionen viel besser aufgehoben als bei einem insolventen Motorsport-Projekt. Schuster, bleibe bei deinen Leisten! Die ADAC-Verantwortlichen sollten sich dieses alte Sprichwort ganz besonders zu Herzen nehmen.

Freuen Sie sich auf einen schönen Abend im Kreise der Familie – und besser nicht im Stau. Ihr

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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