Was vom Tage bleibt
Grüß Gott!

Der Papstrücktritt entzieht sich der Kritik. Himmel, erspar uns Berlusconi. Commerzbank-Chef Blessing ist allein zu Haus. Rezepte für Pferdefleisch gesucht. Die Kommentare zum Tag.
  • 7

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Grüß Gott!

Ich empfinde: Der Abgang eines Papstes entzieht sich der Kritik. Ich denke an eine Szene, die ich in einem katholischen Kloster erlebt habe, in das der Abt einen Vertreter von Microsoft eingeladen hatte, der damals sein neues Betriebssystem vorstellte. Der Microsoft-Mann konnte es sich nicht verkneifen, auf den Gegensatz zwischen alter Kirche und neuem Denken hinzuweisen. Der Abt sagte darauf: „Mein Sohn, wenn Dein Betriebssystem einmal 2000 Jahre gehalten hat, können wir weiterreden.“ In diesem Sinne werden wir auch Papst Benedikt die Würde, die er durch seinen selbstbestimmten Schritt gewahrt hat, nicht nehmen können. Die Kirche lebt nach anderen Gesetzmäßigkeiten. Das ist der Grund, weswegen sie noch immer putzmunter ist.

Berlusconi ante portas

Dreieinhalb Kilometer Luftlinie vom Vatikan entfernt schwingt sich einer auf, der sehr im irdischen Leben steht: Silvio Berlusconi möchte die Wahlen in Italien für sich entscheiden. Er hat deswegen schon mal allerhand Amnestien angekündigt, die nicht zuletzt seine eigenen Aussetzer amnestieren. Berlusconis Wiederaufstieg wäre das sichtbarste Zeichen, dass in Europa der Reformeifer erlahmt. Liebe Italiener, erspart ihn Euch (und uns).

Kritik vom Falschen

Klaus-Peter Müller ist Aufsichtsratschef der Commerzbank und Vorgänger von Martin Blessing, der Vorstandschef der Commerzbank ist. Müller hat jetzt gesagt, dass ein Aufsichtsrat handeln muss, wenn ein Vorstand seine Ziele nicht erreicht. Das stimmt. Nur sitzt ausgerechnet dieses Paar im gleichen Boot. Blessing hat fortgeführt, was Müller begann. Als Bessermacher kann sich dieser Aufsichtsrat nicht wirklich profilieren.

Pferd statt Rind

In einigen EU-Ländern ist Pferdefleisch als Rindfleisch verkauft worden. Na sapperlot, was für ein Skandal. Was für ein Fanal, das da von den Gaumen der Fleischesser ausgeht. Sie können nicht mal das eine vom anderen unterscheiden. Nutzen wir es doch als Erfahrung: Wenn Pferd offenbar mindestens so gut wie Rind schmeckt, lohnt es sich Rezepte zu wälzen: Pochiertes Rossfilet ist zum Beispiel eine Delikatesse.

Einen kulinarisch gelungenen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Grüß Gott!"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sehr geehrter Herr Stock,

    vielleicht hatte Sie in den vergangenen Monate die Zeit einmal darüber nachzudenken, ob Symbolismus ( Bildzusammenfügend im Gedächtnis) oder Realismus wie im Text länger erinnert werden

  • Gleich zwei Signale aus Rom aus ganz unterchiedlichen Motiven:
    gibt einer aus Einsicht in die Last des Alters seinem Alter die Ehre,
    feiert ein anderer seine spätpubertär wirkenden Obsessionen.
    Der Ältere folgt seiner Einsicht, der Jüngere wirkt einsichtsresistent und erfüllt damit, wie man es vlt nicht machen sollte: mit Altersstarrsinn die Welt beeindrucken zu wollen.

    Bemerkenswert.

  • Sehr geehrter Herr Sapere_aude,

    Ihre Annahme, dass es sich bei der Karikatur um einen Leser des Handelsblatt-Forums handelt, ist psychologisch interessant. Warum beziehen Sie die Wutblitze und Wutwesen automatisch auf die Leser und damit auch sich selbst? Mir ist die Karikatur natürlich auch aufgefallen, aber ich ging bisher stets davon aus, dass es sich bei der Figur um ein Mitglied der Redaktion handelt, die mit den dargestellten Energien ihre "Werke" in die Welt hinaussendet.

    Beste Grüße,
    General

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%