Was vom Tage bleibt
Gute Geister beim Kandidaten?

Peer Steinbrück haut wieder auf die Pauke, Twitter schleicht an die Börse. Wüstenrot vergrätzt die Sparer und bei Siemens knirscht es erneut. Immerhin sorgt die Techniker Krankenkasse für gute Laune. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Stinke-Finger

Manchmal fragt man sich, ob die Berater von Peer Steinbrück von allen guten Geistern verlassen sind. Der SPD-Kanzlerkandidat gilt schon lange als der große Polarisierer, der viele Wähler wegen seines rauen und kantigen Umgangstons verschreckt. Da ist es nicht gerade förderlich, das Negativ-Image des SPD-Vorderen noch weiter zu fördern. Doch genau das ist jetzt passiert mit dem „Stinke-Finger-Peer“ auf der Titelseite des Freitags-Magazins der „Süddeutschen Zeitung“. Wer Kanzler werden möchte, darf die Bevölkerung nicht spalten, sondern muss sie einen. Angela Merkel scheint das etwas besser verstanden zu haben.

Vermeintlich heiße Luft

Sind soziale Medien letzten Endes nur heiße Luft? Wer vor einem Jahr den Börsengang von Facebook beobachtet hat, könnte tatsächlich zu diesem Schluss gekommen sein. Der Facebook-Kurs stürzte dramatisch ab, die große Börsenherrlichkeit war schnell verflogen. Anderen sozialen Medien droht ein ähnliches Schicksal, so damals die weitverbreitete Meinung. Die Twitter-Eigentümer lassen sich von den negativen Erfahrungen der Facebook-Gemeinde nicht irritieren und verfolgen jetzt den eigenen Börsengang. Zu Recht! Die Facebook-Aktie hat sich mittlerweile erholt und soziale Medien spielen in unserem Leben eine immer größere Rolle. Sie sind eben keine heiße Luft.

Endlich zocken

Bausparer gelten gemeinhin als eine dröge und verschlossene Gemeinschaft. Wer einen Bausparvertrag abschließt, scheut demnach das große Risiko und geht auf Nummer sicher. Lieber auf ein paar Prozentpunkte Rendite verzichten und dafür mit einem steten Geldstrom rechnen können. Denkste, zumindest bei Wüstenrot. Da werden einmal schnell 15.000 Kunden hinauskomplementiert und die Verträge gekündigt. Merke: Auch die Bausparkassen sind nicht mehr das, was sie früher einmal waren. Aber vielleicht lockt das ja die Zocker – endlich läuft das Glücksrad auch bei den Bausparkassen.

Verantwortung mal zwei

Es mehren sich die Hinweise, dass auch Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme den Münchener Industriekonzern vorzeitig verlassen muss. Das wäre eigentlich ein ziemlich logischer Schritt. Cromme hat einen großen Anteil daran, dass der Vorstandsvorsitzende Peter Löscher ziemlich unsanft vor die Tür gesetzt worden ist. Doch als Chefaufseher hat Cromme die Vorschläge des Löscher-Vorstands immer ordentlich unterstützt. Deshalb sollte er ebenfalls die Verantwortung dafür übernehmen, dass Deutschland größter Industriekonzern eine eher unerfreuliche Wegstrecke hinter sich bringen muss. Herr Cromme, Sie haben ein Problem.

Wider den Einheitsbrei

Gesetzliche Krankenkassen leiden immer noch unter dem Vorurteil, dass sie ihren Versicherten nur einen Einheitsbrei anböten. Doch in den vergangenen Jahren hat sich eine ganze Menge getan: Auch gesetzliche und nicht mehr nur die privaten Kassen können neue Gestaltungsspielräume nutzen, um sich von der Konkurrenz zu unterscheiden. Der große Gewinner dieser Entwicklung ist die Techniker-Krankenkasse, die ihren Mitgliedern wegen der großen Überschüsse bald einen ordentlichen Geldbetrag überweisen wird. Die Umgestaltung des gesetzlichen Kassenwesens scheint also den erhofften Erfolg zu bringen: Manche Kassen sind einfach besser als andere.

Ein schönes und erholsames Wochenende wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Gute Geister beim Kandidaten?"

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  • Die Überschüsse der gestzlichen Krankenversicherungen machen deutlich, daß immer weniger Geld für die Patientenversorgung zur Verfügung steht (siehe Dermatologie ca.12 Euro/Fall /Quartal) und verschärfen allenfalls die Diskrepanz zwischen privater und gesetzlicher Versorgung

  • "Peer Steinbrück haut wieder auf die Pauke"

    Nein, er spielt ab 22.9. abends höchstens noch Piccoloflöte.
    Wollen wir wetten, Herr Menzel? (o:)

  • Die TK leistet mit ihrer Rückerstattung einen guten Beitrag zu einer ernsthaften Debatte über unsere privat/gesetzliche Krankenkassensituation. Ebenfalls interessant ist die Bausparer-Story. Und dann Peer: Der vulgäre Mittelfinger ist kurioserweise sehr viel sorgfältiger kalkuliert als so einige Fettnäpfchen zuvor. MIT DEN GRÜNEN REICHT ES NICHT, darum wird jetzt ganz gezielt abwanderndes oder nichtwählendes, hauptsächlich männliches Jungvolk eingefangen. Für eine große Koalition mit Mutti. Steinbrück wähnt sich im Fahrersitz. Wie wir die Dinge so kennen, darf er einen Fensterplatz haben, neben der Fahrerin oder hinter ihr, eigentlich fast überall...

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