Was vom Tage bleibt
Gute Nacht, liebe Lokführer

Wovon Oberlokführer Weselsky heute träumt? Warum die SPD keine gute Ehefrau wäre? Und wo eigentlich die ganzen kleinen Elektro-BMW stecken? All das und mehr beantwortet dieser Tagesbericht.
  • 0

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Böser Traum

Wenn Claus Weselsky heute ins Bett geht, summt er vielleicht ein Gute-Nacht-Liedchen: „Alle Räder stehen still, wenn mein starker Arm es will.“ Der Chef der Lokführer-Gewerkschaft mag an dieses Lied gedacht haben, als er den neuesten Bahnstreik in Gang setzte, diesmal soll er von Mittwoch bis Montagfrüh dauern. Weselsky könnte auch an die antike Stadt Karthago denken. So wie die große GDL führte einst das große Karthago einen Krieg nach dem anderen. Nach dem ersten war es noch mächtig, nach dem zweiten geschwächt, nach dem dritten verschwunden. Wetten Weselsky würde bei diesem Gedanken schlechter schlafen?

Die Treulosen

Die SPD-Mitglieder in Thüringen haben sich mit großer Mehrheit für rot-rot-grüne Koalitionsverhandlungen ausgesprochen, die zur Wahl des bundesweit ersten Ministerpräsidenten von der Linkspartei führen könnten. Die SPD war bei der Landtagswahl im September auf gut zwölf Prozent abgestürzt. Sie wurde weit hinter CDU und Linkspartei nur drittstärkste Kraft. Bisher hatte sie gemeinsam mit der CDU regiert. Jetzt sucht sie neue Partner. In der Ehe würde man ein solches Verhalten als Untreue bezeichnen. In der Politik nennt es sich Strategie.

Gegen die Regeln

Deutschland verliert an Einfluss. Die Europäische Zentralbank erhält mehr Machtbefugnisse, seit sie heute die Aufsicht über die größten Banken der Euro-Zone übernommen hat. So sind die Regeln, und wenn wir Regeln nicht befolgen, laufen wir mal schnell Gefahr, dass auch solche nicht befolgt werden, die uns nutzen, haben meine Eltern gesagt. Dass es im Fall der Zentralbank davon immer weniger gibt, hält sich als hartnäckiges, aber unbestätigtes Gerücht.

Wir sind noch alle Kutscher

Erinnern Sie sich noch an die BMW i3's, die massenweise über Anzeigenseiten rauschten? Inzwischen wird das Elektromobil wirklich in Serie gebaut, aber auf unseren Straßen ist es seltener als ein Rolls Royce. Das liegt nicht am schleppenden Verlauf, sondern einzig daran, dass die meisten dieser Autos in China, den USA oder irgendwelchen Showrooms landen. Was aussieht wie ein Fehlstart, ist für BMW-Chef Reithofer ein Marathon – vergleichbar mit dem Übergang von der Kutsche zum Automobil. Der hat an die 30 Jahre gedauert. Junge Väter aufgepasst: Wenn Ihr Großväter seid, könnt ihr Euren Enkeln so einen Stromer zum 18. Geburtstag schenken. Dann seid Ihr up to date, und die Dinger sind vielleicht bezahlbar.

Heute einen bezahlbaren Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Gute Nacht, liebe Lokführer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%