Was vom Tage bleibt
Handel und Wandel

Die Nachrichten von heute: Ikea zeigt, dass Einzelhandel funktioniert. Schlecker zeigt, wie es nicht geht. Und ein Deutscher aus Kiel zeigt, wie es auf vermutlich kriminellem Weg so geht, dass viel dabei hängen bleibt.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Einzelhandel I

Schlecker geht pleite, was niemanden wundert, der jemals in einem der schmuddeligen Märkte einkaufen gegangen ist. Was wundert ist, dass die Pleite erst jetzt kommt und dass die Beteiligten die Hoffnung haben, etwas zu retten. Im Gegensatz zur Insolvenz setzt nämlich die von Schlecker angekündigte Planinsolvenz auf Sanierung und Fortführung des Geschäfts. Daran können nur die glauben, die nie bei Schlecker einkaufen waren.

Einzelhandel II

Kennen Sie den Unterschied zwischen Ikea und Schlecker? Der eine führt Billy, der andere Billyboy. Okay - Kalauer. Im Ernst: Wie man Einzelhandel richtig macht, zeigt der Möbelriese Ikea. Er konnte seinen Gewinn im Ende August abgelaufenen Geschäftsjahr um rund zehn Prozent auf knapp drei Milliarden Euro steigern. Deutschland ist weiter der größte Einzelmarkt für den Konzern mit schwedischen Wurzeln - auch wenn es hierzulande immer schwieriger werde, Platz für neue Märkte zu finden, klagt Ikea-Chef Mikael Ohlsson. Die freiwerdenden Schlecker-Standorte dürften ihn größenmäßig nicht interessieren. Aber vielleicht können die Schlecker-Sanierer ja etwas von Ikea lernen. „Wir wissen, dass das Zuhause der wichtigste Ort auf der Welt ist“, sagte Ohlsson. Seine Schlussfolgerung: Er macht es seinen Kunden schon in den Möbelmärkten selbst so angenehm wie möglich.

Einzelhandel zweieinhalb

Und noch ein Handelsthema. Diesmal eines, das schon in die kriminelle Spur gerutscht ist. In den USA haben die Behörden „Megaupload.com“ - eine der größten Datentauschplattformen - vom Netz genommen. Sie ermitteln wegen möglicher Urheberrechtsverletzungen durch illegal hochgeladene Musik und Videos. Megaupload habe mehr als 175 Millionen Dollar illegalen Gewinn gemacht und den rechtmäßigen Eigentümern der Inhalte einen Schaden von deutlich über einer halben Milliarde Dollar zugefügt, erklärte das US-Justizministerium. Megaupload hatte in der Vergangenheit immer wieder Vorwürfe zurückgewiesen, das Angebot diene vor allem dem illegalen Austausch von geschützten Inhalten. Rechteinhaber hätten die Möglichkeit, mit einem Online-Formular Verstöße gegen das Urheberrecht zu melden und die fraglichen Dateien löschen zu lassen. Die Ermittler argumentieren jedoch, solche Aufforderungen seien systematisch missachtet worden. Nach der Razzia attackierten Hacker die Webauftritte von FBI und US-Justizministerium .Ob die Hacker Kim Schmitz kennen? Der 160-Kilo-Mann aus Kiel ist der Gründer von Megaupload. Er hat in Deutschland eine schillernde Karriere hingelegt, nennt sich auch „Kim Dotcom“ oder „Kim Tim Jim Vestor“. Er hatte sich heute in seinem Haus in Neuseeland in einem Sicherheitsraum verbarrikadiert, als die Polizei kam. Der Einsatzleiter berichtet: „Wir mussten ihn rausschneiden.“ Überhaupt stellen deutsche Staatsbürger das Top-Management der Plattform. Keine besonders herausragende Werbung für unseren Standort.

Wandel

Der einstige CSU-Hoffnungsträger Karl-Theodor zu Guttenberg machte heute wieder Schlagzeilen. Nach seinem missratenen Comeback-Versuch ließ er heute von CSU-Parteichef Horst Seehofer mitteilen, dass er sich wandele und der Bitte seiner Partei nach einer baldigen Rückkehr in die Politik eine Absage erteile. Der Grund sei, dass er noch immer dabei sei, aus seinen „Fehlern zu lernen“, schreibt Guttenberg in einem am Freitag in München veröffentlichten Brief an die CSU-Mitglieder. Das dauert offenbar, aber Seehofer hofft, dass der Prozess irgendwann dann doch abgeschlossen sei. „Auf lange Sicht“ bleibe die Wiederkehr Guttenbergs eine Option, sagte er. Guttenberg wiederum kündigte an, „auf lange Sicht“ nicht öffentlich in Deutschland auftreten zu wollen. „Lange“ heißt aber in diesem Fall nicht „nie“. Und damit ist erstmal alles in Ordnung. Nur nicht in Aachen, wo Guttenberg am nächsten Samstag bei der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst an den Kabarettisten Ottfried Fischer die Rede halten sollte. Stattdessen springt zum zweiten Mal sein Bruder Philipp ein.

Ein tierisch ernstes Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Handel und Wandel"

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  • Handel und Wandel
    Der Handel und Wandel mit den Mindestlöhnen war heute auch nicht besonnders.

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