Was vom Tage bleibt
Handy-Terror im Jet

In den USA soll Telefonieren im Flieger erlaubt werden, die Bahn hat Pech. Im deutsch-österreichischen Bankenstreit jubeln die Anwälte, Peugeot holt einen neuen Chef und Dortmund muss klein beigeben. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Ein Himmel voller Lärm

Die Aufsichtsbehörden in den USA scheinen wirklich von allen guten Geistern verlassen zu sein. Drüben, auf der anderen Seite des Atlantiks sollen schon bald Handy-Telefonate in den Flugzeugen gestattet werden. Das Hauptargument: keine Sicherheitsbedenken mehr. Die US-Behörden denken leider nicht daran, was sich künftig in den Flugzeugkabinen abspielen dürfte. Ein grauenvolles Stimmengewirr, ein immens steigender Lärmpegel, Aufregung pur – das Flugzeug, der letzte Rückzugsort vor iPhone und Galaxy verschwindet. Europa zieht bekanntlich meistens das nach, was die Amerikaner beschließen. In diesem Fall wäre offener Widerstand angebracht.

Eiserne Pechvögel

Zugegeben, auf die Bahn zu schimpfen, das ist manchmal schon zu einem echten Volkssport geworden. Und sicherlich gibt es durchaus den einen oder anderen Unsinn, der von den Bahn-Oberen beschlossen worden ist. Aber beim jüngsten Bahn-Aufreger kann man dem Unternehmen nun wirklich keinen Vorwurf machen. Die Bahn trifft keine Schuld daran, wenn der Zugverkehr im Ruhrgebiet wegen neu entdeckter Bergwerksschäden umgeleitet werden muss. Es gibt nur ein Wort dafür, was die Bahn jetzt an der Ruhr erlebt: Pech. Bahnkunden bleibt in diesem aktuellen Fall nur die Hoffnung, dass die Löcher in den alten Bergwerksrevieren möglichst schnell gestopft werden.

Frohlocken der Anwälte

Wer kann da noch mitzählen? Im Wochenrhythmus startet jetzt ein neuer Prozess in der Dauerfehde zwischen BayernLB und österreichischer Hypo Alpe Adria. Am Montag hat der jüngste Prozess dieser unendlichen Saga in München begonnen, vor einer Woche war Prozessauftakt in Klagenfurt. Im Moment freuen sich nur die beteiligten Rechtsanwälte über die Prozessflut, die Sache als solche kommt keinen Meter voran. Jetzt ist der Punkt erreicht, an dem die Eigentümer der beiden streitbaren Banken eingreifen und für ein Ende der Auseinandersetzung sorgen sollten. Die Regierungen in München und in Wien müssten jetzt endlich eingreifen und für einen Kompromiss sorgen. Was nichts anderes bedeutet, als dass beide Seiten zahlen müssen. Anders lässt sich die unsägliche Geschichte der skandalbehafteten Hypo Alpe Adria nicht zu Ende zu bringen.

Wenig Auswege

Peugeot-Citroën versucht ein letztes Aufbäumen: Der frühere Renault-Manager Carlos Tavares soll als neuer Konzernchef den Neuanfang bei Frankreichs Nummer zwei der Autobranche schaffen. Machen wir uns nichts vor: Peugeot-Citroën ist schwer angeschlagen, der Konzern leidet besonders stark unter der Absatzkrise in Südeuropa. Tavares lässt sich auf ein Himmelfahrtskommando ein, denn viele Alternativen hat Peugeot-Citroën nicht mehr. Er könnte ein Zusammengehen mit Renault oder Fiat versuchen, den unmittelbaren Konkurrenten in Europa. Die Kartellbehörden würden für solch eine Lösung wahrscheinlich einen drastischen Schrumpfkurs verlangen, weil die Marktmacht eines fusionierten Konzerns in Frankreich und Italien zu groß wäre. Dann bliebe als weniger schmerzliche Lösung nur noch die Hereinnahme eines finanzstarken Partners. Die deutschen Konkurrenten dürften dankend abwinken. Dann bliebe eigentlich nur noch – China.

Macht-Zementierung

Bayern München hat Borussia Dortmund am vergangenen Wochenende klar in die Schranken verwiesen, das 3:0 war eine allzu deutliche Sprache. Ein Blick auf die Finanzen zeigt genauso auf, wie die Macht im deutschen Fußball verteilt ist: Der Umsatz von Bayern München fällt um 25 Prozent höher aus als das Geschäftsvolumen des Erzrivalen aus Dortmund. Zudem leisten sich die Bayern einen viel höheren Personaletat als die ärmere Konkurrenz aus dem Ruhrgebiet. Die Rangfolge im Bundesliga-Fußball dürfte damit auf Jahre zementiert sein. Nach den Bayern kommt lange Zeit – nichts.

Einen schönen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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