Was vom Tage bleibt
Heiliger Franz-Peter

Der Papst packt in Limburg an, Apple überrascht mit Gratis-Software. Die EZB räumt bei den Banken auf, Peugeot geht auf Distanz zu Opel. In Deutschland wird der Mindestlohn zu Teufelswerk stilisiert. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Veränderung beim Papst

Die katholische Kirche lernt dazu. Noch vor ein paar Jahren hätten die Kirchenoberen wahrscheinlich versucht, die Krise um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst irgendwie auszusitzen. Nach alten kirchlichen Maßstäben hat Papst Franziskus jetzt mit Höchstgeschwindigkeit reagiert: Schon nach wenigen Wochen der öffentlichen Diskussion wird der Limburger Würdenträger abgesetzt. Ein Rückfall in alte Zeiten wäre es nur, wenn der Papst den geschassten Bischof nach einigen Monaten doch wieder in sein Amt einsetzen würde. Aber nach den ersten Monaten der Amtsführung von Papst Franziskus dürfte es ziemlich klar sein: Tebartz-van Elst hat in Limburg keine Zukunft mehr.

Billigheimer

Apple-Konzernchef Tim Cook hat uns wieder einmal mit neuen iPads beglückt. Getreue Apple-Kunden haben es wahrscheinlich schwer und kommen bei der permanenten Modelloffensive aus Kalifornien kaum noch hinterher. Das macht aber auch nichts, so viel grundsätzlich Neues hat Tim Cook dann doch nicht präsentiert. Strategisch viel bedeutender war die Apple-Ankündigung, dass der Konzern auch in das Geschäft mit Gratis-Software einsteigen will. Das war eine klare Botschaft an die Konkurrenz: Wir können auch billig.

Unter der Fuchtel

Die Europäische Zentralbank macht Ernst. 128 Großbanken aus Europa kommen unter die Kuratel der EZB, allein 24 deutsche Institute sind darunter. Nach den gewaltigen Verwerfungen der Finanzkrise ist es nur ein logischer Schritt, dass künftig eine einzige zentrale europäische Institution die Banken aus der Euro-Zone kontrolliert. Nationale Interessen etwa bei staatlichen Banken verhindern eine klare und objektive Prüfung. Insofern wird mit dem Start der EZB-Bankenaufsicht wichtiges Neuland betreten. Wichtig ist dabei nur, dass die EZB ihre neue Macht zur Kontrolle der Geldhäuser auch wirklich einsetzt und eingreift, wenn wieder einmal eine Großbank am Abgrund steht. Papiertiger haben wir in Europa schon genug.

Falscher Partner

Um die französischen Automobilhersteller ist es nicht besonders gut bestellt, das gilt allen voran für Peugeot. Seit Wochen wird über eine Kapitalerhöhung gestritten, der chinesische Automobilkonzern Dongfeng könnte der lange erwartete Retter werden. Der aktuelle Peugeot-Partner General Motors verliert bei den Franzosen immer mehr an Bedeutung. Wenn die Peugeot-Oberen jetzt sogar eine Kleinwagen-Kooperation mit GM und dessen deutscher Tochter Opel in Frage stellen, dann ist das ein erster ernsthafter Hinweis auf eine gescheiterte Kooperation. Wahrscheinlich hätte sich Peugeot die Zusammenarbeit mit General Motors auch gleich sparen können.

Sturm im Wasserglas

Deutsche Ökonomen und Parteivertreter streiten wie die Kesselflicker: Ist der von der SPD geforderte Mindestlohn nun gut oder schlecht? Ich habe den Eindruck, dass hier eine Scheindiskussion geführt wird, um vor allem Schlagzeilen zu erzeugen und das Wählervolk zu beeindrucken. Es ein Streit um Kaisers Bart: Deutschland wird nicht zugrunde gehen, wenn es bald einen allgemein verbindlichen Mindestlohn geben sollte. In vielen anderen Ländern, sogar im Kapitalismus-Wunderland USA, gibt es bereits einen solchen Mindestlohn. Und indirekt haben wir in Deutschland auch schon etwas Vergleichbares: In den branchenbezogenen Tarifverträgen sind Mindestlöhne längst Standard. Wer jetzt also gegen den Mindestlohn wettert, der sollte die Kirche im Dorf lassen. Der neue Mindestlohn darf ruhig kommen, er muss nur ökonomisch vernünftig ausgestaltet sein. Also nicht zu hoch und sehr flexibel, um auf regionale und branchenbezogene Besonderheiten reagieren zu können.

Entspannen Sie sich und genießen Sie den Abend. Es grüßt Sie herzlich

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Heiliger Franz-Peter"

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  • The ratpack feiert party,
    und Menzel, oh ganz nebenher auch.
    What a nice party.

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