Was vom Tage bleibt
Held oder Verräter?

Edward Snowden ist über Nacht zum Helden geworden, weil er die US-Behörden als Datenkrake outete. Die Aufklärungsdrohne zieht einen Aufklärungsausschuss nach sich. S&P überrascht uns, Opel auch. Die Tageskommentare
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Snowden versteckt sich

Sehen so die neuen Helden aus? Ein wenig blass, eine dicke Brille, und auf der Flucht? Edward Snowden sieht so aus. Er hat sich nach Hongkong abgesetzt, nachdem er zuvor dafür gesorgt hatte, dass alle Welt weiß, wie tief die amerikanischen Sicherheitsbehörden in unseren privaten Daten schnüffeln. Das Schicksal des Amerikaners liegt damit in der Hand Chinas. Seit 1998 hat Hongkong - anders als China - ein Auslieferungsabkommen mit den USA. Politische Fälle sind aber davon ausgeschlossen. Nach dem harmonischen Gipfel zwischen US-Präsident Barack Obama und Chinas Präsident Xi Jinping am Wochenende in Kalifornien steht Snowden jetzt mitten zwischen beiden Großmächten. Seit seinen Enthüllungen verblasste die Rolle Chinas als böser Hacker, während sich jetzt ausgerechnet die demokratischen USA als Schnüffler und Datensammler im Internet rechtfertigen müssen. Herr Snowden, falls sie einen neuen Wirkungskreis bei einem renommierten Online-Medium suchen, gern auch als unser Mann in Hongkong – unsere Adresse: siehe unten.

Auftrag ans Verfassungsgericht

Das Programm der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Rettung des Euro durch den Ankauf von Staatsanleihen aus Krisenländern sollte nach Meinung von fast der Hälfte der Bürger durch das Bundesverfassungsgericht gestoppt werden. Nur ein Drittel findet es gut, was die EZB so macht. Das ergab eine repräsentative Umfrage für Handelsblatt Online. Dass die Ablehnung bei den Liberalen und Linken jeweils besonders hoch ist, sollte allerdings beiden zu denken geben. Wenn ein Linker und ein Liberaler aufs gleiche Pferd setzen, hat ihnen entweder niemand gesagt, wohin das Pferd läuft, oder an der nächste Kreuzung zerreißt es das arme Tier.

Wenn Beamte shoppen gehen

Die Affäre um das gescheiterte Millionenprojekt für die Aufklärungsdrohne „Euro Hawk“ wird dauern. Dafür sorgt die Opposition, die jetzt einen Untersuchungsschuss durchgesetzt hat. Wenn es sich bei dem Ausschuss nicht nur um ein Ministerabschuss-Projekt handelt, sondern um ein Gremium, das die Eignung der staatlichen Einkäufer von Waffensystemen unter die Lupe nimmt, dann sollen die ihre Arbeit in aller Ruhe machen. Das Ergebnis könnte spannend werden.

Sympathische Bonitätswächter

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat den Ausblick für die USA - nein, einmal nicht gesenkt, sondern von „negativ“ auf „stabil“ erhöht. Die Ratingexperten begründeten ihren Schritt mit höheren Steuereinnahmen und Maßnahmen der Politik, die Verschuldung besser in den Griff zu bekommen. Das zweite ist zwar nicht so ohne weiteres auszumachen, aber dennoch gilt: So sympathisch wie heute waren mir die Bonitätswächter schon lange nicht mehr.

Einen Mokka bitte!

Und es gibt noch eine gute Nachricht: Der Verkaufserfolg des kleinen Opel-Geländewagens Mokka lässt eine Produktion des bisher nur in Korea gebauten Autos in Europa in greifbare Nähe rücken. Die Opel-Führung denkt daran, sie ins spanische Saragossa zu holen. Der Bau des kompakten Geländewagens in den eigenen Opel-Werken würde dafür sorgen, dass die Kapazitäten des Herstellers in Europa künftig besser ausgelastet werden, was am Ende auch deutschen Standorten zugute käme. Opel hat den Geschmack getroffen. Es wäre die Comeback-Geschichte des Jahrzehnts, wenn sich dieser Mokka verlängern ließe.

Einen verlängerten Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Held oder Verräter?"

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  • Wie heißt es doch so treffend:
    Wenn recht zu Unrecht wird,wird Widerstand zur Pflicht.
    Einer Regierung,die Konzentrationslager betreibt,im Ausland wohlgemerkt,um die eigenen Gesetze zu umgehen(welch Winkelzug!),der muss man sehr genau auf die Finger schauen.
    Ich denke jeder vernünftige Mensch ist Snowden dankbar.

  • Wikileaks:
    Journalisten glaubten damals, sie müßten "den Leuten" die von Wikileaks veröffentlichen Daten "erklären".
    So etwas nennt man heute: jorunalistische Klamotte.

    Anders noch: Hedwig-Courths Mahler ist Fachjournalistin und gibt Pädagogik in Sachen Aufklärung.

    Vor soviel Behutsamistan, nennen wir es Beschwichtigungskultur, muß man doch den journalistischen Häkelclub bewahren?

    Man muß Journalismus, anders als zu Zeiten eines Zola, als eine inzwischen recht gemütliche Veranstaltung vestehen.

    Und nun wo Herr Döpfner Geld damit verdienen möchte, also nicht die paar Flocken, die die Springer Gruppe vor sich hinfabriziert werden wir uns auf Bezahlmodelle einstellen müssen?

    Für Qualitätsjournalismus?

    Mit Verlaub, was ist das eigentlich: Qualitätsjournalismus?

    Hat Herr Döpfner sich je genötigt gesehen diese Verbalinjurie "Qualitätsjournalismus" je zu erläutern?

    Ich mein' ja nur...

  • Held oder Verräter?
    Wundervoll polarisierend.
    Entweder für oder gegen Geheimnisverrat:
    Früher gab es den Staatsbürger in Uniform z.B. in der BW.
    Heute ist die Rede von Söldnerheeren dabei schon lange nicht mehr.

    Unrecht wird Unrecht bleiben, ob man es nun aufdeckt oder vertuscht.

    Diese Trennlinie scheint heutzutage vollkommen verwischt.

    Wir leben in Zeiten, in denen es gilt, sich nicht erwischen zu lassen bei der Praktizierung von Unrecht.

    Haltet den Dieb, das rufen meist Diebe.

    Und nichts hat sich geändert: nicht aufgedecktes Unrecht steht am Pranger: eher der, der aufdeckt.

    Manning und Snowden zeigen dem Journalismus heutiger Tage, wozu Journalismus früher fähig war: in dem sie es wiederbeleben mit vollkommen unjournalistischen Mitteln: weil sie, im Gegensatz zu Journalisten, direkt an den Quellen sitzen.

    Wofür das Indiz ist, das wird sich der Journalismus, später mal, wenn ihn keiner mehr brauchen wird, vlt irgenwanneinmal fragen - wenn es ihn nicht mehr geben wird - wenn Journalismus so weitermacht wie bisher.

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