_

Was vom Tage bleibt: Hilfe für Terrorhelfer und Frauenpower für UBS

Vor Gericht ist man in Gottes Hand - so sagt man. Das spüren zurzeit Daimler und auch die großen Technologiekonzerne. Doch in Deutschland weiß man vielleicht bald nicht mehr, welcher Gott gemeint ist. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist stellvertretender Chefredakteur von Handelsblatt Online.
Florian Kolf ist stellvertretender Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Wunderschönen guten Abend,

Anzeige

manchmal fragt man sich schon: In welcher Welt leben wir eigentlich?

Vom Autobauer zum Terrorhelfer und zurück

Dass ein verurteilter Terrorhelfer, der ein Sabbatical seines Arbeitgebers dafür genutzt hat, um Waffen und Geld für Al-Kaida zu sammeln, auf Wiedereinstellung klagt, klingt einfach nur frech. Aber man kann es ihm ja nicht verbieten. Dass aber ein deutsches Gericht ihm auch noch recht gibt, das macht sprachlos. Diesen Alptraum erlebt gerade Daimler. Der Konzern ist nun in die zweite Instanz gegangen, hält die Wiedereinstellung für "unzumutbar". In der Tat ist leicht vorstellbar, welch verheerenden Einfluss das auf den Betriebsfrieden haben kann. Da ist nachvollziehbar, dass sich Daimler auch auf keinen Vergleich einlassen und alle juristischen Mittel ausschöpfen will. Seine restlichen Mitarbeiter hat das Unternehmen dabei sicher auf seiner Seite.

Justizminister auf dünnem Eis

Zu diesem Rechtsverständnis passt wunderbar die Äußerung des rheinland-pfälzischen Justizministers Jochen Hartloff. Der hatte der Berliner Boulevardzeitung „B.Z.“ gesagt, bei zivilen Rechtsstreitigkeiten halte er Scharia-Gerichte in Form von Schiedsgerichten für möglich. Auf welch dünnes Eis er sich da ohne Not begeben hat, zeigt auch, dass er sich genötigt sah hinterherzuschieben: „Steinzeit werden wir nicht tolerieren. Steinigen ist menschenrechtswidrig." Toleranz in allen Ehren, aber eigentlich hat Deutschland ein hoch entwickeltes Rechtssystem, das geeignet ist, jegliche zivilen Streitigkeiten zu schlichten. Wer nicht bereit ist, das zu akzeptieren und die Scharia bevorzugt, sollte sich wirklich überlegen, ob er im richtigen Land lebt.

Frauen-Power bei der UBS
Neben solchen eher skurrilen Meldungen gab es heute aber auch einen richtig Knaller. Die "Wirtschaftsweise" Beatrice Weder di Mauro verlässt überraschend den Sachverständigenrat der Bundesregierung und zieht in den Verwaltungsrat der Schweizerischen Großbank UBS ein. Der künftige Verwaltungsratschef der UBS, der ehemalige Bundesbankpräsident Axel Weber, sorgt damit bereits vor seinem Amtsamtritt für frischen weiblichen Wind. Neben Weder di Mauro wird auch die Anwältin Isabelle Romy den Verwaltungsrat verstärken. Der UBS kann das nur gut tun. Nach den Skandalen der Vergangenheit ist ein frischer Blick auf die Organisation dringend nötig.

Dax, Dax, Hurra!

Ein echtes Phänomen ist schon seit Wochen der Dax. Unbeirrt von allen Diskussionen um Schuldenschnitte und Rezessionsängste setzen die Anleger auf deutsche Standardwerte, seit Anfang des Jahres hat der Index um mehr als 700 Punkte zugelegt. Im Moment herrscht eine Art positiver Scheuklappeneffekt: Negative Meldungen werden ausgeblendet, positive dagegen begierig als Anlass für Zukäufe genutzt. So wie heute: Kaum signalisierte der US-Arbeitsmarkt einen überraschend starken Anstieg der Beschäftigungszahlen, sprang der Dax um 100 Punkte nach oben. Die Absage des für Montag geplanten Treffens der Finanzminister der Euro-Zone dagegen wurde komplett ignoriert.

Was fehlt? Der Patentstreit zwischen den großen Elektronikkonzernen treibt immer mehr Blüten. Heute hat Apple zeitweise eine Reihe von iPad- und iPhone-Modellen aus dem deutschen Online-Store genommen. Hintergrund ist ein Streit mit Motorola um ein Patent zum UMTS-Standard. Nächste Woche ist Apple wieder selber der Kläger wenn es gegen den Tablet-PC von Samsung geht. Man könnte sagen, das ist die Fortsetzung des Kindergartens mit anderen Mitteln. Nur leider geht es um viel Geld. Und der Leidtragende ist häufig der Kunde.

Ich wünsche Ihnen ein streitfreies Wochenende, sammeln Sie Kraft für den Start in die nächste Woche,

Florian Kolf

Diskutieren Sie mit dem Autor auf Facebook

  • Kommentare
Kommentar: Iran-Krise bedroht die Weltwirtschaft

Iran-Krise bedroht die Weltwirtschaft

Iran ist bei den Atomgesprächen erneut auf Konfrontationskurs gegangen. Jetzt ist schnelles Handeln gefordert. Kommt es zum Konflikt, stürzt die Welt in eine tiefe Wirtschaftskrise.

Kommentar: Was traurige Bilder nicht erzählen

Was traurige Bilder nicht erzählen

Die ARD nimmt in einer Dokumentationsreihe die Arbeitsbedingungen bei prominenten Konzernen aufs Korn. Damit steigt die Chance auf Besserung der Firmen. Gemachte Fortschritte bleiben oft verdeckt.

  • Kolumnen
Dutschke spricht: The War on Women

The War on Women

Frauen werden in den USA noch immer stark benachteiligt. Das reicht von überteuerten Konsumprodukten für Frauen bis hin zur restriktiven Abtreibungsrichtlinien. Beim Schutz der Frauen hinken die Amerikaner uns hinterher.

Was vom Tage bleibt: Die Tage des „Bankjogs“ nahen

Die Tage des „Bankjogs“ nahen

In Spanien mehren sich Krisensymptome, sodass Banker über den gefürchteten „Bankrun“ nachdenken. Ganz so schlimm wird es nicht. Allerdings ist auch die Vatikanbank mit sich selbst nicht im Reinen. Der Tagesbericht.

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

Handelsblog Das Versagen von Bayern München, ökonomisch erklärt

Der Ausgang des Champions-League-Finales ist nicht nur peinlich für die Bayern, sondern auch für mich persönlich. Ausgehend vom Marktwert der Spieler hatte ich prognostiziert, dass Bayern gewinnen wird - weil die Mannschaft rund 30% mehr... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Gastbeiträge
Essay Jürgen Fitschen: Die Sünden der Finanzwirtschaft

Die Sünden der Finanzwirtschaft

Die Finanzbranche hat massiv an Ansehen verloren. Ohne sie würde unser Wirtschaftssystem aber zusammenbrechen, sagt Jürgen Fitschen. Ein Essay des designierten Co-Chefs der Deutschen Bank über die Zukunft der Branche.

Gastbeitrag: Gut gemacht, Chefin!

Gut gemacht, Chefin!

Angela Merkel führt ihre Regierung, wie es in der Wirtschaft gang und gäbe ist. Und doch hagelt es Kritik. Dabei handelt Merkel nur wie ein Manager. Endlich mal - sagt einer der bekanntesten Headhunter Deutschlands.

Otmar Issing: Keine Experimente mit der Inflation

Keine Experimente mit der Inflation

Um zu überleben muss die Währungsunion zum Gleichgewicht zurückfinden. Von Deutschland zu fordern, die eigene Wettbewerbsstärke zu verwässern, ist aberwitzig. Aber es gibt andere Lösungen.

  • Presseschau
Presseschau: „Spaniens Tage sind gezählt“

„Spaniens Tage sind gezählt“

Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle. Die Presseschau.