Was vom Tage bleibt
Hilfe für Terrorhelfer und Frauenpower für UBS

Vor Gericht ist man in Gottes Hand - so sagt man. Das spüren zurzeit Daimler und auch die großen Technologiekonzerne. Doch in Deutschland weiß man vielleicht bald nicht mehr, welcher Gott gemeint ist. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

manchmal fragt man sich schon: In welcher Welt leben wir eigentlich?

Vom Autobauer zum Terrorhelfer und zurück

Dass ein verurteilter Terrorhelfer, der ein Sabbatical seines Arbeitgebers dafür genutzt hat, um Waffen und Geld für Al-Kaida zu sammeln, auf Wiedereinstellung klagt, klingt einfach nur frech. Aber man kann es ihm ja nicht verbieten. Dass aber ein deutsches Gericht ihm auch noch recht gibt, das macht sprachlos. Diesen Alptraum erlebt gerade Daimler. Der Konzern ist nun in die zweite Instanz gegangen, hält die Wiedereinstellung für "unzumutbar". In der Tat ist leicht vorstellbar, welch verheerenden Einfluss das auf den Betriebsfrieden haben kann. Da ist nachvollziehbar, dass sich Daimler auch auf keinen Vergleich einlassen und alle juristischen Mittel ausschöpfen will. Seine restlichen Mitarbeiter hat das Unternehmen dabei sicher auf seiner Seite.

Justizminister auf dünnem Eis

Zu diesem Rechtsverständnis passt wunderbar die Äußerung des rheinland-pfälzischen Justizministers Jochen Hartloff. Der hatte der Berliner Boulevardzeitung „B.Z.“ gesagt, bei zivilen Rechtsstreitigkeiten halte er Scharia-Gerichte in Form von Schiedsgerichten für möglich. Auf welch dünnes Eis er sich da ohne Not begeben hat, zeigt auch, dass er sich genötigt sah hinterherzuschieben: „Steinzeit werden wir nicht tolerieren. Steinigen ist menschenrechtswidrig." Toleranz in allen Ehren, aber eigentlich hat Deutschland ein hoch entwickeltes Rechtssystem, das geeignet ist, jegliche zivilen Streitigkeiten zu schlichten. Wer nicht bereit ist, das zu akzeptieren und die Scharia bevorzugt, sollte sich wirklich überlegen, ob er im richtigen Land lebt.

Frauen-Power bei der UBS
Neben solchen eher skurrilen Meldungen gab es heute aber auch einen richtig Knaller. Die "Wirtschaftsweise" Beatrice Weder di Mauro verlässt überraschend den Sachverständigenrat der Bundesregierung und zieht in den Verwaltungsrat der Schweizerischen Großbank UBS ein. Der künftige Verwaltungsratschef der UBS, der ehemalige Bundesbankpräsident Axel Weber, sorgt damit bereits vor seinem Amtsamtritt für frischen weiblichen Wind. Neben Weder di Mauro wird auch die Anwältin Isabelle Romy den Verwaltungsrat verstärken. Der UBS kann das nur gut tun. Nach den Skandalen der Vergangenheit ist ein frischer Blick auf die Organisation dringend nötig.

Dax, Dax, Hurra!

Ein echtes Phänomen ist schon seit Wochen der Dax. Unbeirrt von allen Diskussionen um Schuldenschnitte und Rezessionsängste setzen die Anleger auf deutsche Standardwerte, seit Anfang des Jahres hat der Index um mehr als 700 Punkte zugelegt. Im Moment herrscht eine Art positiver Scheuklappeneffekt: Negative Meldungen werden ausgeblendet, positive dagegen begierig als Anlass für Zukäufe genutzt. So wie heute: Kaum signalisierte der US-Arbeitsmarkt einen überraschend starken Anstieg der Beschäftigungszahlen, sprang der Dax um 100 Punkte nach oben. Die Absage des für Montag geplanten Treffens der Finanzminister der Euro-Zone dagegen wurde komplett ignoriert.

Was fehlt? Der Patentstreit zwischen den großen Elektronikkonzernen treibt immer mehr Blüten. Heute hat Apple zeitweise eine Reihe von iPad- und iPhone-Modellen aus dem deutschen Online-Store genommen. Hintergrund ist ein Streit mit Motorola um ein Patent zum UMTS-Standard. Nächste Woche ist Apple wieder selber der Kläger wenn es gegen den Tablet-PC von Samsung geht. Man könnte sagen, das ist die Fortsetzung des Kindergartens mit anderen Mitteln. Nur leider geht es um viel Geld. Und der Leidtragende ist häufig der Kunde.

Ich wünsche Ihnen ein streitfreies Wochenende, sammeln Sie Kraft für den Start in die nächste Woche,

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

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