Was vom Tage bleibt
Höher und höher

Der Dax schafft den nächsten Rekord, die Krise der Hypo Alpe Adria könnte sich ausbreiten. Die SPD glaubt nicht mehr an den Wahlsieg, Kopftücher für Lehrerinnen sind in Ordnung und Joachim Löw bleibt. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Fieberkurve

Wie gut, dass es den Dax gibt. Griechenland, Ukraine, Naher Osten – schlechte Nachrichten kommen von überall. Immerhin dürfen sich die Anteilseigner von Deutschlands börsennotierten Unternehmen über kräftige Kurssteigerungen freuen. Es gibt auch gute Gründe, weiterhin für deutsche Unternehmen optimistisch zu sein: Die Konjunkturaussichten verbessern sich von Tag zu Tag, besonders gut sieht es für die Exporteure aus. Insgesamt dürfte die deutsche Wirtschaft 2015 stärker wachsen als noch vor ein paar Monaten angenommen. Deshalb ist auch der nächste Rekord für den Dax sicher: In der kommenden Woche wird die Marke von 12.000 Punkten geknackt.

Ansteckungsgefahr

Natürlich spielt die vergleichsweise kleine Hypo Alpe Adria erst einmal nur in Österreich eine große Rolle. Das Vertrauen in den Finanzplatz Österreich gerät in Gefahr, wenn eine staatliche Bank wie die Hypo Alpe plötzlich ihre Anleihen nicht mehr bedient. Deutsche Geldhäuser sollten sich allerdings nicht zu früh in Sicherheit wiegen. Commerzbank-Chef Blessing weist völlig zu Recht auf die enge Verflechtung zwischen deutschen und österreichischen Kreditinstituten hin. Es könnten bald Zweifel aufkommen, ob deutsche Bundesländer tatsächlich ihre Garantiezusagen für Landesbanken aufrechterhalten werden. Und dann wäre das Thema Hypo Alpe Adria samt Landeshaftungen auch hierzulande ganz plötzlich gewaltig und groß.

Auf der Verliererstraße

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat offensichtlich sehr direkt vor einigen Vertrauten geplaudert. Danach gibt der Vizekanzler die Bundestagswahl im Jahr 2017 schon jetzt verloren. Recht hat er damit, weil CDU und CSU mit der alles überragenden Kanzlerin Angela Merkel die Macht in zweieinhalb Jahren wieder an sich reißen werden. Insofern ist die Prognose von Gabriel einfach nur die schonungslose Schlussfolgerung aus der zu erwartenden politischen Konstellation. Die gute Nachricht: Die SPD könnte jetzt eigentlich inhaltlich eine richtig gute Politik machen. Wenn die Wahlen sowieso schon verloren sind, müssen die Sozialdemokraten auf niemanden mehr Rücksicht nehmen.

Persönliche Freiheit

In Deutschland wird es etwa im Unterschied zu Frankreich kein pauschales Kopftuchverbot für Lehrerinnen geben. In einem richtungsweisenden Urteilsspruch hat das Bundesverfassungsgericht diese Entscheidung getroffen. Die persönliche Freiheit ist ein hohes Gut, das unter allen Umständen verteidigt werden muss. Dazu gehört eben auch die persönliche Freiheit, ein Kopftuch tragen zu dürfen. Sollen in Deutschland künftig auch Tattoos und Piercings verboten werden? Sicherlich nicht. Unser Land kann eine ganze Menge aushalten, ohne dass es gleich in seinen Grundfesten erschüttert wird. Lehrerinnen mit Kopftuch werden das sicherlich auch nicht schaffen.

Er bleibt

Die wichtigste Nachricht für alle Fußballfans: Joachim Löw bleibt uns mindestens noch bis zur nächsten Fußball-WM als Bundestrainer erhalten. Nach dem kolossalen Titelgewinn in Brasilien hat Löw im Deutschen Fußball-Bund jetzt natürlich freie Hand. Wenn er weitermachen will, dann darf er das. Warum auch nicht? Der Erfolg gibt ihm Recht. Joachim Löw kann mit seinen Nationalkickern Titel gewinnen, das hat er bewiesen. Vielleicht wiederholt sich der Erfolg schon gleich im nächsten Jahr bei der Europameisterschaft in Frankreich. Ein wenig Glück gehört natürlich auch wieder dazu.

Mit dieser Hoffnung schicke ich Sie in das Wochenende, vielleicht gibt es auch ein wenig Sonne. Herzliche Grüße aus Düsseldorf

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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