Was vom Tage bleibt
Hoffnung für Europa

Während es für den Euro ein wichtiger Tag gewesen ist, wachsen die Sorgen in Ägypten. Das Beispiel Korea zeigt, dass Verhandlungen mehr bringen als der offene Konflikt. Davon profitiert die Wirtschaft. Der Rückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der Tag der Wende?

Jetzt kann es noch niemand genau sagen, aber in der Euro-Zone könnte heute die Wende eingeläutet worden sein. Nach bald zwei Jahren in der Rezession legt die Wirtschaft erstmals wieder in den Euro-Mitgliedsländern zu, angetrieben von den vergleichsweise hohen Wachstumsraten in Deutschland und Frankreich. Zugegeben, am südlichen Rand der Euro-Zone sieht es immer noch nicht gut aus. Aber es besteht Hoffnung: Von Norden her und mit den beiden größten Ländern der Euro-Zone könnte es langsam überall wieder aufwärts gehen. Ein Anfang ist gemacht.

Am Rande des Bürgerkriegs

Traurig hingegen ist das, was im Moment in Ägypten passiert. Der heutige Tag könnte dort als der Tag eingehen, an dem das größte Land Arabiens wie etliche seiner Nachbarn in einen offenen Bürgerkrieg hineingeschlittert ist. Die Bilanz des Tages fällt mit mehr als 100 Toten erschreckend aus. Der Westen, also auch Europa, hat sich vor ein paar Tagen aus den Vermittlungsbemühungen in Ägypten verabschiedet. Eine klar falsche Entscheidung. Der Westen muss sich sofort wieder einschalten und die verfeindeten Parteien in Ägypten an den Verhandlungstisch bringen. Mehr als 100.000 Tote in Syrien sind Warnung genug.

Korea, es geht auch anders

Dass es doch politisch vernünftige Entscheidungen geben kann, zeigt das Beispiel Korea. Es ist noch gar nicht so lange her, dass die wachsende Kriegsgefahr auf der koreanischen Halbinsel weltweit die Schlagzeilen beherrschte. Davon ist heute keine Rede mehr, Nord- und Südkorea wollen jetzt sogar wieder ihre wirtschaftliche Kooperation im Industriepark Kaesong aufnehmen. In den vergangenen Wochen ist hinter den Kulissen verhandelt worden, besonders auf Vermittlung Chinas und der USA. Und auf einmal können sich die beiden verfeindeten Parteien wieder aufeinander zubewegen. Das macht Hoffnung für andere Regionen in der Welt.

Mehr Druck für Apple

Die großen Konzerne aus Südkorea haben ein riesiges Interesse daran, dass es in ihrer Heimat keinen militärischen Konflikt gibt. Unternehmen wie Hyundai und Samsung haben einen beispiellosen Aufstieg hinter sich und zählen heute zu den Top-Konzernen der Welt. Samsung schafft es inzwischen immer besser, den gefeierten Konkurrenten Apple aus den USA gehörig unter Druck zu setzen. Nach jüngsten Marktforschungsdaten können die Koreaner ihre Marktanteile bei Smartphones weiter ausbauen – eben zu Lasten von Apple. Wenn den Amerikanern auf der Produktseite nicht bald etwas Neues einfällt, dann wird Samsung ihnen demnächst noch stärker zusetzen.

Unsere liebe Bahn

Einen Offenbarungseid hat – wieder einmal – die Deutsche Bahn geleistet. Konzernchef Rüdiger Grube appellierte persönlich an die Mitarbeiter des Stellwerks in Mainz, doch ihren Urlaub zu verschieben. Am Bahnhof in Mainz fehlt aktuell gerade einmal eine Handvoll Leute, insgesamt hat die Deutsche Bahn aber etwa 300.000 Beschäftigte. Diese Diskrepanz offenbart die ganze Peinlichkeit der Mainzer Affäre: Dieser riesige Konzern und seine Manager sind nicht in der Lage, die kleine Personallücke in Rheinland-Pfalz zu stopfen. Was passiert eigentlich, wenn es einmal um richtig große Sachen bei der Bahn geht?

Einen schönen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Hoffnung für Europa"

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  • Selbstverständlich gibt es Hoffnung für Europa. Die kommt aber nicht vom EU-Propagandaministerium und seinen willfährigen Medien-Sprachrohren. Die Anzahl der Bürger, die sich nicht mehr länger verscheißern lassen will, wird nach meinem subjektiven Empfinden immer größer - heute übrigens exemplarisch mal wieder wunderschön zu beobachten hier im HB bei den Leserkommentaren zu "Das Ende der historischen Rezession". Äußerst intelligente Leser hat diese Zeitung - die sind vermutlich aber leider nicht repräsentativ für die Bundestagswahl, wo mit ziemlicher Sicherheit die Blockparteien mit ihren Politdarstellern und Volkszertretern wiedergewählt werden.
    Ansonsten zur propagierten Hoffnung für Europa und dem Ende der Rezession hier mal noch ein paar nüchterne Fakten:
    - Griechenland: reales BIP mit -4,6% und nominal mit -6,9%
    - Portugal: Output des Baugewerbes mit -17,7%
    - Niederlande: Unternehmenskonkurse +7,7%
    - Frankreich: Industrieproduktion mit -2,6% zum Vorjahresmonat
    - Spanien: Industrieproduktion mit -4,6%
    - Deutschland: Exporte mit -2,1% zum Vorjahresmonat
    - Italien: Industrieproduktion mit -5,1%
    und so weiter, und so fort...
    http://www.querschuesse.de
    In einem Satz: die falsche Hoffnung für die Euro-Zone heißt Draghi (EZB), die falsche Hoffnung für UK heißt Carney (BoE), die falsche Hoffnung für Japan heißt Kuroda (BoJ), die falsche Hoffnung für die USA heißt Heli-Ben (FED), und die falsche Hoffnung für die ganze Welt heißt Fiat-Money (= Schuldgeld) der Notenbanken.

  • "Was passiert eigentlich, wenn es einmal um richtig große Sachen bei der Bahn geht?"
    Dann gehen wir wieder zu Fuß wie die Apostel oder reiten.

    Dieselbe Frage könnte man aber auch für andere Institutionen/Ämter/Firmen stellen....

    Was passiert, wenn der Brückenbeton noch maroder wird? -usw..
    Manchmal bleibt von Tage auch so viel, dass man es nicht kommentieren muss.

  • Alle zwei drei Monate kommt diese Jubelpropaganda.

    GÄÄÄÄÄÄÄHN

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