Was vom Tage bleibt: In der Hand der Piloten

Was vom Tage bleibt
In der Hand der Piloten

Der erste Streiktag bei der Lufthansa geht zu Ende, die BayernLB will verkaufen. Frankreichs Präsident setzt auf die Ex, der Förderwahn bei der Energie ist gebremst und das Kartellamt bestraft Brauer. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Gewöhnung an den Streik

Es ist ein Streik, den niemand braucht. Doch die 5.000 Piloten der Lufthansa kennen kein Pardon gegenüber den Passagieren und ziehen unbeirrt ihren Arbeitskampf durch. Fast 4.000 gestrichene Flüge und mehr als 400.000 gestrandete Passagiere – das ist der Preis, den die Lufthansa-Kunden für die völlig überzogenen Pensionsforderungen der Piloten zu zahlen haben. Es gibt allerdings schon einen ersten Lerneffekt, Deutschland scheint sich auf Arbeitskämpfe dieser Art einzustellen. An den Bahnhöfen hat es am ersten Streiktag nicht das befürchtete Chaos gegeben. Viele sind wahrscheinlich gleich zu Hause geblieben und haben auf geplante Reisen verzichtet. Das ist eine Warnung an die Piloten: Die Erpressbarkeit der Passagiere hat ihre Grenzen.

Leiden im Osten

Die BayernLB leidet unter ihren Zukäufen aus der Vergangenheit. Milliarden hat die Landesbank aus München in die Expansion in Richtung Österreich und Osteuropa investiert – und am Ende nicht viel dafür bekommen. Ende 2009 haben die Bayern erst die Hypo Alpe Adria zum symbolischen Preis von vier Euro an den österreichischen Staat abgegeben. Von einem Verkauf zu sprechen, wäre angesichts dieses Betrages der blanke Hohn. Jetzt droht der BayernLB in Ungarn dasselbe Schicksal. Die Münchener wollen dort ihre Tochter MKB an eine ungarische Bank verkaufen. Viel Geld dürfte es dafür wieder nicht geben, der ungarische Geldmarkt liegt darnieder. Fazit: Unüberlegter Expansionsdrang wird bitter bestraft.

Letztes Aufgebot

Der französische Präsident Hollande versucht mit aller Macht den Wechsel. Eine neue Regierung mit neuem Premier und neuen Ministern soll das Unmögliche möglich machen und für eine politische Wende sorgen. Hollande setzt dabei auf die Kraft des Boulevard und holt deshalb seine frühere Lebensgefährtin Ségoléne Royal mit ins Kabinett. Seine Hoffnung: Es bringt ordentlich viel Schlagzeilen, wenn seine Ex künftig mit am Kabinettstisch sitzen darf. Das Kalkül dürfte aber nicht aufgehen, auch das letzte Aufgebot von Francois Hollande wird die Wende nicht bewerkstelligen können. Denn: Der Präsident ist das Problem.

Die russische Karte

Bund und Länder haben sich am Ende dann irgendwie doch auf einen Kompromiss verständigt: Die Förderung von Solar- und Windkraft, die unter dem sperrigen Namen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) firmiert, wird ein Stück weit zurückgenommen. Das ist grundsätzlich in Ordnung, weil dem Förderwahn damit eine Grenze gesetzt wird. Seit dem Einmarsch der Russen auf der Krim hat sich die geopolitische Lage in Europa jedoch gewaltig geändert. Will Deutschland wirklich dauerhaft von russischen Erdgas-Lieferungen abhängig bleiben? Auf diese drängende Frage gibt der Bund-Länder-Kompromiss zum EEG keine Antwort. Wir warten gespannt.

Betrug am Verbraucher

Das Bundeskartellamt hat eine Antwort gefunden auf die jahrelangen wettbewerbswidrigen Preisabsprachen großer deutscher Brauereien. 338 Millionen Euro an Bußgeld kommen jetzt zusammen. Eine der höchsten Strafen, die das Kartellamt jemals verhängt hat. Für uns Verbraucher bringt dieses Bußgeld eine extrem unerfreuliche Erkenntnis zu Tage: Wir sind über Jahre hinweg von Brauereien betrogen worden. Das kann eigentlich nur heißen – bloß weg vom Bier und nur noch Wein.

Greifen Sie beherzt zu einem guten Tropfen – einen schönen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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