Was vom Tage bleibt
Inflation bei Aldi

Der Milchpreis steigt und damit die - gefühlte - Inflation. Die US-Arbeitslosenrate steigt und damit die Chancen für Romney. Bei Opel gibt es einen Hoffnungsträger und bei Lancia keine Hoffnung mehr. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Die Milchpreis-Inflation

Wissen Sie was ein Liter Milch kostet? Nicht? Ich auch nicht so genau. Wenn also Aldi Süd, wie heute angekündigt, nach einer Verhandlungsrunde mit Molkereien den Milchpreis um neun Cent je Liter anhebt, wird es mir morgen beim Einkaufen nicht so sehr auffallen. Bei einem Verbrauch von einem Liter am Tag, werde ich am Jahresende 36 Euro mehr ausgegeben haben – das ist eine Drittel Tankfüllung. Ich glaube ich schaffe es, 300 Kilometer weniger im Jahr zu fahren – dann ist es ein Nullsummenspiel. Was? Energiekosten steigen auch? Und die Abgaben fürs Fernsehgucken? Mein lieber Herr Draghi – dann müssen wir aber doch noch mal über Inflation reden.

Keine Wahl

Für wen sind das nun gute Zahlen? Die Arbeitslosenrate in den USA stieg im Oktober leicht auf 7,9 Prozent – was Herausforderer Mitt Romney zum Angriff nutzt: Noch nie hat ein Präsident, der wiedergewählt werden will, eine solch miserable Quote präsentiert, stellt er fest. In der US-Wirtschaft wurden zugleich mit 171.000 neuen Jobs mehr Arbeitsplätze geschaffen als erwartet, hebt Präsident Barack Obama hervor. Als Amerikaner würde ich mich jetzt fragen: Habe ich überhaupt eine Wahl? Die Arbeitslosigkeit muss runter, was Geld kostet. Das Defizit soll aber auch sinken, was das Geld ausgeben verbietet. Also ist es fast gleichgültig, wer die Wahl gewinnt. Der Sieger steckt in eisernen Zwängen.

Letztes Aufgebot

Karl-Thomas Neumann musste 2009 bei Continental wegen unterschiedlicher Meinungen mit dem Eigentümer den Chefsessel räumen. Er heuerte bei Volkswagen an, wo er nach rund zwei Jahren die Verantwortung für das Chinageschäft verlor. Dennoch hat Neumann einen Ruf wie Donnerhall. Er könne Wir-Gefühl herstellen und er lasse sich nicht von widerspenstigen Eigentümern ins Bockshorn jagen, sagen die, die ihn kennen. Genau so einer könnte bei Opel den richtigen Ton treffen, denkt man sich selbstbewusst in Detroit, wo die Konzernzentrale der Opel-Mutter General Motors steht. Neumann wird hier als Kandidat gehandelt. Er wäre das letzte Aufgebot.

Todesanzeige auf Seite 10

Wenn es mit Neumann nicht klappen sollte, könnte es Opel wie Lancia ergehen. Die Todesanzeige dieser Traditionsmarke verbarg sich heute auf Seite 10 des Fiat-Analystenberichtes zu den aktuellen Quartalszahlen. Unter dem Punkt „Reduce/curtail Lancia exposure“ skizziert der italienische Autobauer nüchtern das Aus der italienischen Automarke Lancia. Die Produktion solle schrittweise reduziert werden, steht dort. Künftig werde nur noch das Modell Ypsilon gefertigt – in Polen. „Wir dürfen uns nicht mehr der Illusion hingeben, dass wir Lancias historisches Image wieder aufbauen können“, erklärte Fiat-Chef Sergio Marchionne. Als einer, der einst einen in die Jahre gekommenen Lancia-Fulvia die Alpenpässe nach oben getrieben hat, stehe ich trauernd am Grab. „Es ist nur ein Auto“, sagt eine Stimme neben mir. Recht hat sie.

Ein geruhsames Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Inflation bei Aldi"

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  • Das was ihr "Milch" nennt ist weißes Wasser dem fast alle Inhaltststoffe entzogen wurden um damit andere Lebensmittel herzustellen. Diese Milch hat mit dem ursprünglichen gesunden Lebensmittel genausoviel zu tun, wie Fluorid in der Zahnpasta, oder Jod im Salz! Denkt doch mal nach bevor ihr euch und euren Kindern die billigste Plörre vorsetzt, ob es nicht besser wäre etwas weniger Benzin zu kaufen und dafür seinen Körper gesund mit natürlichen Lebensmitteln zu ernähren! Ihr habt nur den einen Körper - im Gegensatz zu dem ganzen unnützen technischen Schnickschnack den ihr immer nachkaufen könnt.

  • Es war die DM, die seit der Einführung des Euro zu 100 Prozent an Kaufkraft verloren hatte: gedankliche Klarheit bleibt auch hier vonnöten.
    Was in Europa mit der Einführung des Euro geschehen war und immer noch geschieht: Unklarheiten in der gedanklichen Führung.
    Mit dem Euro wurde die nichtvorhandene Inflation, salopp formuliert, verschärft.

    Politiker können nicht einmal die Probleme lösen, die ohne sie nicht eingetreten wären.

    Das macht sie so menschlich.

    Auch nicht weiter schlimm - indes furchterregend.
    Indes nicht ehrfurchterregend. Wie auch. Wenn die nicht mehr weiterwissen werden die Krieg machen, wie seit tausenden von Jahren das immer die noblesse oblige gewesen ist: zur Not macht man die Völker für die eigene Unfähigkeit verantwortlich.

    Mal sehn, wie lange das gut gehen wird mit solchen Gewissheiten.

  • Der Euro hat seit der Einführung 100% an Kaufkraft verloren.

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