Was vom Tage bleibt
Inflation gebannt? Zu früh gefreut!

Die Rezession rettet uns vor steigenden Preisen, die Finanzaufsicht misstraut den Schiffsfinanzierern, Shell droht ein Imageschaden und Dieter Bohlen schafft sich vielleicht selber ab. Der Tagesrückblick
  • 0

Wunderschönen guten Abend,

Angst vor dem Aufschwung

Jetzt jubeln sie wieder: Zwei Prozent Inflation im vergangenen Jahr, genau auf dem Zielwert der EZB. Haben wir uns alle umsonst Sorgen gemacht? Zumindest ist es für Entwarnung noch deutlich zu früh. Denn nur die schwächelnde Weltkonjunktur, die die Rohstoffpreise drückt, hält die Inflation im Zaum. Wehe, wenn dann die Erholung kommt. Dann könnte sich die lockere Geldpolitik doch noch rächen.

 

Post vom Aufseher

Kaum ist Weihnachten vorüber, ist auch die Zeit der freundlichen Post vorbei. Die Botschaft der Finanzaufsicht Bafin an die großen deutschen Schiffsfinanzierer ist nicht nur unfreundlich, sie ist alarmierend. Sie hat die Wirtschaftsprüfer angewiesen, genau hinzuschauen, ob Commerzbank, HSH Nordbank oder NordLB für die Schiffskredite in ihren Bilanzen auch ausreichend Wertberichtigungen vorgenommen haben. Dieses Misstrauensvotum der Prüfer lässt Schlimmes befürchten.

 

Alptraum in Alaska

Angesichts dieser Meldung werden Alpträume wach: Vor der Küste von Alaska hat sich eine Ölplattform des Multis Shell losgerissen und ist auf Grund gelaufen. Noch ist kein Öl ausgelaufen, aber die Gefahr ist groß, hat die Plattform doch eine halbe Million Liter Diesel und andere Ölprodukte geladen. Erst vor kurzem hatte der Chef des Konkurrenten Total vor Ölbohrungen in dieser ökologisch sensiblen Region gewarnt, „ein Leck würde dem Unternehmensimage zu großen Schaden zufügen“. Nun könnte sich bald zeigen, wie Recht er hat.

 

Gefährliche Machtprobe

Noch feiern die Finanzmärkte die vorläufige Einigung im amerikanischen Haushaltsstreit. Doch der Kater dürfte nicht lange auf sich warten lassen. Denn im Kern hat sich nichts verändert, die US-Parteien sind immer noch genau so zerstritten wie zuvor, kein Problem ist gelöst. Die Unsicherheit bleibt nur zwei weitere Monate bestehen. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, die US-Wirtschaft wäre die Finanzklippe hinabgestürzt. Dann wäre den Streithähnen vielleicht mal klar geworden, was sie mit ihrer Machtprobe aufs Spiel setzen.

 

Was fehlt? Selbst Dieter Bohlen geht die inflationäre Verbreitung von Castingshows im deutschen Fernsehen offenbar auf die Nerven. Am Ende würden wohl nur zwei oder drei übrigbleiben, der Rest „geht ein wie die Dinosaurier. Vielleicht sieht Bohlen ja ein, dass er mittlerweile auch schon ein Dinosaurier ist.

 

Ich wünsche Ihnen einen sorgenfreien Feierabend

Florian Kolf

Diskutieren Sie mit dem Autor auf Facebook

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Inflation gebannt? Zu früh gefreut!"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%