Was vom Tage bleibt
Italiens neuer Stern

Ein Wrack wird zum Hoffnungsträger und bei der Bahn geht es voran. Neues Glück haben Microsoft-Aktionäre, weniger gut sieht es in der Autobranche aus. Ärger machen wieder einmal die Finanzämter. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Für einen guten Zweck

Italien atmet durch: Endlich hat in diesem Land wieder einmal etwas richtig gut funktioniert. Das Wrack der „Costa Concordia“ ist ziemlich problemlos aufgerichtet worden, der Beseitigung dieses stählernen Mülleimers steht nicht mehr viel im Wege. Wer hätte das im Vorfeld der Bergung gedacht: Die „Costa Concordia“ kann zu einem nationalen Symbol für Italien werden. Zu einem Symbol dafür, dass es doch gelingt, große Probleme tatsächlich in den Griff zu bekommen. Dann hat das fatale Unglück der „Costa Concordia“ am Ende doch noch einen guten Zweck.

Weg mit den Flutschäden

Auch von der Deutschen Bahn ist am Dienstag eine positive Nachricht gekommen. Schneller als erwartet kann der Zugverkehr auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Hannover und Berlin wieder aufgenommen werden. Die große Sommer-Flut hatte die Strecke in Sachsen-Anhalt unterspült und die Bahn zu mehrmonatigen Umleitungen gezwungen. Jetzt sollen die ICE nicht erst im Dezember, sondern schon einen Monat früher im November mit Höchstgeschwindigkeit in Richtung Hauptstadt unterwegs sein. Dieses Mal, daran gibt es nichts zu rütteln, liegt die Schuld für die Probleme nun wirklich nicht bei der Bahn. Also sollten wir sie auch einmal loben, wenn es schneller vorangeht.

Glückliche Aktionäre

Wer zu den Microsoft-Aktionären gehört, darf sich ebenfalls zu den Glücklichen dieses Tages zählen. Weil der Software-Konzern immer noch prächtig verdient, werden gleich einmal mit vollen Händen ein paar Milliarden Dollar an die Anteilseigner verteilt. Dass Microsoft vor ein paar Tagen erst den Kauf der Handy-Sparte von Nokia verkündet hat, tut dem nichts zur Sache. Die fünf Milliarden Dollar für die Finnen schüttelt der größte Software-Konzern der Welt trotzdem noch problemlos aus dem Ärmel. Merke: Niemand sollte Microsoft zu früh abschreiben. Trotz aller Führungsquerelen und strategischer Probleme etwa beim Mobilfunk ist Microsoft immer noch ein kerngesundes Unternehmen.

Das große Stottern

Weniger erfreulich ist der Tag für die europäische Automobilbranche verlaufen. Auf der Frankfurter Automesse IAA verbreiten die Hersteller zwar derzeit große Zuversicht. Die Realität bei Europas Händlern sieht aber doch reichlich anders aus, wie die heute veröffentlichten Zulassungszahlen unterstreichen. Vor allem in Südeuropa verweigern die Menschen beharrlich den Kauf eines neuen Wagens. Verständlich bei den problematischen wirtschaftlichen Aussichten. Immerhin gibt es die Hoffnung, dass sich die Konjunktur in Europa langsam dreht. Und dann sollte auch der Verkauf der Autos wieder stärker anziehen.

Der bewährte Amtsschimmel

Anlass zum Ärger bieten unsere Finanzämter. Die Einsprüche auf vermeintlich falsche Steuerbescheide bleiben immer häufiger unbearbeitet auf den Schreibtischen der Finanzbeamten liegen. Vier Milliarden Euro könnten an die Steuerzahler zurückfließen, wenn unser lieber Fiskus etwas beweglicher wäre. Diese Langsamkeit bei den Steuerbehörden ist unverantwortlich. Einerseits geht es dem Staat extrem gut, die Steuern fließen viel besser als erwartet. Das sollte die Rückzahlungsbereitschaft eigentlich fördern. Andererseits könnten zurückgezahlte Steuern den Konsum ankurbeln und damit die Konjunktur noch etwas stärker anschieben. Aber unsere Finanzbeamten machen lieber pünktlich Feierabend.

Machen Sie doch auch einmal pünktlich Feierabend! Es grüßt Sie herzlich

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Italiens neuer Stern"

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  • Erstens war es ja wohl eine recht internationale Truppe, die das Wrack aufgerichtet hat. Aber wenn die Lorbeeren auch das italienische Selbstwertgefühl aufrichten, meinetwegen.

    Zweitens habe ich ein ungutes Gefühl, wenn ein Wrack, in dem noch Tote vermutet werden, als Mülleimer bezeichnet wird.

  • Ein glücklich gehobenes Wrack zum neuen Stern Italiens deklarieren zu wollen läßt zumindest darauf hoffen, dass Italien künftig etwas mehr Fortune beschieden sei?
    Im politischen Sinne bleibt ein Wrack zu heben iwie immer etwas zweischneidig...

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