Was vom Tage bleibt
Kämpfe mit sichtbaren und unsichtbaren Gegnern

Spanien lässt sich nicht von der Entscheidung einer Ratingagentur einschüchtern und der Apple-Konkurrent Samsung schreckt nicht vor dem US-Konzern zurück. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend,

Spanien verliert Kreditwürdigkeit

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat den Daumen über Spanien gesenkt. Gleich um zwei Stufen ist die Kreditwürdigkeit des Landers herabgesetzt worden. Das schockte die Anleger jedoch nur kurz. Denn eigentlich war bereits lange klar, dass es angesichts einer Arbeitslosigkeit von fast 25 Prozent nicht so rosig um das Land bestellt ist. Die negative Auswirkung der Rating-Entscheidung verhallte rasch. Darin ist eine gute Nachricht versteckt: Die Bedeutung der Bonitätswächter ist nicht mehr so groß wie noch zu Beginn der Finanz- und Schuldenkrise. Beruhigen darf das aber niemanden. Denn die Probleme bleiben auch ohne mächtige US-Agenturen immens und sind nicht zu vernachlässigen.

Ein wenig Wachstum

Die USA werden von den Ratingagenturen wesentlich milder bewertet. Doch immense Probleme gibt es auch dort. So deutet sich bei der Verschuldung kein Weg der Besserung an. Und auch die altbekannte Strategie des Landes, aus den eigenen Problemen herauswachsen, geht nicht so recht auf. Mit 2,2 Prozent ist die Volkswirtschaft von Januar bis März - hoch gerechnet auf das gesamte Jahr - gewachsen. Das ist wenig für ein Land, dessen Bevölkerung Jahr für Jahr um ein Prozent wächst.

Nicht von Apple eingeschüchtert

Wenn es um das neue Apple-iPad geht, den Tablet-Computer des Hauses, sind der südkoreanische Konzern Samsung und sein US-Rivale gute Freunde. Denn die Südkoreaner fertigen die Displays für die Geräte. Doch auf dem Markt für Smartphones sticheln beide gegeneinander. Samsung ist mittlerweile größter Handy-Produzent der Welt, ein Ziel das Apple zwar mit der Fokussierung auf Modelle für das obere Preissegment gar nicht anstrebt. Aber inzwischen werden neue Samsung-Produkte mit ähnlicher Spannung erwartet wie die von Apple. Die Gewinnspannen der Amerikaner erinnern zwar an die Renditen, die Monopolisten einstreichen. Aber da ist es doch beruhigend zu wissen, dass es noch Anbieter gibt, die ernsthaft dagegen halten können. Denn Nokia zählt derzeit nicht mehr dazu.

Grandseigneur der deutschen Wirtschaft geht (aber nicht so ganz)

Zu seiner Zeit als Vorstandschef der Bayer AG hat sich Manfred Schneider mit Händen und Füßen gegen den Trend der Zeit gewehrt, das Konglomerat in Einzelteile zu zerlegen und auf einen Kernbereich zu fokussieren. Diese Hartnäckigkeit hat sich bezahlt gemacht, der Konzern steht unter seinem Nach-Nachfolger gut da. Jetzt übergibt Schneider den Posten Aufsichtsratschefs an Werner Wenning ab, bleibt anderen Konzernen aber als Chefaufseher erhalten. Im Interview spricht er von einem „unglaublichen Reservoir an Erfahrungen“, das er gesammelt hat. Dennoch wird es Zeit, nach neuen Oberaufsehern für die deutsche Wirtschaft Ausschau zu halten.

Eine Partei hübscht sich auf

Die Piraten sind derweil auf Frauenjagd. Denn der Frauenanteil in der Partei gilt als gering. Das könnte daran liegen, dass sich die Piraten vor allem über das Internet austauschen und dort unsichtbare, aber wohl oft männliche Gegner gern einen rauen Ton anschlagen. Klassische Rollenbilder gibt es eben auch in der virtuellen Welt, muss eine Partei lernen, die vorgibt, dass Geschlechterdebatten ein Thema der Vergangenheit seien.

In weiten Teilen Deutschlands ist das Wetter gut genug, über eines der Themen am Wochenende im Biergarten zu diskutieren.

Viel Spaß dabei wünscht,

Martin Dowideit

Der Autor auf Twitter: @MDowideit

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Kämpfe mit sichtbaren und unsichtbaren Gegnern"

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  • Ist das eine Antwort, die Ihnen weiterhilft?

    http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=16177

  • Dieser Wahnsinn läuft mal so, mal so. Deswegen müssen wir die Politikkaste mehr loben, anstatt immer nur zu kritisieren. Immerhin haben sie alle wichtigen, positiven Veränderungen, die diese Krise eigentlich zugunsten der Völker erzwungen hat, vermieden. Sie haben nichts, rein gar nichts getan! Und dafür viel Lob auch von meiner Seite. Man stelle sich vor, die hätten gearbeitet, was da wieder rausgekommen wär.

  • "Spanien verliert Kreditwürdigkeit
    Das schockte die Anleger jedoch nur kurz"
    Das ist wirklich schwer vorstellbar.
    Bedeutet der 'kurze Schock', dass ein Anleger morgens um 7 Uhr denkt
    "oh Gott, die können nicht mehr zahlen, verkaufen, verkaufen"
    und um 10 Uhr nach dem gemütlichen Frühstück denkt derselbe Anleger "ach was solls, was kümmert mich die Kreditunwürdigkeit also kaufen, kaufen".
    Oder ist das ein bisschen anders?

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