Was vom Tage bleibt
Kaufen, wenn die Kanonen donnern

Anleger ergreift die Krim-Panik. Irgendwann hilft die aber nicht mehr weiter. RWE schröpft die Kommunen. Der ADAC verliert Mitglieder. Und ein Selfie macht das Oscar-Rennen. Der Tagesbericht.
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So sieht Krise aus
Die Märkte geben kräftig nach. Öl wird teurer, weil eine Armee bekanntlich viel davon braucht. Gas wird teurer, weil es knapp werden könnte, und Gold steigt auch im Preis, weil manche glauben, damit hätten sie etwas todsicheres im Depot. Am ärgsten leidet Russland – ein Umstand, dem eine gewisse Gerechtigkeit innewohnt, denn schließlich ist es der russische Machthaber, der die Lunte an die Krim legt. Hartgesottene Anleger, die alles schon erlebt haben, kramen auch dafür ihre Weisheit hervor: „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“, heißt sie. Tatsächlich ist es dafür noch zu früh. Noch donnern die Kanonen nicht, und noch sind die Kurse nicht da, wo sie wirklich eine Kaufempfehlung wären.

Narrenweisheit
Dem Energieversorger RWE geht es nicht gut. Milliardenverluste, halbierte Dividende, möglicherweise wird eine Kapitalerhöhung nötig. Hauptleidtragende sind die Kommunen in Nordrhein-Westfalen, die alle Aktionäre bei RWE sind. Ihren eh schon klammen Kassen steht der nächste Aderlass bevor. Neidisch schauen sie auf Düsseldorf. Die Landeshauptstadt verkaufte ihr RWE-Paket im Jahr 2005 für 64 Euro pro Aktie. Heute gibt es nicht einmal die Hälfte dafür. Die Narren vom Rhein besitzen eine Weisheit, an der selbst Warren Buffett seine Freude hätte.

Gefallener Held
Oscar Pistorius ist ein gefallener Held: Auf Prothesen den Sprint bei den Paralympics gewonnen und kurz danach mit der Pistole erwischt, aus der eben seine Freundin erschossen wurde. Ob es Mord war, soll ab heute ein südafrikanisches Gericht entscheiden. Die Weltöffentlichkeit ist mit im Gericht. Die meisten halten Pistorius für den Mörder. Wir wünschen den Richter Unabhängigkeit.

Vereinsprivileg
Wer will schon in einem Verein Mitglied sein, in dem geschummelt wird, dass sich die Balken biegen. Das haben sich 186.000 ADAC-Mitglieder gedacht. So viele sind jedenfalls nicht mehr Mitglied, seit der erste Schummelverdacht den Automobilclub erfasste. Damit wird der Unterschied zwischen einem Staat und einen Verein deutlich. Der Staat kann schummeln: Bei der Rente zum Beispiel und bei den Angaben, wofür er unsere Steuer nutzt. Austreten können wir trotzdem nicht. Schön, dass das bei Vereinen anders ist.

Alle lieben Selfies
Die US-Moderatorin Ellen DeGeneres ist eine Vertreterin der Art, die man „Late Adopterin“ nennt. Sie hat nämlich einen Selfie bei der Oscar-Verleihung gemacht. Selfies, die hat Barack Obama schon bei der Trauerfeier von Nelson Mandela gemacht, und so heißen Fotos, die auf der Handy-Kamera per Selbstauslöser entstehen, während der Fotograf den Apparat verkehrt herum in der Hand hält. Sie lassen sich x-mal wiederholen, bis der Ausschnitt stimmt. Einmal war der Selfie das sicherste Anzeichen dafür, dass sich ein Teenager freut. Er lachte nicht, sondern machte ein Foto von sich. Dann machten es Präsidenten und jetzt eben auch 56-jährige Starmoderatorinnen. Damit ist klar: Wir werden alle jünger.

Einen Abend wie einen Jungbrunnen wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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