Was vom Tage bleibt
Kein Platz für Russland-Versteher

Scharfe Sanktionen gegen Russland rücken näher, der Aldi-Gründer ist gestorben. Opel wird mächtiger, Deutschland hat zu viele Baumärkte und Lebensversicherungen werden unbeliebter. Der Tag im Rückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Mitverantwortung

Politik ist irgendwie immer auch Wirtschaft und Wirtschaft ist genauso Politik. Bisher haben sich deutsche Unternehmen aber immer fein herausgehalten, was den Konflikt mit Russland um die Ukraine betraf. Frei nach dem Motto: „Was geht uns das an?“ Der Abschuss der Boeing 777 von Malaysia Airlines in der vergangenen Woche hat das Bild nun entscheidend verändert. Russland und sein Präsident stützen die Separatisten in der Ostukraine und tragen deshalb Mitverantwortung für den Tod von fast 300 unschuldigen Menschen. Wenn Russland jetzt nicht einlenkt und mehr Kooperationsbereitschaft zeigt, dann können echte und scharfe Sanktionen gegen Moskau nur die logische Konsequenz sein. In einer solchen Situation muss auch die Wirtschaft Opfer bringen. MH17 hat alles verändert und damit auch die Einflussmöglichkeiten der Russland-Versteher entscheidend begrenzt.

Aldi, auf ein Neues

Karl Albrecht ist tot. Einer der wichtigsten Männer des deutschen Handels ist nicht mehr da. Was würden wir machen ohne die Discounter, deren Konzept die Gebrüder Albrecht bis zur Exzellenz vorangetrieben haben? Das Ausland beneidet Deutschland nicht nur um die starke Automobilindustrie. Länder wie Frankreich und Großbritannien hätten gerne ebenfalls einen starken Mittelstand, mit dem solch unglaubliche Geschichten wie der Aufstieg von Aldi möglich werden. Die Trauer um Karl Albrecht ist völlig zurecht groß. Da es aber noch viele andere Unternehmerpersönlichkeiten hierzulande gibt, muss zum Glück niemandem um die Wirtschaft bange sein.

Mutter und Tochter

Opel darf endlich erwachsen werden. In ganz Europa ist die deutsche Automarke das wichtigste Standbein für die amerikanische Konzernmutter General Motors. Trotzdem hatten die Rüsselsheimer im GM-Konzerngefüge nie richtig die Verantwortung für den gesamten europäischen Markt. Das soll sich nun ändern, die Macht wird in Deutschland zentralisiert. Natürlich ist das eine gute Nachricht für Opel. Denn diese Marke kann nur dann wieder erfolgreich werden, wenn sie überall in Europa entscheidend vorankommt. General Motors hat in der Vergangenheit leider viel zu oft plötzlich und unerwartet seine Strategie komplett gedreht. Opel hat somit keine Garantie dafür, dass die zentrale Verantwortung wirklich auf Dauer in Rüsselsheim bleiben wird. Da hilft nur Daumendrücken, dass es jetzt endlich einmal klappt.

Von allem zu viel

Haben Sie zu Hause in Ihrem Keller auch schon alles doppelt und dreifach? Hammer, Säge, Schrauben und Dübel – viel mehr geht nun wirklich nicht. Trotzdem hoffen die großen Baumarkt-Ketten immer noch darauf, dass wir noch einmal vorbeikommen und die Keller ein weiteres Mal vollstopfen. Obi-Eigner Karl-Erivan Haub hat jetzt eingestanden, dass die Baumarkt-Branche in ihrer heutigen Form und Größe nicht überleben kann. Praktiker war erst der Anfang, es wird noch so manch anderes Unternehmen vom Markt verschwinden.

Ganz ohne Versprechen

Es ist eine völlig erwartbare Entwicklung: Die Zahl neu abgeschlossener Lebensversicherungen geht in Deutschland dramatisch zurück. Wenn der Garantiezins nicht mehr stimmt, Versprechen zurückgenommen werden und die Altersversorgung wackelt, dann reagiert die Kundschaft. Lebensversicherungen genossen in Deutschland früher immer eine Sonderstellung, zum Teil auch gefördert durch den Staat. Jetzt wird die Branche auf ein Normalmaß geschrumpft, vergleichbar mit dem in anderen Ländern. Die Lebensversicherung wird natürlich weiterhin eine Form des Sparens sein. Aber eben nur noch eine unter vielen. Wenn Deutschland dadurch etwa stärker zum Aktienland wird, dann ist das eine völlig begrüßenswerte Entwicklung. Kein Grund zur Besorgnis also.

Genießen Sie den Abend und den Sommer. Es grüßt Sie herzlich  

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Kein Platz für Russland-Versteher"

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  • Kein Platz für Russenversteher? Doch, doch oder werde ich gleich exekutiert, wie weiland der Ex Präsident.
    Neue Medien braucht das Land, und nicht nur Abnicker.
    Dazu ist die Tragödie zu wuchtig, als das wie die Bild Schindluder mit dem Leid treibt. Nebenbei wird eine Kriegs Hetze betrieben die Seinesgleichen sucht. "Wer stoppt Putin" war die dies tägige Schlagzeile bei Bild.
    Bloß, wer schützt uns vor dieser Journaille. Die sich nicht einmal zu fein ist in den Bonner Ministerien betteln zu gehen - weil wie den Mindestlohn von 8,5 € nicht zahlen will.

  • Zur Erinnerung!
    Am 3. Juli 1988 stürzte Flug 655 der Iran Air bei seinem Flug von Teheran nach Dubai über dem persischen Golf ab. Die Ursache für den Absturz war ein Abschuss mit Boden-Luft Raketen des Typs SM-2MR. Abgefeuert wurden die Raketen vom US-Kriegsschiff USS "Vincennes". Nach Angaben der US-Regierung war das Flugzeug mit einem feindlichen Jäger vom Typ F-14 Tomcat verwechselt worden. Bei diesem Unglück wurden alle 290 Insassen der Iran-Air-Maschine getötet.

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