Was vom Tage bleibt
Keine Angst vor der Wahrheit

Deutschland lässt sich nicht einschüchtern, für Griechenland ist keine Lösung in Sicht. Österreich fürchtet die Banken, die Deutsche Bank leidet unter Betrugsfällen und Bayern trifft auf Barcelona. Der Tagesrückblick.
  • 0

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Offene Worte

Gut, dass sie sich getraut haben. Lange war es unklar, ob deutsche Spitzenpolitiker bei den Massenmorden in Armenien wirklich von Genozid sprechen würden. Doch Bundespräsident Joachim Gauck und Bundestagspräsident Norbert Lammert haben keine Rücksicht auf die Türkei genommen und offen von Völkermord gesprochen. Weshalb sollten deutsche Politiker nicht die Wahrheit sagen? Es wäre wirklich verrückt gewesen, wenn Gauck und Lammert dem Druck aus der Türkei nachgegeben hätten. Ankara muss sich endlich seiner eigenen Vergangenheit stellen – auch wenn es schmerzlich ist.

Geduldsspiel

Wahrscheinlich mag niemand mehr das Wort Griechenland hören. Dutzende Spitzentreffen haben Europas Politiker in den vergangenen Monaten absolviert. Viel ist beraten und geredet worden, doch am Ende hat es nie ein klares Ergebnis gegeben. Wie jetzt wieder in Riga. Der Weg ist das Ziel – dieses Motto gilt wohl gerade im Fall von Griechenland. So lange verhandelt wird, so lange ist die Hoffnung auf eine Lösung noch da. Über das Ergebnis zu spekulieren, das ist wahrlich schwierig. Angela Merkel hat gerade erst wieder ihren griechischen Kollegen Alexis Tsipras getroffen. Das lässt immerhin die Vermutung zu, dass es zum Schluss einen Kompromiss geben wird. Allerdings dürfte es noch länger dauern, bis eine Lösung auf dem Tisch liegt.

Große Fragezeichen

Österreichs Bankenwelt gibt großen Anlass zur Besorgnis. An die regelmäßigen Hiobsbotschaften der Hypo Alpe Adria hat sich die Finanzwelt bereits gewöhnt. Dass die Raiffeisen-Gruppe Probleme in der Ukraine und in Russland hat, das hat sich ebenfalls schon in den Köpfen festgesetzt. Jetzt meldet sich der nächste Problemkandidat zu Wort: Der Österreichischen Volksbank AG ist das Geld ausgegangen, die Eigentümer sollen schnell eine Milliarde Euro lockermachen. Das kleine Österreich hat einfach zu viele aufgeblähte Banken, die das ganz große Rad drehen wollten. Hoffentlich geht das alles irgendwie noch gut!

Ohne Vertrauen

Deutschland hat auch ein Bankenproblem. Anlass zur Sorge gibt ein einziges Institut, die Deutsche Bank. Unter dem Dach von Deutschlands größtem Geldhaus haben sich unglaubliche Dinge abgespielt. Erst sind die Manipulationen des Libor-Zinssatzes bekannt geworden, jetzt kommt noch ein Umsatzsteuerbetrug im Zusammenhang mit Emissionsrechten dazu. Ein Skandal jagt den nächsten in der Deutschen Bank, in der kommenden Woche muss sich Vorstandschef Fitschen wegen Prozessbetrug vor Gericht verantworten. Wann hört das endlich auf? Das Vertrauen in die größte Bank des Landes ist nachdrücklich erschüttert.

Eine Runde zu früh

So richtig dürfte sich in München niemand darüber freuen: Nun müssen die Bayern schon im Halbfinale der Champions League gegen den Favoriten FC Barcelona antreten. Es wäre eigentlich die richtige Paarung für das Finale im Juni in Berlin gewesen, doch das Losglück hat Deutschlands Topklub in diesem Fall ein wenig verlassen. Spitzenfußball dürfte es in den beiden Begegnungen gegen Barcelona auf jeden Fall zu sehen geben. Und wenn die Bayern schon an diesem Wochenende vorzeitig deutscher Meister werden sollten, können sie sich gelassen und entspannt auf das Halbfinale gegen die Katalanen vorbereiten.

Leider verspricht die Vorhersage nicht das beste Wetter für das Wochenende – genießen Sie es trotzdem. Es grüßt Sie herzlich

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Keine Angst vor der Wahrheit"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%