Was vom Tage bleibt
Keine Angst vor Katar

Die Deutsche Bank bekommt einen neuen Großaktionär, der türkische Premier reist nach Deutschland. Die Rente mit 63 ist durch, russische Truppen rücken ab und der IWF kritisiert Deutschland. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Banker und Araber

Die Deutsche Bank wird arabisch. Das hört sich zunächst einmal aufregend, dramatisch und für deutsche Seelen auch etwas bedrohlich an. Einen einstelligen Milliardenbetrag will die Herrscherfamilie des Golfstaates Katar in die Hand nehmen und sich mit knapp sechs Prozent am größten deutschen Geldhaus beteiligen. Diese vergleichsweise kleine Beteiligung unterstreicht jedoch, dass der Einstieg der Araber alles andere als bedrohlich ist. Mit noch nicht einmal sechs Prozent sind die Einflussmöglichkeiten doch reichlich beschränkt. Zudem haben sich die Kataris schon bei anderen Großbanken wie der Credit Suisse und der Unicredit als verlässliche Investoren gezeigt. Fazit: Die positiven Faktoren überwiegen, weil die Deutsche Bank ihre Kapitalbasis stärken kann. Jetzt kommt das Geld zufälligerweise einmal vom Persischen Golf. Warum auch nicht?

Willkommen, Herr Erdogan

Schon seit Monaten steht der Deutschland-Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan fest. Am nächsten Samstag will er in Köln zu Landsleuten sprechen. Der Regierungschef aus Ankara kommt nicht das erste Mal nach Deutschland und hält hier Wahlkampfreden. Es ist also ein geübtes Verfahren. Auch wenn es in der Türkei innenpolitisch derzeit ziemlich hoch hergeht: Natürlich muss der Premier seine Reisepläne nicht ändern. Deutschland ist ein offenes und demokratisches Land. Warum sollten wir Herrn Erdogan von seinem Auftritt in Köln abraten?

SPD in Rente

Sozialministerin Andrea Nahles kann sich die Hände reiben. Ihr Konzept für die Rente mit 63 ist am Montag von den Spitzen der Großen Koalition abgesegnet worden. Schlimmer kann die Regierungspolitik von Union und Sozialdemokraten kaum noch werden. Vor zehn Jahren hat der SPD-Kanzler Gerhard Schröder mit seiner Agenda 2010 für grundlegende Strukturveränderungen gesorgt, von denen unser Land bis heute profitiert. Und nun kommt eine sozialdemokratische Ministerin daher und dreht das Rad wieder um. Arme SPD.

Wahl als letzter Test

In der Ukraine stehen die Zeichen auf vorsichtige Entspannung. Russland hat angekündigt, dass seine Truppen von der ukrainischen Grenze abgezogen werden. EU-Energiekommissar Oettinger und der russische Energieminister Nowak haben am Montag eine Kompromisslösung für die weitere Versorgung der Ukraine mit russischem Erdgas ausgelotet. Wenn jetzt noch die ukrainischen Präsidentschaftswahlen am kommenden Sonntag einigermaßen vernünftig und vor allem friedlich über die Bühne gehen, sollte eine Lösung langsam in greifbare Nähe rücken. An einer Verschärfung der Lage ist ziemlich offensichtlich keine der beiden Seiten interessiert.

(Schlag)löchriges Deutschland

Deutschland ist mit seinem Sparkurs ein Stückchen zu weit gegangen. Recht hat der Internationale Währungsfonds (IWF), wenn er die Berliner Regierung für ihren übertriebenen Sparwillen kritisiert. Preußisch ja, aber bitte nicht ganz so viel. In unserem Land gibt es einen Bereich, wo der Staat schnell eine ganze Menge tun könnte, nämlich bei der Infrastruktur. Straßen und Brücken zerbröseln, weil zu wenig investiert wird. Deutschland kann problemlos mehr Geld in die Infrastruktur pumpen, ohne dass damit gleich der Kurs der Haushaltssanierung verlassen würde. Finanzminister Schäuble sollte sich sehr genau ansehen, zu welchen Schlüssen der IWF gekommen ist. Manchmal helfen die Stimmen von außen.

Einen sonnigen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Keine Angst vor Katar"

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  • Ihr Kommentar:

    Etwa jenes Katar, das Söldnertruppen in aller Welt finanziert um sein streng islamistisches Modell von Welt und Herrschaft aufrecht zu erhalten?

    GZ DB: Deutsche Bank als Finanzierungsmodell für Bürgerkriege: besser gehts doch garnicht mehr für die DB...

  • Alles sehr oberflächlich. Eben mal so hingeschrieben! Bei den vielen Themen durchaus verständlich, aber trotzdem.

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