Was vom Tage bleibt: Keine neue Heimat in den Niederlanden

Was vom Tage bleibt
Keine neue Heimat in den Niederlanden

Ex-Telekom-Chef Obermann ist vorerst arbeitslos, in München sitzt ein ganzer Bankvorstand auf der Anklagebank. Der Lanxess-Chef geht, Opel hat hohen Besuch und die Bundesbank lässt aufhorchen. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Auf Jobsuche

Pech für René Obermann: Eigentlich wollte der frühere Telekom-Chef zum niederländischen Kabelnetzbetreiber Ziggo wechseln. Etwas ruhiger und kleiner als bei der Telekom sollte es werden, mit viel mehr direktem Draht zum Kunden. Aber Chef wollte Obermann auf jeden Fall auch in den Niederlanden bleiben, mit einem unteren Rang gibt er sich dann doch nicht zufrieden. Jetzt wird alles anders. Ausgerechnet der alte Telekom-Konkurrent Liberty Media kauft Ziggo, Obermann würde Liberty-Boss John Malone als Überboss bekommen. Da mag dann auch Obermann nicht mehr und verzichtet lieber auf den Ziggo-Posten. Wo wird Obermann demnächst auftauchen? Alles ist möglich. Warum nicht bei der Lufthansa? Dann dürfte es allerdings nicht ruhiger und kleiner werden.

Auf der Anklagebank

In München hat der große Prozess gegen den ehemaligen BayernLB-Vorstand begonnen. Untreue werfen die Staatsanwälte den Bankmanagern vor, weil sie vor sieben Jahren beim Kauf der maroden Hypo Alpe Adria aus Österreich viel zu viel Geld auf den Tisch gelegt hätten. Die früheren BayernLB-Bosse stehen stellvertretend für eine ganze Bankergeneration vor dem Richter. Anfang 2007 sprach niemand von einer Finanzkrise, die Welt schien insbesondere den deutschen Landesbankern zu Füßen zu liegen. Deshalb dürfte es den Staatsanwälten schwer fallen, den Ex-BayernLB-Chefs eine individuelle Schuld nachzuweisen. Aber manchmal gibt es auch Überraschungen vor Gericht – und die Bankmanager werden doch verurteilt.

Keine Gnade

Axel Heitmann hat zehn Jahre an der Spitze des Chemie-Konzerns Lanxess gestanden. Unter Deutschlands Top-Managern ist das eine echte Ausnahme, kaum jemand hält es so lange in der Top-Position eines Unternehmens aus. Aber nun hat es auch Axel Heitmann erwischt, er muss gehen. Kein Dank für die geleistete Aufbauarbeit, die Heitmann für Lanxess nach der Abspaltung vom Bayer-Konzern geleistet hat. Abruptes Ende, Bruch, Rausschmiss. Es zählen nur die aktuellen Zahlen, und die sind schlecht. Und deshalb muss jetzt auch Axel Heitmann gehen.

Neues Vertrauen?

Das sind völlig neue Töne aus Detroit. „Opel ist ein lebenswichtiger Teil unseres Unternehmen“, sagte die neue General-Motors-Chefin Mary Barra am Montag beim Antrittsbesuch in der Rüsselsheimer Zentrale der deutschen GM-Tochter. Aber können wir das glauben? Zur Erinnerung: Vor ein paar Jahren stand General Motors noch kurz vor dem Verkauf von Opel an den kanadischen Magna-Konzern. Das relativiert die Worte von Mary Barra doch ziemlich deutlich. Richtig glauben mag sie also noch niemand. Für ein echtes Bekenntnis zu Opel muss General Motors viel mehr tun.

Wessen Schulden?

Die Bundesbank hat sich mit einem interessanten Vorschlag zur Rettung maroder Geldhäuser aus der Deckung gewagt. Sie schlägt vor, dass zunächst einmal die eigenen nationalen Regierungen für die Sanierung ihrer nationalen Kreditinstitute verantwortlich sind – und nicht die gesamte Euro-Zone. Das Geld dafür könnte etwa über eine nationale Vermögensabgabe aufgebracht werden. Dieser Vorschlag setzt also auf die Eigenverantwortung der Euro-Mitgliedsländer, die Bundesbank spricht sich damit gegen eine Vergemeinschaftung von (Banken-)Schulden aus. Diese Idee geht grundsätzlich in Ordnung, entspricht aber nicht mehr ganz der Realität. Mit dem Start des Euro haben wir einen gemeinsamen Währungsraum bekommen. Und das heißt, dass es auch eine gemeinsame Verantwortung gibt. Wenn es einem Mitgliedsland schlecht geht, dann ist auch Solidarität gefragt.

Einen schönen Abend wünscht herzlichst Ihr

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Keine neue Heimat in den Niederlanden"

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  • Die Bundesbank Verlautbarung bestätigt nur nochmal, dass die Intention des IWF (der IWF hatte das bereits vor einiger Zeit vorgeschlagen) offensichtlich auch Anklang gefunden hat. Daher nehme sich in Acht, wer noch Geld hat...

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