Was vom Tage bleibt: Keine Zuwanderung, kein Geld

Was vom Tage bleibt
Keine Zuwanderung, kein Geld

Brüssel stoppt Forschungsgeld für unbeugsame Schweizer. Berlin ist im Fall Edathy außer Atem. Kunstfreund Gurlitt will in Frieden seine Bilder betrachten. Und beim HSV tritt der halbe Aufsichtsrat ab. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Sandkastenspiele

Nach dem Referendum gegen Zuwanderung in der Schweiz hat die Europäische Union die Verhandlungen über zwei Abkommen auf Eis gelegt. Die Gespräche über eine Beteiligung der Schweiz am Forschungsprogramm Horizon 2020 und dem Studentenaustauschprogramm Erasmus Plus seien ausgesetzt worden, teilte die EU-Kommission mit. Damit könnte der Schweiz EU-Geld für Forschung und Bildung entgehen. Anlass ist die jüngste Ankündigung unserer Nachbarn, dem neuen EU-Mitgliedsland Kroatien wegen des Zuwanderer-Referendums ein Arbeitsmarktabkommen zu verweigern. Wir und die Schweizer: Irgendwie sieht das inzwischen aus wie zwei Kinder im Sandkasten, die sich gegenseitig ihre Burg kaputtmachen.

Berlin: Atemlos

„Das politische Berlin“ zitieren Journalisten immer dann gern, wenn es für eine Geschichte so viele Quellen gibt, dass es unübersichtlich wird. „Das politische Berlin“ wird dann stets als „atemlos“ beschrieben und heute war so ein Tag: In der Affäre Edathy sinnt die CSU auf Rache, weil ihr Minister gehen musste. Formal hat sie die Lücke, die Friedrich als zurückgetretener Landwirtschaftsminister hinterlassen hat, mit einem Staatssekretär namens Christian Schmidt geschlossen, von dem vor allem bekannt ist, dass er Protestant und Franke ist, was erstmal als Qualifikation genügen muss. Inhaltlich fordert die CSU den Kopf von SPD Fraktionschef Thomas Oppermann, dem allerdings Parteichef Sigmar Gabriel demonstrativ den Rücken stärkt. Damit dürfte sich die Sache irgendwann totlaufen. Ergebnis: Wir haben eine SPD, die offenbar besser die Führung eines Call Centers als die einer Regierung anstreben sollte, und eine Kanzlerin, die durchs Sich-Raushalten nicht wirklich glänzt.

„Ich wollte mit meinen Bildern leben“

Wenn Sie Stephan Holzinger kennen, liegt das vermutlich nicht daran, dass er Mitglied im Aufsichtsrat der Rhön-Kliniken ist, sondern vielleicht eher daran, dass er als Co-Autor des Buchs „Im Namen der Öffentlichkeit“ auftritt. Darin geht es um Krisen-PR und als solch ein Krisenberater hat Holzinger jetzt seinen bisher heißesten Job: Nein, nicht der ADAC, sondern Cornelius Gurlitt heißt sein neuester Klient. Der Kunstsammler, der zunächst seinen Fall allein vortrug, hat sich Hilfe geholt, um seine beschlagnahmten Bilder zurückzubekommen. Die Helfer sind Anwälte und eben auch Herr Holzinger. Ihre erste Tat ist eine Homepage, die alles aus ihrer Sicht wichtige über den Fall Gurlitt veröffentlicht. Dort findet sich eine Eingangsbemerkung des Kunstfreunds. Darin steht: „So viel ist in den vergangenen Wochen und Monaten passiert und passiert noch immer. Ich habe nur mit meinen Bildern leben wollen, in Frieden und in Ruhe.“ Daraus wird sobald nichts, denn offenbar plädiert Holzinger eher für Krieg und Lärm, sonst gäbe es die Homepage nicht.

Der Bischof und seine Kinder

Der beurlaubte Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst soll möglicherweise Stiftungsgelder in Millionenhöhe für seinen neuen Bischofssitz zweckentfremdet haben. Dem Bischof wird laut Zeitungsberichten vorgeworfen, zur Verschleierung der Kosten Rechnungen für den Bau mit Stiftungsgeld des St. Georgswerkes bezahlt zu haben, das für arme, kinderreiche Familien bestimmt war. Falls da etwas dran ist, hilft nur, aus dem Bischofssitz eine feine Heimstatt für kinderreiche Familien zu machen.

Aufstand bei den Schmuddelkindern

Nicht die Ersten, die Klassenbesten, die Streber sind interessant, sondern als Geschichte geben meist die letzten, die Beinahe-schon-Gefallenen, die Schmuddelkinder etwas her. Beim Fußball ist das derzeit der Hamburger Sportverein – der einzige Laden der ersten Liga, der Gründungsmitglied und noch nie rausgeflogen ist. Damit die Kontinuität vielleicht doch gerade noch gewahrt bleiben kann, hat der Tabellenvorletzte jetzt Mirko Slomka als neuen Trainer verpflichtet – was die Hälfte der Aufsichtsratsmitglieder mit ihrem Rücktritt quittierte. Ganz offensichtlich ist derzeit nicht nur die Mannschaft auf dem Feld, sondern auch die in der VIP-Lounge eine Gurkentruppe.

Einen sportlichen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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  • Herr Stock, bitte schreiben Sie doch einen Artikel über die Kursverluste beim Gold seit Beginn des Jahres. Außerdem vermisse ich das Erwähnen der Kursverluste bei Gold- und Silberminenaktien. Des Weiteren die Warnung vor der ganz schlimmen Deflation.

  • Man sieht immer wieder das gestoerte Verhaeltnis zur Demokratie von den ZKs in Bruessel und Berlin.

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