Was vom Tage bleibt
Kernschmelze beim Kernwert

Die Deutsche Bank bezeichnet Integrität als Kernwert und zahlt Strafe, weil sie das zwischendurch vergaß. Das Tief an der Börse lässt die Herzen höher schlagen. Und der Wetterdienst bekommt Konkurrenz. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Kernwerte in Gefahr

Die gute Nachricht zuerst: Die Unsicherheit ist vorüber. 725 Millionen Euro muss die Deutsche Bank dafür zahlen, dass ihre Händler marktbestimmende Zinssätze zu ihren Gunsten manipulierten. Damit sind wir auch schon bei der schlechten Nachricht: Die Deutsche Bank hängt am tiefsten drin. Kein anderes der fünf weiteren betroffenen Geldhäuser hat eine derart saftige Strafe aufgebrummt bekommen. Dass diejenigen, die in Amt und Würden waren, als die kriminellen Machenschaften über die Bühne gingen, die gleichen sind, die heute erneut wieder die „Integrität als Kernwert“ bezeichnen, macht die Bank nicht glaubwürdiger. Anshu Jain und Jürgen Fitschen können auf Verdrängen und Vergessen setzen. Wer ein Gedächtnis hat, kann den beiden ihre Rolle als Gallionsfiguren des Kulturwandels nicht wirklich abnehmen.

Das fröhliche Börsentief

Wenn Anleger auf Nummer sicher gehen, bedeutet das an der Börse: fallende Kurse. Vor der Ratssitzung mit Mario Draghi morgen und bevor möglicherweise gute US-Arbeitsmarktzahlen am Freitag bekannt werden, gehen Anleger auf Nummer sicher und die Kurse purzeln. Die Investoren glauben, dass zumindest die US-Notenbank das Feuer, das sie mit billigem Geld entfacht hat, langsam anfangen wird zu löschen. Sie hätte dazu Grund, wenn die Zahlen wirklich gut sind. Insofern stünden fallende Kurse in Wirklichkeit für eine Gesundung der Geldpolitik – es gab also noch selten so viel Grund, sich über ein Börsentief zu freuen.

Polen willkommen

Polen verhandelt über einen Einstieg beim europäischen Rüstungs-, Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Zu den bisherigen Eigentümern gehören auch die französische, deutsche und spanische Regierung. Frankreich hat seine Anteile von 15 auf zwölf Prozent reduziert und damit sein Veto-Recht bei strategischen Entscheidungen verloren. Deutschland hält ebenfalls zwölf Prozent an EADS, Spanien hält vier Prozent. Die Polen sind bekanntlich praktische Leute. Dass Drohnen am Ende nicht fliegen, wird mit ihnen an Bord deutlich unwahrscheinlicher.

Konkurrenz für den Wetterdienst

Norddeutschland wartet auf „Xaver“, so heißt das Orkantief, das den Verkehr und einiges mehr von morgen an lahm legen könnte. Die Vorboten von „Xaver“ spürten heute bereits die Händler an der Strombörse in Leipzig: Weil das Angebot an Wind stark steigen wird, sind die Strompreise stark gefallen. Die Windturbinen werden in den kommenden Tagen drei bis vier mal so viel Energie produzieren wie normalerweise. Der Preis für eine Megawattstunde Strom fiel deshalb prompt um 40 Prozent. Die Börse macht damit den Meteorologen Konkurrenz. Wenn Sie wissen wollen, ob es stürmt oder die Sonne scheint, können sie zuverlässig bei der Strombörse nachschlagen. Der Wetterdienst hat ausgedient.

Spaß mit Mittelstand

„Wir sehen uns öfter als unsere Ehefrauen“, sagt Franz-Peter Falke über seinen Vetter Paul. Die beiden führen Deutschlands erfolgreichsten gleichnamigen Sockenladen. Und Sätze dieser Art erzählen sie gern - wie so viele Mittelständler, die wir besuchen. Diese Sätze, die so ganz anders klingen, als die geschliffenen und gekneteten Aussagen unserer Dax-Firmen-Chefs sind ein Grund, weswegen uns die Besuche und Berichte über Deutschlands Mittelstand so viel Spaß machen. Der andere: Der Mittelstand ist der einzig wirklich nachwachsende Rohstoff, den Deutschland hat. Schön, dass wir ihn haben.

In der Hoffnung, dass Sie die sehen, die Sie sehen wollen, wünsche ich Ihnen einen schönen Abend

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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