Was vom Tage bleibt: Kredit zum Niedrigstzins? Nicht nur für Wulff!

Was vom Tage bleibt
Kredit zum Niedrigstzins? Nicht nur für Wulff!

Es klingt fast wie im Märchen: Sich Geld leihen - und dafür sogar noch eine Prämie kassieren. Das kann nur die Bundesschuldenverwaltung. Für viele andere hatten Geldgeschäfte weniger angenehme Folgen.
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Wunderschönen guten Abend,

davon kann selbst der in Kreditfragen geschickt verhandelnde Christian Wulff noch etwas lernen.

Deutschland leiht sich Geld zu negativem Zins

Die verzweifelte Suche der Anleger nach Sicherheit an den Märkten treibt mittlerweile skurrile Blüten. Während viele Investoren Schuldenstaaten insbesondere aus Südeuropa zu keinem Preis mehr Anleihen abnehmen wollen, verzichten sie für deutsche Anleihen sogar gänzlich auf Rendite. Bei der Versteigerung von Geldmarktpapieren mit einer Laufzeit von sechs Monaten am Montag lag die durchschnittliche Rendite bei minus 0,0122 Prozent - das gab es bei der Emission einer deutschen Staatsanleihe noch nie. Das zeigt: Die Märkte erwarten, dass die Schuldenkrise sich noch mehr zuspitzt, das Vertrauen ist gering, dass die Politik das Desaster in den Griff bekommt.

Wulff hat keine Angst vor der Mailbox

Gegen den öffentlichen Vertrauensverlust kämpft auch Bundespräsident Wulff weiter tapfer an. Er lässt verbreiten, dass er keine Probleme damit hätte, wenn die Bild-Zeitung die Mitteilung veröffentlicht, die er auf der Mailbox von Chefredakteur Kai Diekmann hinterlassen hat. Einen Persil-Schein stellt er dem Blatt aber natürlich nicht aus: Es müsse die Entscheidung selbst fällen und verantworten. Mit diesen Spitzfindigkeiten entfernt er sich immer weiter von seinem Volk. Nach einer heute veröffentlichten Umfrage fühlen sich 55 Prozent der Deutschen von ihm nicht mehr gut vertreten. Ein verheerender Wert. Da hilft auch die Charmoffensive seiner Gattin nichts mehr. Sie erschien mutig beim Neujahrsempfang der Springer-Zeitung "Hamburger Abendblatt" - und versuchte die Probleme wegzulächeln.

Schweizer Notenbankpräsident gibt auf

Welche Konsequenzen man auch aus einer Affäre und dem daraus folgenden Vertrauensverlust ziehen kann, zeigte heute eindrucksvoll der Schweizer Notenbankpräsident Philipp Hildebrand. Ähnlich wie bei Wulff gab es auch bei ihm den Anschein, er habe sich aus seinem Amt persönliche Vorteile verschafft. Hildebrands Ehefrau hatte im August Dollar gekauft. Wenig später sorgte ein Eingriff der Notenbank für eine sprunghafte Aufwertung der US-Währung zum Schweizer Franken - was dafür sorgte, dass die Transaktion profitabel war. Genau wie Wulff hat sich Hildebrand rein rechtlich betrachtet wohl nichts zu Schulden kommen lassen. Aber weil er merkt, dass er nicht mehr die volle Integrität hat, sagt er: "Mein Wort reicht nicht. Und das würde meine Amtsführung in einer Zeit belasten, in der es die totale Konzentration auf das Amt braucht." Auch daraus könnte Wulff etwas lernen.

Schwere Zeiten für Investmentbanker

Nicht nur einen Vertrauensverlust, sondern ganz reale Einbußen drohen vielen Top-Bankern an der Wallstreet. Die Investmentbank Goldman Sachs wolle vielen der rund 400 bei ihr beschäftigten Partnern die Bezüge für das vergangene Jahr um mindestens die Hälfte kürzen, schreibt das „Wall Street Journal Europe“. Bei Morgan Stanley müssten Investmentbanker und Händler mit Einbußen von 30 bis 40 Prozent rechnen. es ist noch nicht lange her, da fühlten sich die Investmentbanker als "Masters of the Universe". Jetzt müssen sie wohl schon froh sein, wenn sie überhaupt noch ihren Job behalten.

Datenklau über Facebook

Auch Facebook muss aufpassen, dass es bei den Nutzern keinen Kredit verspielt. Wie jetzt bekannt wurde hat ein Computer-Wurm die soziale Plattform benutzt, um sich zu verbreiten. Weltweit hat der Ramnit-Wurm bereits Anmeldedaten zu über 45.000 Facebook-Konten gesammelt. Facebook hat die Nutzer nun kontaktiert, um einen Missbrauch der Daten zu verhindern. Komisch nur: Der Wurm treibt schon seit 2010 sein Unwesen in dem sozialen Netzwerk. Da hat Facebook offenbar geschlafen - oder aber gehofft, das Problem aussitzen zu können. Daran sollte sich Wulff besser kein Beispiel nehmen.

Was fehlt? Wahrscheinlich noch der eine oder andere Kollege von Ihnen, der heute auf der Arbeit erscheinen sollte. Ein Schneechaos hat Teile der österreichischen Alpen von der Außenwelt abgeschnitten. Kann man sich in der winterfreien Zone Deutschland kaum noch vorstellen.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Feierabend,

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

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