Was vom Tage bleibt: Kuschelkurs statt Kavallerie

Was vom Tage bleibt
Kuschelkurs statt Kavallerie

Steinbrück und Hollande leiden gemeinsam, Sparer haben kein Vertrauen mehr in die Regierung, Facebook fordert die Seele seiner Kunden und ein Aktienhändler schwebt über das Parkett. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Klartext nicht gefragt

Da haben sich nicht gerade die Gewinnertypen getroffen. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, dessen Umfragewerte auf gerade mal 32 Prozent abgestürzt sind, warb nach einem Besuch in Paris um Verständnis für den französischen Regierungschef Francois Hollande, der auf nur noch 27 Prozent Zustimmung in der Bevölkerung kommt. Kuschelkurs statt Klartext: Der frühere Agenda-Verfechter Steinbrück kämpft jetzt ja ähnlich wie Hollande für die soziale Gerechtigkeit. Das ist eine interessante Wende. Wenn man Steinbrück an seinen früheren Äußerungen misst, hätte er angesichts der prominenten Steuerhinterzieher in der französischen Regierung doch eher mit der Kavallerie in Paris einrücken müssen.

Vertrauen verloren

In Zypern liegen die Nerven blank. Gerüchte über weitere Abgaben auf Bankeinlagen reichten aus, dass sich heute wieder lange Schlangen vor den Geldhäusern bildeten. Doch der Vertrauensschaden, den die dilettantischen Versuche der Politik, die Krise in Zypern in den Griff zu bekommen angerichtet haben, reicht weit über das kleine Land hinaus. Nach einer Umfrage, die das Handelsblatt beim Marktforschungsinstitut Forsa in Auftrag gegeben hat, hält nicht einmal mehr ein Drittel der Deutschen das Sparbuch noch für eine verlässliche Geldanlage.

Die Seele verkauft

So sehr die Bürger mittlerweile dem Staat misstrauen, so leichtfertig vertrauen viele auf der anderen Seite den großen Technologiekonzernen. Wer die jetzt von Facebook vorgestellte neue App „Home“ nutzt, der verkauft dem Unternehmen nicht weniger als die Seele seines Handys, wie Gründer Marc Zuckerberg selber einräumte. Die neue Anwendung kapert das Smartphone komplett, macht den Nutzer endgültig transparent. Was mit den Daten geschieht, die das Unternehmen von den Kunden einsammelt, bleibt dagegen nebulös. Es steht zu befürchten, dass selbst Bürger, die sich selber als mündig bezeichnen würden, diesen Wahnsinn mitmachen.

Teurer Apple

Was haben alle über den neuen Berliner Flughafen gespottet. Ist ja wieder typisch, dass deutsche Behörden bei Großprojekten weder Zeit noch Kosten im Griff haben. Doch wie es jetzt aussieht, macht es der angesehene US-Konzern Apple auch nicht viel besser. Das neue Headquarter des Unternehmens in Cupertino wird nicht nur mindestens ein Jahr später fertig als geplant, es wird auch zwei Milliarden Dollar teurer, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg jetzt herausgefunden hat. Aber bei den Mondpreisen, die Apple für seine iPhones und iPads verlangen kann, ist das wohl finanziell zu verschmerzen. Wenn etwas Kult ist, spielen Kosten eben keine Rolle.

Was fehlt? Aktienhändler Joachim Llambi, besser bekannt als Juror der Fernsehshow „Let's dance“, hat mit meiner Kollegin Katharina Schneider ein Tänzchen auf dem Frankfurter Börsenparkett gewagt. Ein Video davon, in dem er nebenbei auch viel Kluges über Geld sagt, finden Sie auf Handelsblatt Online. Besser leichtfüßig als leichtfertig.

Ich wünsche Ihnen ein beschwingtes Wochenende.

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Kuschelkurs statt Kavallerie"

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  • @Florian Kolf

    "Diskutieren Sie mit dem Autor auf Facebook"
    ---------------------------------------------
    Nein, das tue ich nicht. Wie Sie selbst schon weiter oben zu Recht andeuten, ist Facebook etwas für leichtgläubige, dusselige Teenies.
    Facebook - nicht die CIA - ist das, was Orwell vorausschauend gemeint haben dürfte.

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