Was vom Tage bleibt
Leistung oder Leidenschaft?

Bei der Deutschen Bank haben sich plötzlich alle lieb, dem neuen EADS-Verwaltungsratschef ist Liebe offenbar wichtiger als das Geschäft und New Yorker sollen künftig weniger trinken. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Harmoniesoße bei der Deutschen Bank

Zum Abschied sah es dann noch mal so aus, als hätten sich alle furchtbar lieb: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann posierte lächelnd mit seinen Nachfolgern Anshu Jain und Jürgen Fitschen für die Fotografen, Aufsichtsratschef Clemens Börsig dankt Ackermann für seine Arbeit, die Aktionäre klatschen. War da nicht was? Schlammschlacht im Vorstand, Kritik am schwachen Aktienkurs, Prozesse in Serie? Alles mit Harmoniesoße zugekleistert bei der Hauptversammlung. Doch ab morgen ist wieder Schluss mit lustig. Dann müssen Fitschen und Jain Ackermanns Altlasten abarbeiten.

Skandal bei EADS

Bei Luftfahrtkonzern EADS wurde dagegen nicht mal der Schein gewahrt. Der umstrittene neue Verwaltungsratschef Arnaud Lagardère fehlte einfach ohne Angabe von Gründen bei der Hauptversammlung. Doch der eigentliche Skandal ist nicht sein Fehlen, sondern dass solch ein windiger Lebemann künftig einen der wichtigsten europäischen Konzerne führen soll. War er doch zuletzt eher durch seine leidenschaftliche Liaison mit einem 30 Jahre jüngeren Model und anzüglichen Internetvideos aufgefallen als durch geschäftliche Erfolge. Hätte ich EADS-Aktien, ich würde sie verkaufen.

Schaffen statt erben

Deutschland, ein Land der reichen Erben: Künftig wird bereits mehr als jede fünfte Erbschaft einen Wert von über 100.000 Euro haben, ergab eine heute veröffentlichte Umfrage der Postbank. Da kann man die Forderungen vieler Experten, der wachsende Ungleichheit zwischen Einkommen und Vermögen durch eine Reform der Erbschaftsteuer entgegenzuwirken, gut verstehen. Die Arbeit muss sich lohnen und nicht das Vererben großer Vermögen. Davon profitiert dann die gesamte Volkswirtschaft.

VW schafft neue Jobs

Die rund 102.000 Tarifbeschäftigten bei Volkswagen bekommen vom 1. Juni an 4,3 Prozent mehr Geld. Das ist kaum höher als das Niveau des Flächentarifs der Metaller - und das trotz des außergewöhnlichen wirtschaftlichen Erfolgs des Autoherstellers. Dieser beispielhafte Abschluss mit Augenmaß kommt den Leiharbeitern zugute. Denn bis zu 3000 von ihnen sollen bis Mitte 2013 fest eingestellt werden. Das wäre doch ein schöner Slogan für VW: "Leistung, die Arbeitsplätze schafft."

Was fehlt? Auch die New Yorker sollen künftig das Maßhalten lernen. Bürgermeister Michael Bloomberg will die Riesenbecher mit Cola oder Zuckerlimonade verbieten, um die Fettleibigkeit zu bekämpfen. Eine absurde Maßnahme. Solange die Menschen nicht wirklich begriffen haben, was gesundes Essen und Trinken bedeutet, werden sie einfach einen zweiten Becher nehmen. Das kann ihnen auch Bloomberg nicht verbieten.

Ich wünsche Ihnen einen gesunden Feierabend,

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

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