Was vom Tage bleibt
Lernen von der Pleite der Anderen

IVG rüttelt eine Branche wach, die Banken müssen weiter kräftig abspecken. General Motors überlegt schon wieder einen Verkauf, und Blackberry gibt endgültig auf. Die SPD nur fast. Der Tag im Rückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

IVG, ein Beispiel für die Branche

Die deutsche Immobilienbranche gilt im internationalen Vergleich eigentlich als ziemlich vernünftig. Die ganz großen Exzesse hat es in den USA, in Irland und in Spanien gegeben, angefeuert durch die ziemlich hemmungslose Hypothekenvergabe der Banken. Der Grund für diese augenscheinliche deutsche Vernunft: Die blutigen Nasen, die sich die Branche in den ersten Jahren nach der deutschen Einheit geholt hatte. Das, was in den 90er-Jahren in Ostdeutschland passiert ist, war alles andere als vernünftig. In der Goldgräberstimmung von damals hat es in der Tat viele Exzesse gegeben. Die Immobilienbranche zehrt bis heute von diesen leidigen Erfahrungen und agiert eigentlich vernünftig. Allerdings gibt es Ausnahmen, wie der IVG-Konzern zeigt. Leider hat in diesem Fall wieder einmal der Größenwahn regiert. Heute ist der Kurs der Aktie eingebrochen, nachdem die Gläubiger sich am Wochenende auf einen Sanierungsplan geeinigt hatten – zum Schaden der Aktionäre. Das Beispiel der IVG sollte ein neuerlicher Warnschuss für die gesamte Branche sein. Wer das Gefühl für die Realität verliert, der erleidet schnell Schiffbruch.

Banken mit ziemlich viel Luft

Realitätssinn zieht zum Glück bei den Banken ein. Seit dem Beginn der Finanzkrise haben die Kreditinstitute in Europa etwa 20.000 unrentable Filialen geschlossen. Diese Entwicklung zeigt, wie viel Luft in dieser gewaltigen Finanzblase steckt. In der Zeit vor der Krise ist ein riesiger Apparat entstanden, den niemand in dieser Form tatsächlich braucht. Außer vielleicht die Bankmanager, die damit Macht und Größe demonstrieren wollen. Wahrscheinlich steckt in der Bankenbranche immer noch Luft und weitere Filialen sind verzichtbar. Noch mehr Realitätssinn dürfte der Kreditbranche jedenfalls nicht schaden.

Bye, bye General Motors

Fast hätte General Motors vor ein paar Jahren seine deutsche Tochter Opel verkauft. Die Verträge waren schon beinahe unterschriftsreif, viel hat nicht mehr gefehlt. Was in Europa nicht funktioniert hat, könnte jetzt aber in Südkorea Realität werden. Dort hat General Motors mit dem früher eigenständigen Hersteller Daewoo ebenfalls eine starke Tochter übernommen. Und genau von dieser Tochter wird sich GM jetzt möglicherweise wieder verabschieden, im Konzern gibt es dazu jedenfalls die ersten Überlegungen. Die Koreaner sollten sich den Fall Opel aber genau ansehen. Als Beispiel dafür, dass der US-Konzern Angst vor der eigenen Courage bekommen könnte und einen Verkauf später doch wieder abbläst.

Alles viel zu spät

Jetzt also doch: Blackberry prüft den eigenen Verkauf und die Preisgabe der Selbstständigkeit. Endlich wird der kanadische Hersteller vernünftig und erkennt die Realität an. Blackberry war einmal ein starkes und innovatives Unternehmen, das die Smartphone-Branche vorangetrieben hat. Doch leider ist den Kanadiern irgendwann einmal die Puste ausgegangen, was jetzt zu den logischen Konsequenzen führt. Apple oder Samsung haben es einfach besser gemacht, und deshalb bleibt für Blackberry heute kein Platz mehr.

SPD auf der Suche

Die SPD ringt um ihren Platz in einer künftigen Regierung in Berlin. Allzu gut sieht es für die Sozialdemokraten allerdings nicht aus, der Zug für eine rot-grüne Koalition könnte jedenfalls schon abgefahren sein. Deshalb ist es nur logisch, dass die Gerüchteküche in der Hauptstadt gehörig brodelt. Wenn SPD-Parteichef Gabriel schon kurz nach der Wahl einen Parteikonvent einberufen will, dann könnte das ein Indiz dafür sein, dass die Sozialdemokraten vielleicht doch die Linke in ein Regierungsbündnis aufnehmen möchten. Eines steht auf jeden Fall fest: Vor der Wahl im September wird das nicht das letzte Gerücht aus Berlin sein.

Einen ganz entspannten Abend ohne ungeklärte Spekulationen wünscht

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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