Was vom Tage bleibt
Liberté, Égalité, Fraternité

Wir sind nicht an Tag eins nach dem Anschlag, sondern an Tag zwei des Anschlags. Wir müssen uns entscheiden, wofür wir stehen. So ist der Anschlag von Paris auch heute das, was vom Tage bleibt.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der Tag danach

Eigentlich ein Tag zum Aufräumen, doch der Anschlag von Paris ist nicht vorbei. Die Polizei macht ihren Job, die Täter haben Spuren hinterlassen, was nicht für ihre Professionalität spricht. Europa sortiert sich und bleibt doch diffus. In Deutschland wollen Demonstranten und Gegendemonstranten auf die Straße, wer wofür oder wogegen ist nicht recht klar. In Frankreich hat es dagegen eine Demonstration gegeben, die von Jung und Alt, rechts bis links, französisch oder nicht, besucht wurde. Die Trauer hat die Menschen vereint. Auch Deutschland sollte geschlossen demonstrieren. Nicht gegen Islamismus, sondern für die Freiheit. Liberté, Égalité, Fraternité wäre ein geeignetes Motto.

Exportschlager in Sicht

Es fällt schwer an diesem Tag, sich anderen Themen zu widmen. Eine knappe Handvoll gibt es. Griechenland zum Beispiel hat Banken, die wiederum Sparer zu ihren Kunden zählen, die sich angesichts eines möglichen Schuldenschnitts um ihre Guthaben sorgen. Deswegen heben sie Geld ab wie Kartenspieler nach dem Mischen. Wenn das so weiter geht, wird Deutschland wieder mit einem beliebten Exportschlager eine Lufthansa-Maschine befüllen müssen: Geld. Bar, in großen Scheinen. Das letzte Mal ist so eine Maschine auf Zypern gelandet.

Konjunkturturbo

Der Euro ist heute unter seine Erstnotiz im Vergleich zum Dollar gefallen und hat damit das Ziel der EZB-Geldpolitik erfüllt. Das kränkt vielleicht unseren Stolz, ist aber ein Konjunkturturbo für Unternehmen. Die USA haben die vergangenen fünf Jahre auf diese Weise überwintert. Sichtbare Schäden haben sie nicht davon getragen.

Fusion im Kinderzimmer

An Tagen wie diesen sehnen wir uns nach Überschaubarkeit. Nach einer Überschaubarkeit, wie sie in unseren Kinderzimmern herrschte. Auf dem Regal standen die Puzzles, auf dem Fußboden die Holzeisenbahn. Beides kommt künftig aus einem Haus, weil Ravensburger Brio gekauft hat. Unsere Kinderzimmer werden immer überschaubarer.

Einen friedlichen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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