Was vom Tage bleibt
Liebe EU, so geht es nicht weiter

Die vorläufige Euro-Rettung offenbart gnadenlos die Schwächen der EU. Merkel adelt eine Youtube-Sendung. Baselitz macht sich einen schlanken Fuß. Was heute geschah, lesen Sie hier.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Stempel und Stier

Sparen, sparen, sparen soll Griechenland also. Es kann sein, dass die deutsche Regierungschefin Europa ihren Stempel aufdrückt. Ganz sicher ist es aber so, dass vorher die griechische Regierung wie eine Horde wilder Stiere durch Europa getrampelt ist. Egal jedoch, ob Stempel oder Stiere – Europa ist dadurch nicht näher zusammengerückt. Schonungslos hat die griechische Krise die Schwächen der EU aufgedeckt. Wenn die Einigung von heute morgen zu etwas gut ist, dann nicht, um Griechenland auf Teufel komm raus im Euro zu halten, sondern weil die letzte Nacht die bleibende Erkenntnis hervorgebracht hat, dass eine einheitliche Währung ohne einheitliche Voraussetzung zum Scheitern verurteilt ist.

Alternative zur Alternative

Die Griechen streiten, ob sie mit den Ergebnissen leben wollen. Die Deutschen streiten, ob sie sich in Anbetracht der Gipfelergebnisse gut regiert fühlen. Linken-Chefin Sahra Wagenknecht weiß: „Die neuen ,Hilfspakete' dienen wieder nur der Zahlung alter Schulden mit neuen Schulden und der Stützung der griechischen Banken.“ Und der abgewählte und ausgetretene ehemalige Chef der Alternative für Deutschland, Bernd Lucke, sieht die Chance für einen neuen Anlauf für sich selbst. Er ist sich sicher: „Wir gehen jetzt voll in eine Transferunion hinein“. Es sei daher eine Partei nötig, „die das kritisch begleitet“. Die Alternative zu einer Alternative für Deutschland nimmt seit heute Formen an.

Früher Tod

Philipp Mißfelder ist tot und das ist eine besonders schmerzliche Nachricht. Mißfelder, Außenpolitiker der CDU, jahrelanger Chef der Jungen Union, wurde nur 35 Jahre alt. Er starb an einer Lungenembolie. Seine Frau und seine beiden kleinen Kinder müssen ohne ihn klarkommen. Alles, was an Lebensalter hinter einem liegt, hält der Tod in den Händen. Bei Mißfelder ist es wenig, was er festhält.

Servus Kreuth

Die CSU begräbt einen Mythos: Weil die von den Eigentümern des Adelshauses Wittelsbach geforderte Pacht für das von der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung betriebene Bildungszentrum Wildbad Kreuth zu hoch sei, will die Partei was neues finden. Ab 2017 sucht der Geist von Kreuth eine neue Flasche.

Merkel on Youtube

Der Blogger LeFloyd interviewt Angela Merkel. Zu bewundern auf Youtube. Das werden sich mehr jüngere Menschen ansehen als die Tagesschau. Für Merkel gilt damit das Gleiche wie für das Handelsblatt: Wir wollen da sein, wo unsere Zuschauer oder eben Leser sind.


Pluto ganz nah

Das unbemannte Raumschiff New Horizon fliegt nach neun Jahren Flugzeit gerade am Planeten Pluto vorbei. Es kommt ihm so nahe, wie nichts von Menschen Gebautes zuvor. Die ersten Bilder von Pluto lassen Wissenschaftler jubeln. Das klingt so: „Das ist eine komplexe Welt, die nach Entdeckung schreit.“ Ob Kolumbus einst eigentlich auch Indianerschreie nach der Entdeckung von Amerika vernommen hat?

Baselitz macht sich rar

Der Maler Georg Baselitz will zehn seiner Dauerleihgaben aus dem Dresdner Albertinum abziehen. Er protestiert damit gegen eine Gesetzesänderung, die den Kunsthandel mit dem Ausland erschwert. Das Ziel: Die Kunst soll hierbleiben. Mit der Kunst ist es wie mit der Liebe: Wenn man ihre Werke zu eng an sich drückt, fliehen sie.

Einen liebevollen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Liebe EU, so geht es nicht weiter"

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  • @ Thomas Albers:

    Sie haben völlig recht.

  • Kraut Funding wird jeden Tag popullaerer!

  • "Es sei daher eine Partei nötig, „die das kritisch begleitet“. "

    Nur: Was will man dann mit Lucke? Er war nicht einmal kritisch genug, sich nicht mit den Rechten einzulassen. Er ist allerdings auch nicht durchsetzungsfähig genug, sich nicht von anderen die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Und dabei war es nur Frauke Petry, die ihn kaltgestellt hat. Wenn man bereits wegen ihr und Michel Friedman die Kurve kratzen muss, ist man in der richtigen Politk ganz falsch.

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