Was vom Tage bleibt
Lieber Neid als Mitleid

Die Schelte aus den USA an der deutschen Exportstärke ist absurd. Assads Chemiewaffen sind angeblich zerstört. Seehofer will mehr Geld. Und Achtung: Der Wein wird knapp. Der Tagesbericht
  • 0

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Schelte aus Amerika

Die verzagten Staaten von Amerika vergessen nicht nur ihre eigenen Freiheitsideale, wenn sie die Welt bespitzeln, sondern zeigen jetzt auch noch mit dem Finger ausgerechnet auf Deutschland. Unser Land schade durch seine Ausfuhrstärke der Stabilität in Europa sowie der globalen Wirtschaft, lies uns das US-Finanzministerium wissen. Das Ergebnis der deutschen Exportpolitik seien deflationäre Tendenzen im Euroraum und in der gesamten Welt. Klingt ein bisschen nach dem Neid eines Landes, das gerade vorletzte Woche noch am finanziellen Abgrund entlangschrammte. Nun ist uns Neid schon mal lieber als Mitleid. Aber liebe Freunde aus den USA: Wir werden nicht aufhören, den Menschen auf der ganzen Welt das anzubieten, was sie haben möchten. Das haben wir übrigens auch von Euch gelernt.

Vorschlaghämmer gegen Chemiewaffen

US-Präsident Barack Obama hatte Syrien gewarnt, Chemiewaffen einzusetzen. Als das Assad-Regime es dennoch tat, hat Obama zugeschaut und ver- statt gehandelt. In diesem Fall lohnte es sich allerdings zu zaudern. Die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen hat heute bekannt gegeben, dass Syriens Chemiewaffen entschärft seien. „Mit Bulldozern oder Vorschlaghämmern“ sei das Schadpotenzial zerstört worden. Damit hat sich zwar ein Despot wie Assad im Sattel halten können, aber dennoch ist die Welt ein bisschen sicherer geworden.

Wo Seehofer wie Gabriel ist

Die CSU ist eine Steuererhöhungspartei. Sie will eine Maut für Autofahrer. Dass die bei Inländern mit der Kfz-Steuer verrechnet wird und nur bei Ausländern oben drauf kommt, ändert nichts an dem Umstand, dass CSU-Chef Horst Seehofer offenbar nach neuen Einnahmequellen für den nimmersatten Staat fahndet. Die SPD lehnt ab. Tatsächlich merkt sie nicht, dass sie vielleicht nicht im Detail, aber doch in der Sache das Gleiche vorhat wie der Mann aus München.

Wein wird knapp

Der Welt droht Weinmangel. Zu dieser ernüchternden Analyse kommt die US-Bank Morgan Stanley. Die Analysten beziffern die Lücke zwischen geringerem Angebot und höherer Nachfrage im vergangenen Jahr auf 300 Millionen Kisten. Dies sei die höchste Diskrepanz in den vergangenen 40 Jahren, seitdem Morgan Stanley die Weinerzeugung beobachtet. Laut der US-Bank ist die globale Weinnachfrage seit 1996 stets gestiegen und liegt derzeit bei drei Milliarden Kisten. Lediglich während der Finanzkrise gab es einen konjunkturbedingten Einbruch. Die steigende Nachfrage sei darauf zurückzuführen, dass Chinesen und Amerikaner mehr trinken. Es folgt, was folgen muss: Wein wird teurer. Solange sollten Sie nicht warten. Genießen wir an diesem um einen besinnlichen Feiertag verlängerten Wochenende einen feinen Tropfen, bevor uns die Chinesen ihn wegtrinken. Oder noch schlimmer: Die Amerikaner, die sich anschließend darüber aufregen, dass wir auch noch Wein exportieren.

Aufregungsfreie Tage wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Lieber Neid als Mitleid"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%