Was vom Tage bleibt
Lob des Lobbyismus

Die BMW-Großaktionäre sind auch Großspender für die CDU. Künast verzichtet zugunsten von Roth. Optimistische Töne aus Washington. Tod eines Frohmachers. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Warum Lobbyisten doch keine schlechten Menschen sind

Sind Lobbyisten schlechte Menschen? Der Atomlobby haben wir ja zum Glück einen Maulkorb umgehängt. Jetzt gibt es aus dieser Richtung nur noch die Energielobby. Aber es bleibt noch genug: die Tabaklobby, die Agrarlobby, die Bankenlobby und die Autolobby natürlich. Zu letzterer gehören die meisten von uns und auch die Familie Quandt als Großaktionär bei BMW gehört dazu. Sie hat der CDU in diesem Jahr 690.000 Euro spendiert. Ein paar Tage nach dem Geldtransfer hat die CDU-Kanzlerin strengere Abgasnormen für Autos in Europa verhindert. Betroffen von einer Reduzierung der Abgaswerte sind in erster Linie die Hersteller von Oberklassenlimousinen in Deutschland. Lobbyisten machen ihre Arbeit, Politiker auch. Und solange Parteien auf Spenden angewiesen sind, wird der Vorwurf, dass Lobbyisten sich Entscheidungen erkaufen, nicht verschwinden. Die Alternative hieße: mehr Steuergeld für die Parteien. Das wäre aber sicher die schlechtere Alternative.

Aus fürs Frauen-Catchen

Manche hatten gehofft, dass nicht bei jeder dritten Veranstaltung in Berlin Claudia Roth plötzlich vor den Vorhang tritt. Doch wie gewonnen, so zerronnen: Roth bewirbt sich als Bundestags-Vizepräsidentin, ihre Kollegin Renate Künast zieht die Kandidatur zurück. Die beiden Alpha-Damen bei einer Kampfkandidatur zu erleben - das wäre schon so etwas wie Frauen-Catchen. Aber daraus wird eben nichts. Stattdessen wird die verbliebene grüne Spitzendame wieder Talkshows füllen, Demonstrationen anführen und in öffentlichen Reden erzählen, wie sie sich fühlt. Mal ehrlich: Sie hätte uns auch irgendwie gefehlt.

Braten in der Röhre

Wenn Sie beispielsweise mit Ihrem Mann, Ihrer Frau oder Freundin oder wem auch immer besprechen, was es am Wochenende zu essen gibt, dann kommen Sie wahrscheinlich schnell zur Sache: „Nudeln gibt es die ganze Woche über. Lass uns Fleisch machen.“ - „Aber nicht so etwas Schweres. Ich möchte frisches Gemüse“, so könnte sich das Gespräch entwickeln. Wenn Parteien darüber reden wollen, ob sie gemeinsam etwas auskochen, dann sondieren sie erst mal, bevor sie ans Eingemachte gehen. In unserem Kochbeispiel klänge das etwa so: „Du Schatz, ich habe voraussichtlich am Wochenende Hunger.“ - „Das trifft sich gut, ich auch.“ Entschieden ist damit nichts. Genauso ist es bei den Koalitionsgesprächen, die derzeit noch Sondierungsbemühungen sind. Entschieden ist noch nichts. Dass der Braten noch nicht in der Röhre ist, glaubt allerdings keiner.

Washington verbreitet Optimismus

Keine Sondierungsgespräche, sondern endlich zur Sache müsste es bei den Parteien in Washington gehen. Immerhin gibt es im Haushaltsstreit Optimismus. Die erbitterten Rivalen traten gestern mit ähnlich lautenden, frohen Botschaften auf. „Ich bin sehr optimistisch“, sagte der Demokrat. „Es hat einen sehr konstruktiven Austausch gegeben“, sagte der Republikaner. Heute Nacht gehen die Verhandlungen weiter. Anshu Jain, der Co-Chef, der Deutschen Bank hat bereits beschrieben, wie er die Welt sieht, wenn sich der Republikaner nicht mit dem Demokraten einigt: „Schrecklich“.

Tod des Frohmachers

Erstmals hat sich Hans Riegel in diesen Monaten nach 67 Jahren an der Unternehmensspitze von einem familienfremden Manager vertreten lassen. Sein Vater, Hans Riegel Senior, hatte das Unternehmen 1920 gegründet und keinen Tag Ferien gemacht. Der Neffe, Hans-Arndt Riegel, steht an die Spitze des Aufsichtsrats. Der andere Neffe, Hans-Guido Riegel, leitet das Ressort Produktion in der Geschäftsführung. Die Gummibärchen verhalfen Haribo zu Weltruhm. Der Werbeslogan „Haribo macht Kinder froh und Erwachsene ebenso“, ist ein Ohrwurm. Hans Riegels Fabrik bringt es auf Rang acht der größten Süßwarenhersteller der Welt. Er selbst gab sich nach außen wortkarg: „Ich war nie ein Mensch, der den großen Auftritt sucht“, hatte Riegel wenigen Wochen gesagt. Heute ist Hans Riegel, einer der erfolgreichsten Unternehmer, die die Bundesrepublik hervorgebracht hat, abgetreten.

Einen stillen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Lob des Lobbyismus"

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  • Hier wird versucht, die Koruption hoffähig zu machen.

    Wenn es allerdings gekauften Politikern bedarf, um unsere Autos zu verkaufen, sind wir am Ende.
    Die Chinesen, oder allgemein die Asiaten werden uns in wenigen Jahren mit Elektroautos überholen, denen wir nichts entgegenzusetzen haben. Und die dortigen Politiker können unsere Reichen dann nicht mehr kaufen.

    Besser wäre es, Produkte zu entwickeln, die sich auch ohne gekaufte Politiker vermarkten lassen.

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